Ludwigshafen Das Gebet ist das Seil

Placeholder-Image

Den Anblick werde ich nie vergessen: Ein 4,5 Tonnen-Leih-Lkw, voll beladen mit Paletten und Kisten. Schräg hängt er da, mitten im Weinberg, kurz vor dem Umkippen. Als junger Student habe ich den Ferienjob angenommen und Raiffeisen-Märkte in der Vorderpfalz beliefert. Ich wollte schnell sein. Die vermeintliche Abkürzung wird aber zum schmalen Feldweg. Noch eine Kurve, dann kommt bestimmt wieder die befestigte Straße. Langsam, behutsam mit dem Gaspedal, merke ich, wie der Boden immer weniger Halt bietet. Plötzlich rutscht das Vorderrad auf dem Lehmweg zur Seite, nichts geht mehr. Nach dem ersten Schrecken laufe ich ins Dorf. Der erste Winzer bietet mir seinen kleinen Schlepper an, aber der wird das Gewicht nicht schaffen. Er kennt aber einen Freund, der einen Unimog im Hof hat. Ein Seil wird an meinem Laster befestigt und mit viel Gefühl holt der tapfere Winzer meinen Karren aus dem Dreck. Danke! Wie gut, wenn du jemanden hast, der dir hilft, aus dem Dreck rauszukommen. Wie gut, wenn der stärker ist als alles, was dich runterziehen will. Wie gut, wenn er das behutsam macht, mit Gefühl, aber auch mit Kraft. So ein Hilfsangebot macht Jesus jedem Menschen: „Alle, die ihr beladen seid und feststeckt, kommt her zu mir.“ Festgefahren, ohne Halt, ohne Orientierung – das passiert immer wieder im richtigen Leben. Erst mal will man resignieren. Aber dann gilt es, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Gebet ist das Seil, das mich mit meinem Gott verbindet. Durch ihn kommt Bewegung in die festgefahrene Sache, die Reifen greifen wieder und ich finde Halt. Ohne Hilferuf kein Helfer! Gott lässt sich bitten. Suchen – anklopfen – um Hilfe rufen: Im Glauben wie im richtigen Leben hilft das, weiterzukommen. (Foto: privat)

x