MannheimDas alte Eisstadion ist weg: Wie es auf dem Gelände weitergeht
Baugrube statt Eisstadion: Hier soll sich bald einiges tun.
Wo einst die Mannheimer Adler ihre Fans begeistert haben, ist jetzt eine riesige Baugrube. Hier soll sich bald einiges tun. Was auf dem Areal geplant ist.
Während die Playoffs um die deutsche Eishockey-Meisterschaft ohne die Mannheimer Adler in die heiße Phase gehen, sind die Abrissarbeiten des alten Eisstadions im Friedrichspark abgeschlossen. Von 1939 bis 2005 ist hier dem Puck hinterhergejagt worden. Wie am Dienstagabend in der SAP-Arena mit einer Niederlage gegen die Eisbären Berlin verabschiedeten sich die Adler am 17. April 2005 von der Sportstätte. Wenige Tage später fand dort die große Abschiedsfeier „Bye bye Friedrichspark“ statt. Anschließend wurde die Halle zeitweise von mehreren Inlinehockey-Vereinen genutzt. Zuletzt gut gefüllt war das Stadion während der Fußball-Weltmeisterschaft 2018, als die Menschen zum Public-Viewing dorthin strömten. Zuletzt ist das alte Eisstadion, das einst 10.000 Zuschauer bei den Spielen der Mannheimer Adler in einen Hexenkessel verwandelten, mehr und mehr zu einem Lost Place, einem vergessenen Ort, geworden. Wie geht es nun weiter auf dem Gelände?
Der Bauzaun wird wohl schon bald verschwinden. Das heißt, dass das Gelände dann auch wieder begehbar ist. Ein Großteil des 11.000 Quadratmeter großen Areals, was fast zwei Fußballplätzen entspricht, soll renaturiert werden, wie Johannes Gürlich vom Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg informiert. Er ist bei der Behörde für den Hochschulbau verantwortlich. Der Abteilungsleiter erklärt, dass die Fläche zunächst so hergerichtet werde, dass dort Bäume gepflanzt und Rasen gesät werden könne. Auch Wege sollen dort angelegt werden. Wann das so weit sein wird, da möchte sich Gürlich noch nicht festlegen. „Ein Fachmann wird ein Konzept entwickeln. Im Laufe der Jahre 2025 und 2026 soll etwas für die Bevölkerung entstehen“, sagt er. Ein Ort zum Verweilen, der die Stadt durch das Grün zudem kühler machen soll.
Überraschende Entdeckungen
Für Nostalgiker: So sah der Eingangsbereich zum Stadion aus.
Schon im Vorfeld des Abrisses des traditionsreichen Gebäudes hatte es eine unerwartete Entdeckung gegeben, die den Start des Projekts verzögern sollte. Im Frühjahr 2022 wurden Mauereidechsen entdeckt, die laut Gürlich umgesiedelt werden mussten. Weil im Zuge des Abrisses auch Bäume gefällt werden mussten, seien zudem Ersatzpflanzungen für dort lebende Vögel nötig geworden. Als der Abriss im Sommer 2024 in vollem Gange war, rief eine Mauer unterhalb des Stadions sogar Archäologen der Reiss-Engelhorn-Museen auf den Plan. Die dürften ein wenig enttäuscht gewesen sein, dass es sich nicht wie zunächst vermutet um Überbleibsel eines alten Ausflugslokals handelte, sondern um den Rest eines Technikraums unterhalb der ersten Tribüne, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war.
Auf einem Drittel des Geländes hinter der Universitätsmensa zur Bismarckstraße hin soll aber auch gebaut werden. Die philosophische Fakultät der Uni mit Büros, Hörsälen und Seminarräumen soll dort ihren Platz finden. Die Bauarbeiten für das fünfstöckige Gebäude beginnen laut Gürlich voraussichtlich 2029. Zwei Jahre später soll das Gebäude fertig sein. Bei den Baukosten ist von 23 Millionen Euro die Rede.
Im Bebauungsplan für das Areal sind insgesamt sogar drei Gebäude enthalten. Zumindest für ein zweites hatte es schon konkrete Pläne gegeben. Es hätte laut Gürlich als Ersatz für Räume im Schloss dienen sollen, die wegen Sanierungen nicht nutzbar sind. „Das ist aber zurückgestellt worden“, sagt der Abteilungsleiter beim Amt für Vermögen und Bau. Zum ersten aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch, weil sich die hybride Lehre weiterentwickelt habe und es deswegen fraglich sei, ob dort weitere neue Gebäude überhaupt nötig seien. Zur Erklärung: Im Ehrenhof West entstehen gerade zwölf Hörsäle, die technisch so ausgestattet werden, dass Studenten Vorlesungen per Livestream von zu Hause aus verfolgen können. Auch Studieren verlagert sich stärker ins Homeoffice.
Nicht ganz unglücklich über diese Entwicklung dürfte man bei einer Bürgerinitiative sein, die viele Jahre für eine Grünfläche auf dem Gelände gekämpft hat. Die Universitätsgebäude, so ihr immer wieder vorgetragenes Hauptargument, hätten negative Auswirkungen auf die Frischluftzufuhr und das Stadtklima.