Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Das pralle Leben: Street-Art-Projekt des Wilhelm-Hack-Museums

Zwei Vögel in einer dschungelartigen Kulisse: das Mural von Julia Heinisch und Frederic Sontag.
Zwei Vögel in einer dschungelartigen Kulisse: das Mural von Julia Heinisch und Frederic Sontag.

Muralu. Was klingt wie der kunterbunten und lebensfrohen Welt Astrid Lindgrens entsprungen, ist in Wahrheit das Street-Art-Projekt des Wilhelm-Hack-Museums. Das deutsch-österreichische Duo Video Sckre und der italienische Künstler Agostino Iacurci sind jetzt nach Ludwigshafen eingeladen worden, um zwei Hauswände zu verschönern.

„Warte mal, ich zieh mir noch schnell was über“, ruft der junge Mann, der gerade hinter einer Hecke steht und einen Pinsel schwingt. „Ansonsten sieht das ja fast wie ein Aktfoto aus.“ Agostino Iacurci lacht, während er vor seinem jüngsten Mural in der Hochfeldstraße in ein T-Shirt schlüpft. Die Temperaturen haben in den vergangenen Tagen einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. In der Sonne, die sein Kunstwerk bescheint, hat das schweißtreibende Konsequenzen. „Palmen am Rhein“ soll das Wandbild heißen.Die Natur als Quelle der Inspiration spielt in der kreativen Arbeit des jungen Mannes, der aus dem süditalienischen Foggia stammt, eine wichtige Rolle. Seit 2009 hat der Absolvent der Akademie der schönen Künste zu Rom eine Fülle von Murals rund um den Globus gemalt. Neben den bunt gestalteten Fassaden, die man aus der Straßenkunst kennt, widmet er sich auch der plastischen Kunst, klassischer Malerei und Installationen im öffentlichen Raum. Seine Werke waren schon in großen Ausstellungen in Rom, New York und im Rahmen der Urban Art Biennale in der Völklinger Hütte zu sehen.

Bevölkerung zeigt Interesse

Seit vier Jahren lebt Iacurci in Berlin. Von dort ist er angereist, um das Mural mit der expressiven Palme in Ludwigshafen zu malen. Es ist sein erster Besuch in der Stadt am Rhein. Ermöglicht durch das Street-Art-Projekt „Muralu“ des Wilhelm-Hack-Museums, das 2018 initiiert worden ist. Damit greifen die Verantwortlichen auch eines der ureigenen Themen der modernen Straßenkunst auf: die Gestaltung des öffentlichen Raums, indem man ihn durch Interventionen aktiv verändert. Darüber hinaus möchte man in Ludwigshafen auch ein identitätsstiftendes Moment für die Bevölkerung erzeugen.

Letzteres scheint in der Zeit, in der die Künstler bisher am Werk waren, offenbar schon gelungen zu sein. Immer wieder bleiben Passanten vor den Murals stehen, unterhalten sich darüber, machen ein Foto mit dem Smartphone und bewundern die kreative Farbenexplosion, die da vor ihrer Haustür entsteht. Auch mit den Künstlern kommt der eine oder andere ins Gespräch. Die Neugierde gepaart mit der Freude über das, was man jetzt schon sehen kann, ist groß.

Straßenkunst soll ins Museum kommen

Auch René Zechlin, der Direktor des Wilhelm-Hack-Museums, ist angetan von dem, was er in der Gartenstadt erblickt. „Kunst ist wie ein Spiegel des gesellschaftlichen Lebens, da macht auch die Street Art keine Ausnahme“, bemerkt er und verweist auf das Ziel, das von der BASF geförderte Projekt ins Museum zu bringen. „Im Herbst 2022 ist in unserem Haus eine Ausstellung zur Bedeutung der Straße im 20. und 21. Jahrhundert geplant“, sagt Zechlin. „Die soll neben Genres wie der Straßenfotografie und urbaner Aktionskunst eben auch die Geschichte des Graffiti beleuchten.“ Er hält es durchaus für möglich, dass das Museum künftig Führungen zu den Standorten der Murals anbieten könnte. Das Immobilienunternehmen GAG hatte die Wände für die aktuellen Murals in der Hochfeldstraße zur Verfügung gestellt.

Eines davon wurde am Wochenende vom deutsch-österreichischen Künstlerduo Video Sckre vollendet und zeigt zwei Vögel, die ihre gewaltigen Schwingen inmitten einer dschungelartigen Kulisse ausbreiten. Die verschiedenen Formen und Facetten der Natur stellen auch für Julia Heinisch aus Linz und ihren Partner Frederic Sontag aus Ludwigsburg ein zentrales Motiv dar. „Auf einen Namen für das Mural haben wir bewusst verzichtet“, spricht Julia Heinisch, die in Wien ihren Master in Kunstgeschichte gemacht hat, über ihre Herangehensweise, die auf die Kraft der Intuition setzt: „Titel geben stets etwas Bestimmtes vor, doch die Menschen, die sich das Bild anschauen, sollen sich ihre eigenen Gedanken dazu machen.“

Hommage an die Natur

Frederic Sontag nickt. Der gelernte Theatermaler, der Kulissen bei den Münchner Kammerspielen erschafft, ist als Jugendlicher in die Welt der Graffiti eingetaucht, die er in seine künstlerische Arbeit immer mal wieder einbaut. Mit Blick auf das Mural in Ludwigshafen wirkt das wie eine Symbiose aus klassischer Malerei und moderner Street Art. Angesprochen auf das satte Grün, das für den Beschauer des Bildes dominierend erscheint, verweist er auf die Lebendigkeit der Farbe: „Alleine farbenpsychologisch ist das eine schöne Sache.“ Neben dem positiven Effekt, der mit dem Motiv einhergehen soll, sei der mit Sprühdose und Pinsel gezeichnete Wald mit den schwebenden Tölpeln auch eine kraftvolle Hommage an Mutter Natur und bringt sprichwörtlich Farbe in das alltägliche Grau. Farbe, die jetzt schon viele gute Gefühle bei den Anwohnern erzeugt.

Im NetzWer sich für die Künstler des Street-Art-Projekts des Wilhelm-Hack-Museums und deren Arbeiten interessiert, kann sich auf www.video-sckre.de und www.agostinoiacurci.com ein Bild davon machen.

„Palmen am Rhein“ heißt das Werk von Agostino Iacurci.
»Palmen am Rhein« heißt das Werk von Agostino Iacurci.
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