Ludwigshafen „Das war mehr Glück als Verstand“

HOCHDORF-ASSENHEIM. So richtig erklären konnte den Punktgewinn niemand im Lager des TV Hochdorf. Der Drittligist hatte gerade dem Tabellenführer HSC Bad Neustadt ein Bein gestellt auf dem holprigen Weg zur Meisterschaft. Bad Neustadt hat durch den unerwarteten Punktverlust in Hochdorf nun nur noch einen Zähler Vorsprung vor Coburg.
„Das war mehr Glück als Verstand“, sagte schließlich Benjamin Matschke. Der Trainer des TV Hochdorf hat in seiner Laufbahn als Handballer schon einiges erlebt, aber so eine Aufholjagd kam selten vor. „Was die Mannschaft emotional leisten kann, hat sie in den letzten zehn Minuten gezeigt. Das werden die Jungs nicht vergessen“, sagte der 31 Jahre alte Matschke.
Zehn Minuten vor Spielende sah es ziemlich düster aus für Hochdorf. 25:20 führte Bad Neustadt (42.), als Benjamin Hundt vom Feld musste und frustriert gegen die Wasserkiste trat. Er hatte einen Ball unnötig verloren und sich darüber aufgeregt. Mitspieler Jan Claussen diskutierte an der Seitenlinie mit Hundt über seinen Ballverlust und den Ausraster. Die Nerven lagen blank. Und es kam noch schlimmer für Hochdorf. Bad Neustadt baute seine Führung aus. Es bahnte sich ein Debakel an.
Es wurde aber keins. Denn Trainer Matschke stellte taktisch um. Bad Neustadt hatte bis dahin keine Mühe gehabt, einfache Tore zu erzielen – trotz einiger Schwächephasen. Die Gäste überzeugten mit einer einfachen und schnörkellosen Spielweise. Das alles klappte bis zur 45. Minute prima – bis eben Matschke in die Taktikkiste griff. Das zeigte Wirkung. Hochdorf erkämpfte sich nun immer mehr Bälle und kam durch Tempogegenstöße zu Toren. Die Gastgeber hielten das Tempo hoch. Damit hatte Bad Neustadt nicht gerechnet. Die Oberfranken konnten nämlich körperlich, aber auch spielerisch nichts mehr entgegensetzen.
Der Vorsprung schmolz. Plötzlich führten die Gäste mit ihren vielen Nationalspielern im Team nur noch mit 33:31 (58.). Hochdorfs Jan Claussen verkürzte mit zwei Toren auf 33:34. Die Zuschauer in der Halle tobten. Es waren nur noch wenige Sekunden zu spielen. Im letzten Angriff des Spiels wurde Daniel Lanninger dann gefoult. Klare Entscheidung: Siebenmeter. Noch vier Sekunden waren da zu spielen. Benjamin Hundt verwandelte sicher zum 34:34-Endstand. Jener Hundt, der Minuten zuvor noch frustriert vom Feld ging, behielt die Nerven und sorgte für eine faustdicke Überraschung.
„Wir haben es versäumt, rechtzeitig den Sack zuzumachen“, sagte Matthias Obinger, Trainer des HSC Bad Neustadt frustriert. Ein kleiner Trost blieb ihm und seiner niedergeschlagenen Mannschaft. Der HSC bleibt vorerst Tabellenführer. Doch das Titelrennen ist nun offen - dank des TV Hochdorf. Ein Punkt Vorsprung hat Bad Neustadt vor Coburg bei noch fünf ausstehenden Partien.
Der nicht einkalkulierte Punktverlust in Hochdorf könnte demnach die Oberfranken noch teuer zu stehen kommen. Und ein Blick in die Statistik wird die Gäste sicherlich noch mehr grämen. Denn nur sieben Bälle parierten die beiden Hochdorfer Torhüter Tim Doppler und Max Haller. Außerdem führte Hochdorf zu keiner Phase des Spiels. Und dennoch reichte es nur zu einem Punkt.