Ludwigshafen Comedienne und Moderatorin Enissa Amani: Selbstbewusstsein als Programm
Sie ist in Teheran geboren, in Frankfurt aufgewachsen und lebt mittlerweile in Köln. Im Titel ihres Programms „Mainblick“ steckt der Fluss ihrer Kindheit. Die deutsch-iranische Stand-up-Comedienne und einstige Vize-Miss Westdeutschland Enissa Amani gastierte im Mannheimer Capitol.
Die 36-Jährige zeigte sich zufrieden mit der Zusammensetzung ihres Mannheimer Publikums. Nationalitäten, Geschmäcker und Altersgruppen waren bunt gemischt vertreten. Rund 70 Prozent der Besucher ihrer Shows hätten keinen Migrationshintergrund, meinte sie, die übrigen sehr wohl. Um mehr über die Zusammensetzung der Gäste im Capitol zu erfahren, fragte Amani Herkunftsländer, Berufe und sexuelle Orientierung ab und machte neben den Deutschen Türken, Kurden, Iraner und Marokkaner aus, die Gay Community war auch vertreten, „Nazis“ eher nicht. Dabei setzt die Künstlerin eindeutig auf die integrative Kraft des Dialogs und des Humors, will nicht spalten, sondern zusammenführen: Türken und Kurden, Christen und Moslems, jung und alt. Sie mache „Crowdwork“, sagte sie dazu, interagiert intensiv mit ihrem Publikum, zeigt Gegensätze und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Gruppierungen auf, stellt Verbindungen her und bewegt sich dabei selbst gekonnt und mühelos zwischen den Kulturen. Hier zeigt sich die souveräne Moderatorin, die im Fernsehen etwa durch ihre Late-Night-Show „Studio Amani“ führte.
Keine billigen Pointen
Was sie in „Mainblick“ kundtut, ist dabei in erstaunlich geringem Maße auf echte Gags oder tatsächliche Pointen ausgerichtet. Pointiert zu erzählen, versteht Amani dennoch. Als echte Stand-up-Komikerin berichtet sie vornehmlich aus dem eigenen Leben und Erleben, blickt zurück auf eine prekäre Zeit im verrufenen Frankfurter Stadtteil Griesheim, der „Frankfurter Bronx“. Sie komme aus dem Nichts, sagte sie, was aber nicht so schlimm war. Sie zitierte dazu den italienischen Filmemacher Roberto Benigni („Das Leben ist schön“), der die Armut seiner Kindheit als „das größte aller Geschenke“ definierte. Ihre langen Ausführungen über den steilen Verlauf der eigenen Karriere, von Auftritten in TV-Comedy-Formaten wie „Nightwash“ und „TV total“ bis zum Deutschen Comedypreis als beste Newcomerin, wirken durchaus sympathisch. Denn Amani ist sichtlich darauf aus, ihre Zuhörer, besonders Frauen, Homosexuelle und Migranten, zu einem selbstbewussten Leben zu ermutigen.
Frech und provokant
Sie selbst geht diesen Weg längst. „Ihr kriegt ein sehr persönliches Programm“, versprach sie in Mannheim. „Ich rede so, wie ich es will und wie ich es cool finde für Stand-up.“ Frech und provokant kann sie auch sein mit einer Vorliebe für derbe Ausdrucksweisen, die ihre Fans mit befreiendem Gelächter quittieren. Begriffe wie „Bastard“, „Hurensohn“, „Kanacke“ oder „Nazi“ bilden dann einen etwas absurden Kontrast zu Amanis Auftreten als „Vollblut-Tussi“ mit Heidi-Klum-Piepsstimme. Die Comedienne absolviert hier eine echte Gratwanderung zwischen angriffsbereiter Selbstbehauptung und verständnisvollem Mitgefühl. Ihre Überzeugung „Wir alle sind Deutschland!“ vereint die Nationalitäten und Konfessionen im Publikum wenigstens für die Dauer von zwei Stunden.