Ludwigshafen Das Gefühl, wenn Farbe fasziniert
Mutterstadt. Im Alter von 50 Jahren mit Malerei beginnen – das klingt erstmal etwas ungewöhnlich. Reinhild Schwarz hat genau das getan und malt in ihrer Freizeit hauptsächlich ungegenständlich mit Acryl- und Aquarellfarben. Mittlerweile stellt die Mutterstadterin ihre Kunstwerke auch aus – derzeit zum Beispiel unter dem Titel „Faszination Farbe“ im südpfälzischen Impflingen.
Reinhild Schwarz holt einen kleinen Ordner an den Couchtisch. Stolz zeigt sie darin ein paar ihrer Werke im Kleinformat. Anfangs hat sie nur für sich selbst gemalt. „Wer das aber auf Dauer ohne professionelle Anleitung tut, der bleibt auf einem Level stehen“, meint die 66-Jährige, die ursprünglich aus dem saarländischen Freisen stammt. Um sich stetig weiterzuentwickeln, besucht Reinhild Schwarz ständig Kurse – in den ersten Jahren an der Volkshochschule (VHS) Mutterstadt. Mittlerweile nimmt sie seit Jahren an wöchentlichen Aquarellkursen in Mischtechnik an der VHS Speyer teil, lernt dabei Techniken von der klassischen Zeichnung bis zur Abstrahierung. Desweiteren malt sie mehrere Male im Jahr in Kursen eines Pfälzer Künstlers. Das gemeinsame Arbeiten erweitere den künstlerischen Horizont stetig, bringe immer wieder neue Ideen. „Mir ist es wichtig, viele Techniken zu beherrschen“, sagt die Mutterstadterin, die ihre Vorliebe für Acryl im Lauf der Zeit entdeckt hat. Bei den Bildern sei es ihr wichtig, dass der Betrachter viel hineininterpretieren kann und die Fantasie angeregt wird. „Es reizt mich wenig, wenn auf den ersten Blick das Motiv erkennbar ist.“ Aus diesem Grund male sie besonders gern ungegenständliche Acrylbilder auf Leinwand oder Papier. Bis zu zehn Farbschichten trägt sie auf Leinwände oder besonders dickes Papier auf. Als Grundlage dienen ausgewählte Schwarz-Weiß-Fotografien mit Motiven wie der Völklinger Hütte oder Landschaften, die teils noch durch Figuren ergänzt werden. „Kreativ war ich aber schon immer“, sagt Reinhild Schwarz. An der Wand in ihrem Wohnzimmer hängt eine Auswahl ihrer Acrylbilder, die ihr Schaffen zeigen. Früher, erzählt sie, habe sie gebatikt und getöpfert. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sie auch die Malerei für sich entdeckte. „Eigentlich konnte ich mich früher vor allem für Musik begeistern und habe im Orchester mitgespielt“, erzählt sie. Aus gesundheitlichen Gründen sei das Akkordeonspielen aber irgendwann nicht mehr möglich gewesen. Dann kam die Malerei, als Reinhild Schwarz mit 50 Jahren die ersten Malkurse in Mutterstadt belegte. Beim Blättern durch ihren Ordner bleibt die Hobbymalerin an einem Bild hängen, das einen Frauenkörper zeigt. „Es ist auch schon passiert, dass ich anfangs eine Landschaft im Sinn hatte und am Ende ein Frauenkörper herausgekommen ist; das kann passieren“, erzählt sie. Kunst sei eben ein komplexer Prozess, der von Spontaneität lebe. Darauf lässt sie sich gern ein. Auch im restlichen Haus sind überall Gemälde der Künstlerin verteilt. Neben Landschaftsmotiven zeichne und male sie gern Figuren, Körper, Köpfe, Stillleben und Blumen – auch, um sie dann zu abstrahieren. „In letzter Zeit male ich gern Seerosen, angelehnt an die Werke von Monet“, erzählt Schwarz, als sie die Tür zu ihrem Arbeitszimmer im Keller öffnet. „Ich würde es aber nicht unbedingt Atelier nennen, es ist recht klein“, sagt die 66-Jährige lachend. Doch sie sei froh, einen entsprechenden Raum im Haus zu haben, da die Malerei viel Platz erfordere. An der Wand hängen einige Acrylgemälde. „Da fehlt aber überall etwas, ich weiß nur noch nicht was“, sagt Schwarz nachdenklich. Manchmal könne es Wochen dauern, bis sie die letzte entscheidende Idee habe. „Die letzten fünf bis zehn Prozent sind die wichtigsten“, sagt sie. Manchmal verändere sich dadurch das Bild komplett. „Es gibt so viele gute Künstler, die mit der Malerei ihren Lebensunterhalt verdienen wollen oder müssen“, berichtet die Mutterstadterin. Heute wisse sie zu schätzen, wie viel Idealismus zu dieser Arbeit dazugehört. „Letztendlich bin ich froh, nicht von der Malerei leben zu müssen und dass ich es als reines Hobby betreiben kann“, bekräftigt sie. Sich und ihre Kunst will Reinhild Schwarz aber trotzdem bekannt machen. So hängen ihre Bilder bei ihrer Zahnärztin und der Kosmetikerin, um den ein oder anderen neuen Interessenten anzulocken. Zudem sind ihre Bilder in Ausstellungen zu sehen. Sie erwarte nicht, dass jeder Besucher ein Bild kaufe. Ihr gehe es viel mehr um das Gefühl, das sie spüre, wenn Menschen kommen, um ihre Bilder zu sehen. Bei der Eröffnung ihrer jüngsten Ausstellung, „Faszination Farbe“ in der Südpfalz kam eben dieses Gefühl wieder auf. Noch Fragen? Im Weingut Junker in Impfingen sind Reinhild Schwarz’ Werke noch bis 16. Mai zu sehen. Kontakt: www.weingut-junker.de, Telefon: 06341/84144. Auch im Altstadtatelier Neustadt, bei dem Reinhild Schwarz seit 2012 Mitglied ist, sind das ganze Jahr über Werke von Schwarz und anderen Künstlern ausgestellt. Im Netz: www.reinhildschwarz.de.