Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Lage bleibt äußerst angespannt: Was den Klinikum-Chef besonders beunruhigt

Bleibt die Maskenpflicht in Ludwigshafen bestehen?
Bleibt die Maskenpflicht in Ludwigshafen bestehen?

Die Corona-Lage in Ludwigshafen bleibt sehr angespannt: Das Klinikum bereitet sich auf weiter steigende Infiziertenzahlen vor und baut eine dritte Infektionsabteilung auf. 157 weitere Verstöße gegen die Maskenpflicht wurden zuletzt geahndet. Ob sie weiter bestehen bleibt, ist offen. Dem Verwaltungsgericht Neustadt liegen zwei Eilanträge vor.

„Wir warten ab und machen das davon abhängig, wie das Gericht entscheidet.“ Das sagte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) am Dienstagvormittag bei einer Video-Pressekonferenz zur Reaktion der Verwaltung. Aus Ludwigshafen liegen beim Verwaltungsgericht Neustadt derzeit zwei Eilanträge zu Corona vor. Einer ist am 29. Oktober eingegangen und richtet sich gegen die Maskenpflicht in der Schule. Ein anderer ist am 2. November eingegangen und richtet sich gegen die Maskenpflicht in der Innenstadt. Beide Anträge wurden von Privatpersonen, darunter ein Schüler, gestellt. Laut dem Vorsitzenden Richter Roland Kintz soll „bis Ende der Woche“ eine Entscheidung fallen. Davor werde aber zunächst die Stadt um eine Stellungnahme gebeten, die bislang noch nicht vorliege.

Die Position der OB ist unverändert

Steinrucks Position ist derweil klar: „Eine Maskenpflicht ist sinnvoll. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Infektionszahlen dadurch eindämmen lassen. Ich glaube, dass wir damit im Sinne aller Bürger handeln.“ In Heidelberg war eine Klage gegen die Maskenpflicht zuletzt erfolgreich, woraufhin sie von der Stadtspitze gekippt wurde.

„Keine Hotspots, Geschehen diffus“

Ordnungsamtsleiter Martin Graf zufolge wurden am Sonntag und Montag 157 weitere Verstöße gegen die Maskenpflicht in der Ludwigshafener Innenstadt geahndet. Bis Freitag waren es 94. Einige Sünder hätten das Bußgeld von 50 Euro gleich gezahlt. Gegen andere sei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. Auch bei der Polizei seien erste Anzeigen eingegangen. Sie unterstütze den Kommunalen Vollzugsdienst (KVD), mit dem Präsidium stehe er in enger Abstimmung, berichtete Graf.

Sperrzeiten würden weitgehend eingehalten, Verstöße aus der Gastronomie oder aus dem Bereich Sport/Fitness seien ihm bisher nicht bekannt. Es gebe keine „Hotspots“ in der Stadt, das Infektionsgeschehen sei diffus. „Die Lage ist weiter indifferent“, sagte Graf. Nach einem Austausch mit Kollegen im Städtetag sei sein Eindruck, dass Ludwigshafen „sehr gut aufgestellt“ sei.

Seit Krisenbeginn 5300 Kontrollen

Normalerweise stemme der KVD jährlich insgesamt 11.000 Kontrollen. Seit Beginn der Krise habe es allein 5300 Corona-Kontrollen gegeben, was zeige, wie hoch die Belastung der Kollegen aktuell sei. Wie viele Kontrolleure täglich in der Stadt unterwegs seien, wollte Graf nicht sagen. „Wir wollen möglichst viele Leute auf der Straße haben. Wir versuchen, das Tagesgeschäft mit dem klaren Schwerpunkt Corona unter einen Hut zu bringen“, betonte er. Die Verfahren zu den bisher drei angezeigten Verletzungen von Quarantäne-Bestimmungen seien noch nicht abgeschlossen.

„Wir nehmen die Kontrollen weiterhin sehr, sehr ernst“, ergänzte Steinruck. Wegen eines mehrwöchigen Kuraufenthalts übergibt sie die Amtsgeschäfte ab Wochenmitte an ihre Stellvertreterin, Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg (CDU).

Inzidenzzahl leicht gesunken

Die sogenannte Inzidenzzahl (Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner) lag in Ludwigshafen laut Landesuntersuchungsamt am Dienstagmittag bei 131,8 Fällen und ist damit im Vergleich zum Vortag (138,2) leicht gesunken. Das sei allerdings kein Grund für eine Entwarnung, betonte Steinruck. Im Gegenteil: Das Klinikum rechne mit weiter steigenden Infiziertenzahlen und baue derzeit eine dritte Infektionsabteilung auf. Auch die Intensivkapazitäten würden ausgebaut. „Da ist noch Luft nach oben“, meinte Steinruck. Das auch für Ludwigshafen zuständige Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises sei weiterhin schwer damit beschäftigt, alle Fälle zu erfassen. Die Anzahl positiv Getesteter und auch die Anzahl der Verdachtsfälle steige weiter.

