Ludwigshafener Geschichte(n)
Das Oppauer Haus: Wanderheim mit bewegter Geschichte
Die Obbarer Dambnudle waren schon vor fast 50 Jahren der Renner im Naturfreundehaus im Wachenheimer Pferchtal – besser bekannt als das „Oppauer Haus“, das in den 1920er Jahren überwiegend in Eigenarbeit der Oppauer und Edigheimer Naturfreunde entstand. Pächterin Sabine Hensel will die traditionelle Mehlspeise wieder zu einer Attraktion ihres Hauses machen: „Jeden Samstag gibt’s künftig Dambnudle – mit den bekannten verschiedenen Geschmackszusätzen.“
Sie tritt damit in die Fußstapfen einer legendären Vorgängerin: Die frühere Pächterin Margot Senger aus Oggersheim hatte vor fast 50 Jahren durch einen Zufall entdeckt, dass die kulinarische Spezialität aus Oppau bei Wanderern, Ausflüglern und Spaziergängern überaus gut ankam – und die jeweils 150 Plätze in und vor dem Haus oft nicht ausreichten, um alle Gäste unterzubringen. Jeden Samstag brutzelten seitdem in der Küche des idyllisch gelegenen Naturfreundehauses im Pferchtal an die 300 Dambnudle – „so kann es wieder werden“, hofft Sabine Hensel.
Beliebtes Wanderheim
Das Oppauer Haus im kleinen Pferchtal rund acht Kilometer westlich des Wachenheimer Bahnhofs ist eine Schöpfung der Naturfreunde, die im August 1920 in Oppau einen Ortsverein unter Leitung von Philipp Hahn gegründet hatten. Im Mai 1922 gründeten auch die Naturfreunde in Edigheim eine Ortsgruppe, die sich fünf Jahre später den Oppauern anschloss – die neue Organisation hatte damit 174 Mitglieder. Und eine Idee: Im Pfälzerwald sollte ein eigenes Wanderheim entstehen. Zu Beginn des Jahres 1928 war ein Ausschuss bei der Standortsuche erfolgreich: Im einsamen Pferchtal fand man ein 3700 Quadratmeter großes Areal mit Quelle.
Dann ging’s los – und wie: Jeden Samstag machten sich ganze Scharen von Oppauern per Fahrrad auf den Weg nach Wachenheim, wo in einer Scheune übernachtet wurde. Am nächsten Tag ging’s zur Baustelle im Wald – unterwegs an der Straße zum Forsthaus Rotsteig wurden damals mit behördlicher Genehmigung Sandsteine gebrochen und zugehauen – den Rohbau im Pferchtal erledigten geschulte Männer vom Bau. Einen finanziellen Zuschuss gab es für die ehrenamtlichen Bauhelfer nicht – sie bekamen lediglich ein Mittagessen in Form von Bohnen-, Linsen- oder Erbsensuppe. Der spätere Hausreferent Walter Völkner musste zugeben: „Was der Bau gekostet hat, weiß deshalb keiner.“
Großes Einweihungsfest
Höhepunkt des Ganzen war jedenfalls nach dem Richtfest im August 1929 der Tag der Einweihung mit angeblich rund 4000 Teilnehmern, darunter der damalige Oppauer Bürgermeister Rudolf Zorn, der ein Jahr nach der Stadterhebung des heutigen Ludwigshafener Stadtteils stolz auf die „Enklave“ im Pfälzerwald war. Auch die Wachenheimer freuten sich – sie gratulierten am 30. August 1930 mit einem Lampionumzug durch das Städtchen und einem Blaskonzert auf dem Marktplatz. Das Oppauer Haus wurde auf Anhieb von den Wanderern „angenommen“. 1931 – so eine Statistik – kamen über 15.000 Besucher ins Haus.
Das idyllische Haus mit urigen Übernachtungsplätzen auf Strohsäcken schien einer fröhlichen und guten Zukunft entgegen zu sehen – da kam das Jahr 1933 mit der NS-Machtübernahme. In der Nacht zum 13. März 1933 wurden nach einem Naturfreunde-Gautag im Pferchtal die 43 Übernachtungsgäste von Polizei und SS „in Schutzhaft“ genommen, das Haus geschlossen und später der Hitlerjugend übereignet. Fortan trug es den Namen „Herbert-Norkus-Haus“ – der Namensgeber war ein 15-jähriger Berliner NS-Jugendlicher, der in einer „Straßenschlacht“ mit Kommunisten ums Leben gekommen war.
Wiedereröffnung geplant
Dunkle Jahre folgten und erst im Juli 1946 konnten sich die Oppauer Naturfreunde unter Dominikus Krautschneider neu gründen. Das Oppauer Haus, zuletzt als Blindenheim genutzt, erhielten sie 1950 wieder. Zentralheizung, Küche, Wasserversorgung und dank Ludwigshafens OB Werner Ludwig zuletzt auch Stromzufuhr folgten in den nächsten Jahren – aber der Elan der 20er Jahre war weg. Und die Kosten liefen den älter und weniger gewordenen Naturfreunden davon. So kam es vor rund 20 Jahren zur Zäsur: Sie übergaben ihr Haus dem neugegründeten Familien-Ferien- und Häuserwerk Rheinland-Pfalz der Naturfreunde und retteten es damit vor weiteren Problemen.
„Dieser Schritt war unaufschiebbar und dringend notwendig,“ urteilt heute Stephan Schenk, stellvertretender Landesvorsitzender der Naturfreunde. Geblieben ist die „Philosophie“, das Haus stets von Profis betreiben zu lassen wie Philipp Hahn, der erster Wirt im Pferchtal war. Die derzeitige Pächterin Sabine Hensel würde gerne sofort wieder die Pforten öffnen – „aber das geht aus organisatorischen Gründen nicht – wie sollte ich bei Pandemie-Einschränkungen bürokratische Ordnung halten, wenn man von allen Seiten problemlos auf unser Gelände kommen kann?“ Künftig ist aber – „wenn alles wieder normal läuft“ – das Oppauer Haus jeden Tag außer Donnerstag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Und es gibt Hoffnung: Der „Perspektivplan Rheinland-Pfalz“ des Landes sieht – je nach Inzidenz vor Ort – eine Öffnung des Thekenverkaufs vor. Möglich könnte das ab Fronleichnam sein.