Ludwigshafen
Corona-Krise schlägt sich auf den Arbeitsmarkt in der Vorderpfalz nieder
Im Bezirk der Agentur für Arbeit Ludwigshafen, zu dem Ludwigshafen, Frankenthal der Rhein-Pfalz-Kreis und Speyer zählen, wurden von April bis August 3628 Kurzarbeit-Anzeigen für 35.746 Personen registriert. Darüber hat Anja Winnefeld, die Geschäftsführerin des Jobcenters Vorderpfalz-Ludwigshafen, in dieser Woche den Ludwigshafener Sozialausschuss informiert. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum gab es dagegen nur 14 Anzeigen für 130 Personen. Allein für die Stadt Ludwigshafen bezifferte Winnefeld die Kurzarbeit-Anzeigen im gleichen Zeitraum auf 1441 für 15.368 Personen gegenüber fünf Anzeigen für 85 Personen im Vorjahr. „Die Kurzarbeit ist sprunghaft angestiegen“, bilanzierte die Arbeitsmarktexpertin. Die Arbeitslosenquote lag laut Winnefeld im September im Bereich der Agentur bei 7,7 Prozent.
Einen Einbruch um 40 Prozent verzeichnete die Agentur bei den gemeldeten offenen Stellen. Es sei deutlich zu erkennen, dass Arbeitgeber sich nicht mehr so schnell entscheiden, freie Stellen neu zu besetzen, sagte Winnefeld. Als Gewinner der Krise bezeichnete die Jobcenter-Chefin die Bereiche Gesundheit und Soziales, Informationstechnologie und vor allem den Bereich Lagerlogistik: „Der Versandhändler Amazon ist ein großer Arbeitgeber in der Region geworden.“ Das entspreche auch dem Bundestrend.
4,2 Millionen Euro für Sozialen Arbeitsmarkt
Prognosen für das Jahr 2021 sind nach Winnefelds Angaben aktuell schwierig. Es bleibe abzuwarten, wie sich der Arbeitsmarkt weiter entwickelt, wenn die Kurzarbeiterregelungen irgendwann auslaufen und möglicherweise viele Unternehmen in die Insolvenz gehen müssten, erklärte Ludwigshafens Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD). Daher will sich der Sozialausschuss auch im kommenden Jahr noch einmal intensiv mit dem Arbeitsmarkt beschäftigen.
Das Jobcenter Vorderpfalz-Ludwigshafen investiert im laufenden Jahr nach weiteren Informationen der Geschäftsführung 4,2 Millionen Euro in beschäftigungsschaffende Maßnahmen in den sogenannten Sozialen Arbeitsmarkt in Ludwigshafen (Ein-Euro-Jobber). Rund 1,7 Millionen Euro stehen für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsmarkt zur Verfügung. Für die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen – mehr als 6000 – stehen rund 1,3 Millionen Euro bereit.
120 Jobs bei der Stadt
Winnefeld zufolge wurden ab Januar bis Ende August 2019 in Ludwigshafen 99 Arbeitsverhältnisse zur Teilhabe am Arbeitsmarkt abgeschlossen, davon 13 Prozent unbefristet. In der Gruppe der Langzeitarbeitslosen seien 60 Arbeitsverhältnisse abgeschlossen worden, davon 43 Prozent unbefristet. 20 Prozent der Arbeitsverhältnisse seien vorzeitig beendet beziehungsweise abgebrochen worden. Über alle Berufsfelder hinweg handele es sich bei 85 Prozent der besetzten Stellen um Jobs im Helferbereich.
Die Stadtverwaltung Ludwigshafen beteilige sich an dem Programm des Sozialen Arbeitsmarkts mit bis zu 120 Stellen. Gestartet sei das Projekt mit zwei Personen im März 2019. Mittlerweile seien 76 Verträge abgeschlossen worden. Aktuell seien noch 70 Teilnehmer dabei. Sechs seien vorzeitig ausgeschieden, zwei davon haben unbefristete Verträge bei der Stadt bekommen. Die meisten Jobs gebe es beim Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL). Hier seien 20 Grünarbeiter und zehn Straßenreiniger im Einsatz. Zum Oktober sollen noch vier Personen eingestellt werden. Weitere vier Einstellungen sind zum November und Dezember geplant.