Ludwigshafen Das Musical „Titanic“ kommt ins Mannheimer Nationaltheater

Das Spektrum der Sounds in dem Musical reicht vom Choral über Opernklänge bis hin zum flockigen Ragtime.  Foto: BB Promotion/Sco
Das Spektrum der Sounds in dem Musical reicht vom Choral über Opernklänge bis hin zum flockigen Ragtime.

1912 kollidierte die Titanic, damals das größte Schiff der Welt, auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg und sank. „Titanic – The Musical“ greift Geschichten von Passagieren auf. Die Original Broadway Produktion wurde unter anderem zum besten Musical deklariert. Nun kommt die Londoner Neuinszenierung mit deutschen Übertiteln zu Gastspielen nach Deutschland, unter anderem ins Mannheimer Nationaltheater.

Vor zehn Jahren ist die letzte Überlebende des Unglückschiffes „Titanic“ im Alter von 97 Jahren gestorben. Der Dampfer und sein Untergang geben indes bis zum heutigen Tag den Stoff für immer neue Stories ab. Doch aus der historischen Tragödie und ihren rund 1500 Opfern von über 2200 Menschen an Bord das Remake eines Musicals zu schaffen, ist zweifelsohne gewagt. Zumal der schwülstige Hollywoodstreifen mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet das Thema ziemlich ausgemergelt hat.

Doch der Komponist Maurey Yeston und der Autor Peter Stone haben schon vor zwanzig Jahren ein eindringlich und sorgfältig recherchiertes Drehbuch in ein facettenreiches Bild von der „schwimmenden Stadt“ umgesetzt. Hits wie „My heart will go on“ gibt es in der aktuellen Fassung von BB-Promotion allerdings nicht zu hören, dafür aber eine packende Geschichte, jede Menge schöne Melodien und einen Schuss Sozialkritik. Alle Akte gehen in Englisch mit deutschen Übertiteln auf einer Videoleinwand über die Bühne.

Gigantomanie, Ignoranz und falscher Ehrgeiz

„Unsere Zuschauer lernen in unserem Musical Menschen kennen, die sterben müssen oder überleben. Deren soziales Leben ist von ganz zentraler Bedeutung. Und mit dem Schiff sinkt letztlich auch das Klassensystem an Bord“, beschreibt der Spielleiter von Köln und Mannheim, James Robert Moore, die Geschichte aus seiner Sicht. Wie Gigantomanie, Ignoranz und falscher Ehrgeiz zu einer Tragödie führen – und das trotz der damals bestmöglichen Technik – sei Inspiration für die Musik und die Show auf der Bühne gewesen, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Apropos Technik: Wasserfluten müssen bei der jetzigen Inszenierung überhaupt nicht rauschen. Akteure, Lieder und Handlung sprechen für sich eine eigene, klare Sprache. Ohne viel Bühnenaufwand zieht das Geschehen die Zuschauer zweieinhalb Stunden lang in den Bann. Und wer nach der zehnminütigen Coda nicht ergriffen ist, der stammt nicht von dieser Welt. Neben vielen charaktervollen Männerrollen finden sich auch drei ungewöhnliche Liebesbeziehungen aus der ersten, zweiten und dritten Passagierklasse im Programm.

Eine Hommage an die Menschlichkeit

Vor dem Hintergrund der absehbaren Katastrophe schafft es das ausgezeichnete Ensemble aus England, das Thema Liebe und Tod bewegend in Szene zu setzen. Yestons Musik klingt oft ernst, dem Thema angemessen getragen, aber bisweilen auch ausgelassen. Das Spektrum der Sounds reicht vom Choral über Opernklänge bis hin zum flockigen Ragtime. Kurt Weill, der Vater der „Dreigroschenoper“, hätte wohl seine Freude an den nicht einfachen, aber fesselnden Kompositionen gehabt.

Das Leben und Sterben auf dem „unsinkbaren, größten beweglichen Objekt seiner Zeit“ ist eine Hommage an die Menschlichkeit und gegen den Größenwahn. Autor Peter Stone vergisst dabei auch nicht die verzweifelt gegen das Unabwendbare kämpfende Mannschaft. Selbst wenn der Plot hinlänglich bekannt ist, der Blick in die Seelen des Schiffsarchitekten und des Eigners offenbart neue Aspekte des Dramas. Immer schneller soll es Richtung New York gehen, die „Titanic“ befindet sich auf Rekordjagd. Auf der Crew lastet deshalb ein großer Druck. Verhängnisvolle Fehler sind die Folge. Besonders der Kapitän und der Funkoffizier werden zu tragischen Figuren.

Umjubelte Kölner Premiere

Auch die umjubelte Kölner Premiere hat bewiesen, dass der „Mythos Titanic“ weiterhin fasziniert. Und die Botschaft des Musicals bleibt vor dem Hintergrund immer waghalsigerer Pläne – sei es die Gentechnik, sei es der Flug zum Mars – allzeit aktuell. Handelt es nicht zuletzt doch vom Irrglauben des Homo sapiens, er sei das Zentrum des Universums und könne es wie Gott beherrschen. Bis ihm dann wieder ein kleiner Eisberg die Grenzen aufzeigt.

Termine

Das Musical „Titanic“ ist im Mannheimer Nationaltheater vom Dienstag, 30. Juli, bis Freitag, 2. August, täglich um 19.30 Uhr sowie am Samstag, 3. August um 15 Uhr zu sehen.

Das Musical greift Einzelschicksale der Schiffskatastrophe im Jahr 1912 heraus.  Foto: BB Promotion/Scott Rylander
Das Musical greift Einzelschicksale der Schiffskatastrophe im Jahr 1912 heraus.
Auf der Crew lastet der Druck, einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen. Verhängnisvolle Fehler sind die Folge.  Foto: BB Promo
Auf der Crew lastet der Druck, einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen. Verhängnisvolle Fehler sind die Folge.
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