Ludwigshafen
Das spontane Interview in Ludwigshafen: Der Präsident über den Motorradclub Iron Cross
„Irgendwo in Lu“ sind wir jede Woche auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Am Samstag haben wir Frank Kreutzenberger (54) getroffen. Der Ludwigshafener ist selbstständiger Betreuer und Präsident des Motorradclubs Iron Cross.
Motorradclubs sind eher verrufen. Woran liegt das?
Für jemanden, der keine Ahnung hat, sind wir durch unser Auftreten mit den schwarzen Kutten wohl suspekt, und wir werden durch unsere Symbolik oft in die rechte Ecke gesteckt. Aber damit gehen wir offensiv um. Bei uns sind Leute, die bei der BASF beschäftigt sind, auch städtische Mitarbeiter und mittlerweile Rentner. Wir sind vieles, aber ganz sicher nicht rechts. Wir sind eben die Rocker-Hippies von früher, die mit diesem Lebensstil altgeworden sind.
Trotzdem nutzt auch Ihr Club das Eiserne Kreuz als Symbol und trägt es sogar im Namen …
Das Eiserne Kreuz ist eine Auszeichnung aus dem Deutsch-französischen Krieg 1870/71, die später von den Nazis missbraucht worden ist. Es war die erste Auszeichnung für den einfachen Soldaten. In dieser Tradition sehen wir Rocker uns, deshalb haben auch die Clubgründer das Symbol damals bewusst gewählt. Wir Rocker sehen uns als Ritter, denen die Werte Treue, Zusammenhalt und vor allem Ehrlichkeit noch etwas gelten. Und das Motorrad ist unser Pferd.
Es gibt aber durchaus auch Clubs, die diese Werte ein wenig martialisch vertreten. Wie ist das bei Ihnen?
Natürlich darf man als Rocker kein Weichei sein. Es gab damals auch in Ludwigshafen wilde Zeiten. Vor allem, als ein großer Club die Anzahl der Clubs in der Stadt auf fünf limitiert hat. Damals waren wir nicht dabei und mussten uns wehren. Aber dann hat sich ein anderer Club aufgelöst und wir wurden in diesen Kreis aufgenommen. Seither hat es sich beruhigt. Wir sind akzeptiert und sogar so weit anerkannt, dass wir für andere, große Clubs, die sich möglicherweise nicht immer grün sind, als „neutrales Gebiet“ gelten und sehr angesehen sind.
Wie streng ist die Hierarchie beim Iron Cross aufgebaut?
Das ist nicht so wild. Bei uns gibt es zum Beispiel keine Dienste. Und das Kind von einem Member ist automatisch ein Member. Allerdings können Frauen kein Member werden, obwohl unsere Frauen alle auch Motorrad fahren. Das hatten wir mal kurz, aber das brachte nur Unruhe.
Und wie wird man Member?
Da sind wir vom ganz alten Schlag. Zu uns kann zunächst jeder kommen. Das heißt aber nicht, dass wir auch jeden aufnehmen. Derjenige muss erst einmal eine Weile mit uns abhängen und hat dann ein Jahr Probezeit, in dem wir uns ihn und auch seine Familie genau ansehen. Es muss ganz einfach menschlich passen. Das gilt eben auch für die Frau. Und nach dem Jahr wird er dann in den Club hineingewählt – oder eben nicht. Aber in der Regel merken die Leute schon während der Probezeit, wenn es nicht passt und verzichten freiwillig.
Wie groß ist der Verein?
Wir haben 17 Mitglieder. Ich gehe davon aus, dass kleine Clubs wie wir in absehbarer Zeit aussterben werden. Das ist wie in der Wirtschaft auch. Da gibt es keine „Tante Emma“-Läden mehr, sondern große Läden auf der Grünen Wiese. Große Clubs sind in de Nachwuchsgewinnung auch offensiver und machen Angebote. Aber wir machen gar keine Geschäfte.
Ihr Club hat ein privilegiertes Vereinsheim an der Blies. Wie kam es dazu?
Ursprünglich war unser Clubheim in Altrip, aber das wurde für den Bau eines Polders abgerissen. Dann waren wir zwei Jahre heimatlos, bis ich bei einer Fahrt an dieser ehemaligen Gaststätte vorbeigekommen bin. Damals war ich noch bei der Stadt angestellt und habe einfach mal angefragt, ob wir Gebäude und Gelände kaufen können. Das hat geklappt. Dafür bin ich vor allem dem damaligen Sozialdezernenten Wolfgang van Vliet, der sich sehr für uns eingesetzt hat, sehr dankbar.