Ludwigshafen
Corona-Wochenrückblick: 214 Todesfälle in der Chemiestadt
Mit mehr als 320.000 Einwohnern ist Mannheim fast doppelt so groß wie Ludwigshafen (rund 175.000 Einwohner). Trotzdem steht die Neckarstadt mit Blick auf die Corona-Fallzahlen in Relation zu den Bewohnern in der zurückliegenden Woche deutlich besser da als die linksrheinische kleine Schwester. Im Hinblick auf die Corona-Todesfälle gilt das sogar für die absoluten Zahlen.
Am Dienstag lag die Inzidenz in Mannheim, also die Neuansteckungen innerhalb einer Woche bezogen auf 100.000 Einwohner, bei 136,2 Fällen. Insgesamt gab es in der Universitätsstadt bis dahin 9488 Corona-Infektionen. Die Anzahl der akuten Fälle bezifferte das Mannheimer Gesundheitsamt auf 1371. Am Mittwoch stieg die Inzidenz zwar leicht auf 141,3 an. Die Anzahl der akuten Fälle verringerte sich aber auf 1294. Bis Donnerstag sind in Mannheim seit Beginn der Pandemie 195 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert worden. Die Inzidenz blieb konstant. Die akuten Fälle gingen weiter zurück auf 1252.
Mehr als 300 Todesfälle in der Vorderpfalz
In Ludwigshafen hat die Pandemie mehr Todesopfer gefordert: Bis Freitag sind hier nach Angaben des Landesuntersuchungsamts (LUA) 214 Menschen an oder mit Corona gestorben. Insgesamt sind in der Vorderpfalz seit Dezember laut Kreisverwaltung mehr als 300 Tote registriert worden, davon alleine mehr als 200 in Pflegeheimen. In Ludwigshafen gab es 85 Todesfälle in Pflegeheimen. Etwa zwei Drittel der Corona-Todesfälle sind damit in den Pflegeheimen zu verzeichnen.
Der Kreisverband der Grünen stellte fest, dass Ludwigshafen mit 121 Toten pro 100.000 Einwohner die meisten Corona-Todesfälle unter allen Städten und Kreisen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu beklagen habe. Die Mortalitätsrate in der gesamten Republik liege mit 60 Toten pro 100.000 Einwohnern nur halb so hoch. Die Grünen-Sprecherin forderte daher das zuständige Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises und die Ludwigshafener Stadtverwaltung zur Überprüfung ihrer bisherigen Strategie auf.
Viele akute Fälle, hohe Inzidenzen
Auch die Anzahl der akuten Fälle und die Inzidenzen in Ludwigshafen sind in Relation zur einwohnerstärkeren Nachbarstadt Mannheim höher: Am Dienstag gab es 994 akute Fälle bei einer Inzidenz von 183,5. Bis Mittwoch stieg die Anzahl der akuten Fälle sogar auf 1182 bei einer Inzidenz von 185,2. Am Donnerstag meldete das LUA immer noch 1134 akute Fälle und eine Inzidenz von 167,8. Am Freitag waren es 1092 (Inzidenz 154,4). 6249 Menschen haben sich seit Beginn der Corona-Krise infiziert.
Im Vergleich zur Vorwoche, als die Inzidenzen In Ludwigshafen noch durchgängig bei Werten von mehr als 200 Fällen lagen, mag das zwar ein kleiner Fortschritt sein. Von einer Entspannung der Lage kann aber nach Ansicht von Politikern und Gesundheitsexperten noch immer keine Rede sein. Zumal sich die deutschen Behörden derzeit große Sorgen um die Verbreitung von Mutationen des Coronavirus machen, die viel ansteckender sind als die bekannten Varianten.
Angst vor mutierten Viren
Nach Angaben des Kreis-Gesundheitsamts hat sich eine solche hochansteckende Mutation in England bereits verbreitet. Auch in Südafrika und Brasilien hätten sich noch gefährlichere Mutationen des Virus gebildet. „Uns ist hier noch nichts davon bekannt. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein mutiertes Virus hier bei uns auftauchen wird“, meinte Alexander Weber, der die Abteilung Gesundheit bei der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises leitet.
Dass der Rückgang der Infektionen gerade deutlich langsamer verläuft als beim ersten Lockdown im Frühjahr führen die Experten im Gesundheitsamt darauf zurück, dass es trotz aller aktuellen Beschränkungen noch zu viele Kontakte zwischen Menschen gibt. Auch die Auswertungen der Bewegungsdaten von Mobilfunkanbietern belegten eine größere Mobilität der Bevölkerung.
Weiterhin einheitliche Strategie?
An einen Strategiewechsel bei der Corona-Bekämpfung in Ludwigshafen denkt Jutta Steinruck (SPD) trotz des weiterhin hohen Infektionsgeschehens nicht: „Wir gehen den Weg der Kontaktvermeidung konsequent weiter“, betonte die Oberbürgermeisterin am Mittwoch. Die Stadt orientiere sich dabei an den Richtlinien der Bundesregierung. Die bis 31. Januar geltende Allgemeinverfügung der Stadt werde vermutlich bis 14. Februar verlängert.
Ob in der Region wie bisher eine einheitliche Strategie verfolgt wird, entscheidet sich Steinruck zufolge in der nächsten Woche bei einer Telefonkonferenz mit dem Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises und den OB-Kollegen aus Speyer und Frankenthal. Ein Knackpunkt könnte sein, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in Ludwigshafen in dieser Woche zwar unter 200 gesunken ist. Trotzdem liegt sie immer noch weitaus höher als in den pfälzischen Nachbarkommunen.
Keine Bewegungsbeschränkung geplant
Gespräche mit der Mannheimer Stadtspitze erwähnte die Ludwigshafener Verwaltungschefin nicht. „Unsere Hoffnung ist, dass der Inzidenzwert jetzt weiter nach unten geht“, sagte Steinruck. Und auch wenn der Inzidenzwert in der Stadt wieder über die 200er-Marke klettern sollte, werde Ludwigshafen davon absehen, den Bewegungsspielraum der Menschen auf einen Radius von 15 Kilometer zu beschränken. „Wir halten das nach wie vor nicht für zielführend“, betonte die 58-Jährige.