Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Cybermobbing im Fokus: Welche Hilfe Opfer in der Stadt finden

Genauso schädlich wie körperliche Gewalt: digitale Gewalt.
Genauso schädlich wie körperliche Gewalt: digitale Gewalt.

Der Rat für Kriminalitätsverhütung soll die Sicherheit in Ludwigshafen erhöhen. In der jüngsten Sitzung ging es besonders um digitale Gewalt. Was Betroffene tun können.

Um die objektive Sicherheit und das subjektive Sicherheitsgefühl in der Stadtgesellschaft zu verbessern, gibt es in Ludwigshafen bereits seit vielen Jahren den Rat für Kriminalitätsverhütung. Darin arbeiten Vertreter von Stadt, Polizei und gesellschaftliche Gruppen zusammen. Ein wesentliches Thema der Sitzung am Mittwoch war die Hilfe für Opfer von digitaler Gewalt wie Cybermobbing.

„Digitale Gewalt ist eine der größten Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft“, erklärte Polizeipräsident Andreas Sarter. Sie habe viele Erscheinungsformen und kenne dabei keine Grenzen. Dazu gehörten Cybermobbing, Bedrohungen, Beleidigungen sowie die Verbreitung von Gerüchten und Hetze. Es könne jeden treffen. Bei den Opfern löse es Angst, Wut und Scham aus. Die Polizei müsse das Recht durchsetzen, doch nicht nur die Täter, auch die Opfer stünden im Mittelpunkt. Eine zweite Aufgabe der Polizei seien daher Hilfe und Beratung für die Opfer, sagte Sarter und stellte die Mitarbeiterinnen der Stelle für Zentrale Prävention und Opferberatung im Polizeipräsidium, Jana Mohr und Michelle Sommer-Richler, vor.

Gefühl der Ohnmacht kann in Depressionen enden

Mohr erläuterte, beide seien keine Polizistinnen, sondern ausgebildete Pädagoginnen. Digitale Gewalt gebe es in vielen Formen. Gemein hätten diese, dass die Hürde zur Begehung von Straftaten nicht so hoch sei wie im analogen Raum. Die digitale Gewalt sei jedoch ebenso schädlich wie körperliche Gewalt. Kennzeichen digitaler Gewalt sei, dass es über das Internet eine sehr große Reichweite, aber keinen Tatort gebe wie in der analogen Welt. Täter agierten mit Fake-Profilen oft anonym. Die Inhalte seien oft dauerhaft im Netz. Die Gewalt höre nicht einfach auf. Dies führe zu Stress und Angst bei den Opfern; das Gefühl der Ohnmacht könne in Depressionen enden.

„Wir von der Opferberatung des Polizeipräsidiums Rheinpfalz sind für alle da, die von digitaler Gewalt betroffen sind. Wir geben jedem die Hilfe, die er gerade braucht“, erklärte Sommer-Richler. Es gebe jedoch kein Patentrezept für die Opfer.

Kriminelle Inhalte in jedem Fall melden

Auf den im Rat geäußerten Einwand, dass einige Betroffene, insbesondere Frauen, nicht den Mut hätten, zur Polizei zu gehen, antwortete Mohr: „Wir sagen den Betroffenen gleich am Telefon, dass wir keine Polizistinnen sind. Wir beraten unabhängig von einer Anzeige und unterliegen einer Schweigepflicht.“ Alles könne diskret behandelt werden. Außer der psychosozialen Beratung könnten die Betroffenen an jene Einrichtungen verwiesen werden, die passende Hilfsangebote anbieten. Dies könne auch juristische Hilfe für rechtliche Reaktionen sein. „Für eine mögliche Anzeige geht es für die Opfer in jedem Fall darum, Beweise zu sichern, etwa in Form von Screenshots (Bildschirmfotos) der kriminellen Aktionen“, erklärte Mohr. Es sei in jedem Fall wichtig, die kriminellen Inhalte zu melden.

Im Netz

www.solinet-rlp.de, hateaid.org, hatefree.de (besonders für juristische Hilfe) und www.klicksafe.de (besonders für Kinder und Jugendliche).

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