Ludwigshafen Das Glück der Tüchtigen

Die „Alten“ machen’s vor, der Nachwuchs schaut zu: Jugendtrainer Harry Kraus hebt André Zoschke.
Die »Alten« machen’s vor, der Nachwuchs schaut zu: Jugendtrainer Harry Kraus hebt André Zoschke.

«Ludwigshafen.» Auf dem Kalenderblatt steht zwar „Freitag, der 13.“, aber keine Sorge, es geschieht kein Unglück. Beim KSC Friesenheim im Teichgartenweg 2 geht vergangenen Freitag um 19 Uhr das Training der Ringerjugend ganz normal zu Ende. Ohne Katastrophen. 15 Kinder und Jugendliche haben sich unter der Leitung von Harry Kraus, der – kein Scherz – am 1. April das Training übernahm, ausgetobt. Ebenfalls vor Ort: Aktiventrainer André Zoschke, ein begnadeter Ringer, der einst beim VfK Schifferstadt im Fliegengewicht in der Ersten Bundesliga seinen Mann stand. „Mister Zuverlässig“ nannten sie ihn. Das trifft auch heute noch zu. Im Vereinsheim nach dem Rechten schaut derweil Gregor Hadji-Wassiliu, eine Ikone beim KSC. „1955 habe ich als Neunjähriger hier angefangen zu ringen“, sagt er. Geboren 1946 im Hemshof als Sohn einer deutschen Mutter und eines griechischen „Fremdarbeiters“ – so hieß das damals –, der mitten im Krieg hierher kam, bekleidete Wassiliu beim KSC so ziemlich jeden Posten. Ringer, Trainer, Abteilungsleiter, Sportlicher Leiter. Im Hier und Jetzt, in dem der Kraft-Sport-Club 125 Jahre alt wird, führt er den Verein als Vorsitzender. An seiner Seite: Ehefrau Ingrid, die bei den Heimkämpfen an der Kasse sitzt oder ausschenkt und Würstchen verkauft. Neben den Umkleideräumen im Büro, das auch als kleines Vereinsmuseum durchgehen könnte, sitzt Klaus Biesinger, zuständig für die Ehrungen, vorm Computer. Ein ganz wichtiger Job in so einem Traditionsclub. Ebenfalls da: Mike Gössner, die KSC-Legende im Schwergewicht. Früher trieb er seine Gegner auf griechisch-römische Art auf der Matte zur Verzweiflung, heute ist er Jugendleiter. Kraus räumt mittlerweile mit seinen Sprösslingen eine der beiden Ringermatten ab, die andere lassen sie für die Aktiven liegen, die freitagabends so ab sieben Uhr kommen. Falls sie kommen. „Im Moment sieht es eher mau aus“, gesteht Wassiliu. „Aber das ist um diese Jahreszeit immer so. Ab Juni tauchen sie alle wieder auf.“ Beim KSC läuft das Training normalerweise etwas anders ab als üblich. Erst wird gespielt, dann trainiert. Das Spiel ist eine Art Basketball. Mit Schrittfehlern nimmt man es nicht so genau, körperlos ist die KSC-Version auch nicht. Immerhin: Der Ball soll in den Korb, alle haben Spaß und sind am Ende aufgewärmt. Statt richtigem Ringertraining geht es heute direkt in den Keller zum Krafttraining. Und hinterher wartet der Stammtisch – mit eingefräster Ehrenbucht für den Vorsitzenden – im Vereinslokal. Das ist das Reich von Julio Mantello und seiner Frau Radomirca Alexis. Apropos Freitag, der 13.: Statt von Unglück sollte man beim KSC Friesenheim lieber von Glück reden. Dem Glück der Tüchtigen. Der Club hat eine eigene Sporthalle – welcher Ringerverein in Deutschland kann dies von sich behaupten? –, ein gut gehendes Restaurant mit einem Wirtsehepaar, das schon seit mehr als zwölf Jahren hier arbeitet und wohnt, im Keller einen Kraftraum und zwei Kegelbahnen sowie draußen einen großen Parkplatz. Selbstredend gelten die Ringer bis heute als Herzstück des Vereins. Aber es gibt weitere Abteilungen. Die im Badminton zum Beispiel, die schon seit 45 Jahren besteht. Dazu Frauengymnastik oder die Alten Herren, die montags ihrem Sport nachgehen, sowie Aikido. Nicht zu vergessen: viele private Gruppen oder Vereine, die sich regelmäßig „freiwillig“ im Vereinslokal treffen, wie die Sänger, die ab und zu mal ein Liedchen schmettern. Feiern kommt beim KSC nicht zu kurz, besonders nicht im Jubiläumsjahr. In drei Tagen, am Samstag, 21. April, findet um 11 Uhr in der KSC-Halle ein Festakt statt. Der Harmonika Club wird spielen, die Chorgemeinschaft Friesenheim singen. Mitglieder werden geehrt, Grußworte gesprochen. Besonderer Ehrengast: Ludwigshafens neue Oberbürgermeisterin und Sportdezernentin Jutta Steinruck (SPD). Weiter geht’s ab 19 Uhr an gleicher Stelle mit einem bunten Abend. Musik, Tanz, eine Verlosung sowie ein Programm mit Überraschungen sind geplant. 125 Jahre KSC, es wird viel zu erzählen geben. Damit nicht genug im Jubeljahr: Das Sternstraßenfest wird diesmal am KSC-Stand eröffnet. Nach den Sommerferien gibt es das Vereinsgrillfest. Schon legendär am dritten Wochenende im September die „KSC-Klause“ auf der Friesenheimer Kerwe. Ein weiterer Höhepunkt: Der KSC richtet am letzten November-Sonntag zum 48. Mal das Rhein-Main-Neckar-Turnier aus. Das Jubiläumsjahr 2018 endet: 2019, im Januar mit der Jahresabschlussfeier.

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