Ludwigshafen „Das Publikum und die Musik haben Kraft gegeben“
Mutterstadt. Ein besonderes Gedenkkonzert veranstalten Ulrike Machill und ihr Bruder Volker Bengl an Allerheiligen in Mutterstadt. Unter dem Motto „Konzert für Engel“ können sich die Gäste im Vorfeld Lieder für Verstorbene wünschen. Im Interview spricht Ulrike Machill über die Idee, Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr und warum sie heute noch eine Gänsehaut bekommt, wenn sie an das letzte Konzert denkt.
Es kann alles gewünscht werden, aber alles können wir nicht singen. AC/DC singen wir zum Beispiel nicht. Sie und Ihr Bruder sind Opernsänger. Tragen Sie nur Lieder Ihres Genres vor? Nein, ich arbeite auch Lieder auf und wir studieren neue Stücke ein. Letztes Jahr waren es 20. Ich habe alles in die Wege geleitet, dass die Wünsche erfüllt werden können. Letztes Jahr haben wir das Konzert zum ersten Mal in Mutterstadt gegeben. Da habe ich für ein 200 Jahre altes Lied in Tübingen recherchiert. Das hat sich gelohnt. Es war besonders schön. Tragen Sie denn nur alte Stücke vor? Nein. Letztes Jahr gab es auch modernere. „Time to say goodbye“ war das letzte Lied. Ich habe mich vorher gefragt, ob es zu den anderen passt. Die Leute haben gestanden und waren begeistert. Ein anderer hat sich „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ gewünscht. Da habe ich aber mehr einen Chanson draus gemacht. Das Stück war dann leicht und langsam. Alle haben mitgesungen. Mitgesungen? Das habe ich jetzt nicht erwartet. Das war ergreifend und sehr befreiend zugleich. Auch bei „Wir wollen niemals auseinander gehen“ haben alle mitgesungen. Ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass das Konzert eine solche Dynamik bekommt. Ich habe mich vorher gefragt, ob ich das emotional schaffe. Das Publikum und die Musik haben mir so viel Kraft gegeben. Es wird einem bewusst, dass wir in diesem Punkt alle gleich sind und es jeden gleichermaßen trifft. Die Gäste können sich im Vorfeld bei Ihnen melden. Wie war die Resonanz im vergangen Jahr? Wirklich toll! Es haben viele bei mir angerufen und mir ihre Geschichten erzählt. Ein Mann zum Beispiel hat sich für seinen Vater, der in Stalingrad umgekommen ist, das „Wolgalied" gewünscht. Sie bieten an, dass Sie die Namen der Verstorbenen nennen, denen das Lied gewidmet ist. Nehmen die Gäste dieses Angebot an? Viele wollen nicht, dass man ihren Namen nennt, andere schon. Sie wünschen sich auch, dass man das ein oder andere zur Person sagt. Haben Sie denn auch eigene Lieder als Erinnerungen zum letzten Konzert mitgebracht? Ich hatte das „Ave Maria“ von Bach-Gounod dabei. Ich singe es unheimlich gern. Und „Die Rose“. Sind es denn hauptsächlich getragene Lieder oder erinnern sich die Menschen gern mit fröhlichen Titeln an die Verstorbenen? Hauptsächlich waren es melancholische Lieder, aber auch schwungvolles wie „Ein Lied geht um die Welt“ war dabei. Die Gäste haben sich oft Lieder gewünscht, die sie schon bei ihrer Hochzeit gehört haben, zum Beispiel „Ich bete an die Macht der Liebe“. Wie kamen Sie denn darauf, ein solches Konzert an Allerheiligen zu veranstalten? Die Idee hatte ich schon zwei Jahre vorher. Ich habe bei einer Beerdigung gesungen, bei der ich Lieder vorgetragen habe, die schon auf der Hochzeit der Verstorbenen gesungen wurden. Normalerweise singe ich nur bei Beerdigungen älterer Menschen, aber diese Frau war Anfang, Mitte 40. Ich habe mir überlegt, was ich machen will, wenn ich das gut hinter mich gebracht habe. Es hat mich sehr bewegt. Da kam die Idee für das Konzert für Engel. So können sich die Leute an Lieder erinnern und alles aufarbeiten. Und dann haben Sie Ihren Bruder mit ins Boot geholt? Ja. Er war total begeistert. Wenn wir zusammen singen, sind wir mit Herz und Seele dabei. Termin „Konzert für Engel“ mit Ulrike Machill, Volker Bengl und Stefan Franz (Klavier und Orgel), Dienstag, 1. November, 17 Uhr, protestantische Kirche Mutterstadt, Eintritt: 18 Euro. Karten gibt es ab Donnerstag, 1. September, in Mutterstadt im protestantischen Pfarrbüro, der Kronen Apotheke und in Mutter’s Presseshop. Wer sich ein Lied für einen Verstorbenen wünschen möchte, kann sich unter Telefon 06234 945163 oder per E-Mail an ulrike.machill@kabelmail.de melden. |cju