1300 Abstriche, zehn Prozent positiv

Von 1300 Menschen seien allein am Montag in der Infektionsambulanz Abstriche gemacht worden, berichtete Klinikum-Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther auf Anfrage. Die Quote positiver Ergebnisse liege bei rund zehn Prozent. „Das beunruhigt uns sehr“, sagte er.

Im Klinikum werden nach seinen Angaben aktuell 23 Covid-19-Patienten auf einer Normalstation behandelt. Vier Patienten würden auf der Intensivstation beatmet. „Unsere Kapazitäten sind noch nicht ausgeschöpft“, sagte Günther. Die Eberthalle wie bereits im Frühjahr als Corona-Notquartier einzurichten, sei daher kein Thema, betonte Steinruck. Die Stadt sei trotz der seit Montag geltenden Landesverordnung bemüht, ihre Dienstleistungen aufrechtzuerhalten. Der Informationsbedarf in der Bevölkerung sei nach wie vor hoch. Das Corona-Telefon der Stadt hätten allein am Montag 208 Anrufer genutzt, berichtete die OB.

BASF-Massentest abgeschlossen

Eine gute Nachricht sei, dass bei dem mittlerweile abgeschlossenen BASF-Massentest keine weiteren Infizierten hinzugekommen seien. Es bleibe also bei elf Infizierten, darunter Menschen, die nicht aus Ludwigshafen stammen. „Uns ist Schlimmeres erspart geblieben“, sagte die OB. Alle Infizierten seien in häuslicher Quarantäne, es gehe ihnen gut, informierte ein Unternehmenssprecher. Die Arbeiten auf der betroffenen Baustelle könnten „unter Einhaltung der etablierten Hygienemaßnahmen fortgesetzt werden“. Vergangene Woche waren sechs Mitarbeiter, die im Auftrag der BASF auf einer Baustelle im Werk tätig sind, positiv auf Corona getestet worden. Am Donnerstag wurden daher 600 Aniliner getestet, um Infektionsketten zu verhindern. „Nur wenn wir uns alle an die Regeln halten, können wir verhindern, dass es weitere Einschränkungen gibt“, appellierte Steinruck am Dienstag an die Disziplin der Bevölkerung.

584 akute Fälle in der Stadt, 270 im Kreis

Laut dem Landesuntersuchungsamt wurden bis Dienstagmittag für Ludwigshafen 584 akute Corona-Fälle registriert. Die Gesamtzahl liegt bei 1287. Das sind 50 mehr als am Vortag. Die Inzidenzzahl im Rhein-Pfalz-Kreis liegt bei 62,1, die Zahl aktueller Fälle bei 270. Die Gesamtzahl der Fälle liegt dort bei 714, 18 mehr als am Vortag.

Zur Sache: Dritter Todesfall in Altenheim

Im städtischen Alten- und Pflegeheim in der Gartenstadt ist eine dritte Bewohnerin, die an Covid-19 erkrankt war, gestorben. Darüber hat Klinikum-Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther am Dienstagnachmittag informiert. Die dritte Verstorbene sei 83 Jahre alt gewesen. Die anderen beiden Todesfälle waren am Freitag und Montag bekannt geworden.

Laut Günther liegen noch nicht alle Ergebnisse des jüngsten Corona-Tests vor. Am Montag und Dienstagmorgen waren alle Bewohner und Mitarbeiter getestet worden. Bisher habe man eine weitere Infektion festgestellt. Es handele sich um eine Bewohnerin. Ihrer letzter Test war noch negativ, nun verlief der Corona-Test positiv. Laut Günther kommt sie aus einem der beiden betroffenen Wohnbereiche.

Aktuell gibt es somit seit dem Corona-Ausbruch vor zwei Wochen im Dr. Hans Bardens-Haus drei Verstorbene, 15 infizierte Bewohner und sieben erkrankte Mitarbeiter. Betroffen sind zwei Wohnbereiche. Im Haus herrscht seither ein generelles Besuchsverbot.

Über 170 Senioren wohnen im Heim, das von einer Tochtergesellschaft des Klinikums betrieben wird. 50 Mitarbeiter betreuen die alten Menschen.

x