Ludwigshafen
Comedy: Tedros Teclebrhan begeistert in Mannheim in verschiedenen Rollen
In Mannheim gastierte er zuletzt in der SAP-Arena, denn eigentlich füllt Tedros „Teddy“ Teclebrhan mühelos die großen Hallen. Derzeit befindet sich der populäre schwäbisch-eritreische Comedian allerdings auf Clubtour in kleineren Locations. Im ausverkauften Musensaal des Rosengartens hatte er dennoch das ganz große Gepäck dabei. Und zeigte, was er damit anzufangen weiß.
„Was geht ab, ey, Mannheim?!“, ruft Teddy, als er leichtfüßig auf die Bühne tänzelt. In Jeansjacke und Jogginghose beginnt er mit Stand-up-Comedy, bevor er behänd immer wieder die Kostümierungen wechselt, entsprechend der verschiedenen Persönlichkeiten, die er darstellt. „Rassismus ist für mich richtig dumm“, erklärt Teclebrhan, der 1983 in Eritreas Hauptstadt Asmara zur Welt kam und in Mössingen am Fuß der Schwäbischen Alb aufwuchs. Allein, die Berichte und die Diskussionen über den Fremdenhass hätten nachgelassen, seit die Klimapolitik als dringlicher gilt. „Ich hab’ Respekt vor Greta Thunberg, ich find’ super, was die macht“, lobt Teddy die 16-Jährige. Er selbst sei in jenem Alter noch „ein richtiger Gammler“ gewesen, gesteht der 20 Jahre Ältere. „Nur, es ist ein bisschen komisch, was die aus ihr machen.“ Ihre Anhänger behandelten die junge schwedische Umweltaktivistin bereits wie eine Mutter Teresa. „Wie oft saß ich im Zug auf dem Boden und niemand hat’s gejuckt“, erinnert der erfolgreiche Comedian in Anspielung auf die jüngsten Berichte von Thunbergs Heimfahrt von der Klimakonferenz in Madrid. Ihre Denkanstöße bereiteten ihm nun einen „Konflikt hier drin“, gesteht er und deutet auf seinen Kopf, weil: „Ich fahr’ voll gern Auto.“
Bereits in diesem Teil der Show schlüpft der Schauspieler und Entertainer in unterschiedliche Rollen, mimt schnell mal die schwedische „Göre“, Heils- und Hassfigur zugleich, oder stellt sich vor, wie wohl ihr Vater Svante sich gefühlt und reagiert haben mag, als sie erstmals den ungewöhnlichen Berufswunsch „Klimaaktivistin“ geäußert habe. Zweieinhalb unterhaltsame Stunden später sind es geradezu unzählige Gestalten, die der Verwandlungskünstler auf diese Weise verkörpert haben wird. Mit viel Körperkomik stellt er etwa einen ängstlichen Adler dar, der nicht fliegen will, oder eine ärgerliche Wespe, die ihn sticht. Seine bewundernswerte Körperbeherrschung zeigt sich freilich ebenso in den bekannten Rollen, für die seine Fans ihn lieben: als afrikanischer Immigrant Antoine mit Glatze und auffällig blondiertem Schnauzbart, als rastagelockter, italienischer Koch Guido oder als spießbürgerlicher, fremdenfeindlicher Schwabe Ernst Riedler, der mit Hape Kerkelings Horst Schlämmer verwandt sein könnte.
Bewundernswerte Fähigkeit zur Improvisation
Besonders zur Geltung kommt Teddys Körperbeherschung jedoch in seiner faszinierend schillernden Darstellung des selbstverliebten und latent aggressiven Percy, der nie stillhalten kann und und eitel erklärt, „’s ischt so nervig, wenn man mal in der Modelbranche war, kriegt man die Moves nicht raus!“ Es sind nicht vorneweg unsympathische, aber samt und sonders eingebildete und selbstbezogene Figuren, die im Rosengarten nacheinander auftreten, dabei alle sehr gekonnt und mit viel Hingabe bis in die Details genau gezeichnet. Auf unterschiedliche Weise nuschelnd, lispelnd, bis zur Unverständlichkeit verkürzend, grammatikalisch sonderbar in einer letztlich unvergleichlichen Mischung aus Ghettoslang und Schwäbisch hat jede ihre charakteristische, immer eigenwillige Ausdrucksweise, jede bewegt sich ganz anders und spiegelt überzeichnet einen Typus, den die ganz überwiegend jungen Zuschauer kennen und hochamüsiert wiedererkennen.
Der in Stuttgart ausgebildete Schauspieler, der am Theater, in TV-Serien wie „Laible und Frisch“ oder im Musical „Hairspray“ spielte, bevor er 2011 über YouTube bundesweit bekannt wurde, bringt als Live-Comedian seine Spontaneität und seine bewundernswerte Fähigkeit zur Improvisation noch besser zur Geltung als in seiner aktuellen TV-Show „1:30“. Auf der Bühne nimmt sich Teclebrhan noch mehr Freiheiten, bricht mit dem Satz „Jetzt hab’ ich den Faden verloren“ schon mal mitten in der Performance ab oder gesteht überhaupt: „Manchmal erzähle ich einfach. Kommt keine Pointe oder was, nicht dass ihr was erwartet!“