Ludwigshafen Das Experiment Kunst

91-81295449.jpg

Mitte. Greifbar muss es sein, was Edda Henßler macht – und vor allem „nicht klein“. Die Mutterstadterin liebt es, für ihre Kunst zu experimentieren. Aus Styropor, Draht oder Holz stellt sie Bilder und Skulpturen her, aber auch klassisch auf Leinwand hält sie ihre kreativen Idee fest. In der Sparkasse Vorderpfalz stellt die 71-Jährige bis 6. Mai 45 ihrer Kunstwerke aus.

Fünf schwarz-weiß getupfte Hühner mit blauem Hals und roten Schnabel gucken neugierig durch die Gegend und picken auf dem Boden umher. Dabei ist ihr Bauch eigentlich schon voll. „Das Meiste, was drin ist, ist die RHEINPFALZ“, sagt Edda Henßler und lacht. Die Hühner hat sie aus Draht geformt, mit Mull umwickelt und Textilhärter gefestigt, bevor sie ihnen mit Farbe etwas Leben eingehaucht hat. Und auch das kleine Nashorn, das unter einem Bild hervorlugt, ist so entstanden. Ein wenig sieht das rot-braune-Tier aus, als hätte es sich im Schlammloch gesuhlt. „Das kommt von der Eisengrundierung, die mit Oxidationsmittel behandelt wurde“, sagt Edda Henßler. Diese Technik hat es der Künstlerin angetan. „Rost fasziniert mich.“ Viele der Werke, die derzeit in der Sparkasse Vorderpfalz in Ludwigshafen zu sehen sind, sehen verrostet aus. Dabei ist Metall bei der Arbeit eigentlich nicht im Spiel. Als ob es jahrelang auf einen Schrottplatz vor sich hinvegetiert hat, sieht ein Kunstwerk auf den ersten Blick aus, das Henßler mit einem roten Mund verziert hat. Erst bei genauerem Hinschauen erkennt der Betrachter, was die eigentliche Grundlage ist: Styropor. „Das war das Unterteil einer Kühlschrankverpackung, glaube ich“, sagt die Mutterstadterin und lächelt. Edda Henßler sieht in vielen Materialien Potenzial. „Ich experimentiere gern“, erzählt sie. Und so sind seit 2007 Skulpturen und Bilder aus verschiedenen Dingen entstanden. Der Alligator aus Ton zum Beispiel, der „Stolze Krieger“, den Artischockenblätter auf seiner verrosteten Rüstung zieren, das „Hörnerwesen“ aus Draht und die „Ameisenarbeit“ aus Styrodur ihrer Terrassendämmung, das von Waldameisen zerfressen wurde. Ihre Holzskulpturen waren einst eigentlich für den Ofen gedacht. „Das Holz ist aus selbstgefällten Bäumen. Als mein Mann es gespalten hat, habe ich die Stücke gesehen und gedacht, dass ich daraus was machen muss.“ So hat die 71-Jährige die Scheite mit Farbe bearbeitet und in ihre Kunstsammlung aufgenommen. Dass sie erst 2007 so richtig mit dem künstlerischen Schaffen begonnen hat, war der fehlenden Zeit in den Jahren vorher geschuldet. Erst in der wertvollen „Mach was du willst“-Zeit, sprich ihrer Rente, hat die ehemalige Sekretärin angefangen, ihre Leidenschaft vollends auszuleben. Dabei sei das Bedürfnis malen und zeichnen zu können, schon in der Jugend sehr ausgeprägt gewesen. „Ich besuchte Aquarellkurse, Aktzeichnen, Malen in freier Natur und Töpferkurse.“ Als sie das Hobby viele Jahre später wieder aufleben ließ, bildete sich weiter: in Acrylmalerei, Airbrush, Siebdruck und Zeichnen. Sogar einen Schweißkurs hat sie besucht. Ihre Bandbreite kann sich sehen lassen. Es ist vor allem die Vielfalt, die Edda Henßlers Kunst aus- und besonders macht. „Ich möchte ausprobieren, sehen, was entsteht“, sagt sie. So auch bei der Arbeit mit Naturfarben, wie Cochenille, Kurkuma oder Safran. „Ich habe dabei auch mit unterschiedlichem Untergrund gearbeitet, einmal mit Leinwand und einmal mit dem sogenannten Ulmer Holzmalkörper“, erzählt sie. „Es war interessant zu sehen, wie sich die Farben verändern.“ Und ja, das Ergebnis ist deutlich. Aus Holz wirkt das fast identische Bild viel intensiver, die Farben kräftiger. Ein wenig an den Sommer erinnern ihre Blumen, die sie auf Karton und Glas hinter Wachs festgehalten hat. „Die habe ich vergangenen Sommer im Garten gepflückt und gepresst“, sagt sie. „Das Glas ist beim Aufbügeln nicht gesprungen.“ So kann Edda Henßler zu jedem ihrer Kunstwerke eine kleine Geschichte erzählen – und nicht nur die macht ihre Kunst besonders. Termin Edda Henßlers Ausstellung „Vielerlei – Kreative Experimente“ ist noch bis 6. Mai in der Sparkasse Vorderpfalz, Ludwigstraße, zu sehen.

x