Mannheim
Comedian, Entertainer, Musiker: Tedros „Teddy“ Teclebrhan in der SAP-Arena
Der Schwabe aus Eritrea, geboren in der eritreischen Hauptstadt Asmara und aufgewachsen in der Gegend von Tübingen, macht gleich mehrere Wandlungen durch an so einem Abend. Er verläuft so vielgestaltig wie Teddys Karriere, die vor 13 Jahren begann, als der heute 38-Jährige im kultigen Kölner Musical „Hairspray“ sang und in der SWR-Vorabendserie „Laible und Frisch“ einen schwäbelnden Tankwart gab.
Schlicht und einfach in T-Shirt und Jogginghose tritt er auf die kahle Bühne und gestaltet eine knappe halbe Stunde als Stand-up-Comedian, den vor allem der Klimawandel und der viele Male selbst bezeugte Rassismus beschäftigen. „Ich mach' mir keinen Kopf. Wenn ihr rassistisch wärt, dann wärt ihr ja nicht hier“, erklärt er zu seiner eigenen Beschwichtigung. „Es sei denn, ihr merkt's erst jetzt.“ Angst, meint er, ist kein Ausweg, keine Antwort auf den Rassismus und die anderen drängenden Probleme unserer Zeit. „Stellt euch mal vor, ihr würdet 'ne Blume so gießen: mit Benzin, Pfeffer und Essig. So gehen wir mit uns um. Und dann wundern wir uns, warum wir krank sind.“
Teddy glänzt selbst als Fremdenfeind
Er imitiert einen Adler, der sich nicht traut, abzuheben in die Lüfte, obwohl er die besten Voraussetzungen dazu mitbringt und erscheint bald als spießbürgerlicher, fremdenfeindlicher Schwabe Ernst Riedler, der sich in heller Funktionsjacke und Schiebermütze über Migranten in Rage redet. Der Klimawandel, sieht Teddy einen Ausweg, geht freilich uns alle an. „Bei diesem Klima-Thema merke ich immer, dass wir alle betroffen sind, und plötzlich ist dieses Rassen-Thema, dieses ,Woher kommst du?’, nicht mehr wichtig.“ Als übergeordnetes Problem bringe die Klimakatastrophe uns hoffentlich dazu, auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Einen Stand-Upper, verhinderten Adler und Ausländerfeind gibt Teddy auf diese Weise bereits zu Anfang seiner Show. Doch dabei bleibt es keineswegs. Wie auf „Laible und Frisch“ geradezu zwangsläufig weitere Rollen in Film und Fernsehen folgten, eine Hauptrolle in der Kinokomödie „Halbe Brüder“ etwa oder die des Erziehers Robert im vielfach ausgezeichneten Drama „Systemsprenger“, kommt in Mannheim nach dem biederen Riedler der schöne Exzentriker Percy. Ein faszinierend schillernder, selbstverliebter und latent aggressiver „Lady's Magnet“, der tanzend und vom einen Bühnenende zum anderen eilend nie stillhalten kann und als schlaksiges Ex-Model alle eitlen „Moves“ und „Positions“ noch draufhat.
In dieser Gestalt bringt Teddy auch noch eine glänzende Michael-Jackson-Persiflage unter. Sein wie beiläufig, dabei in höchster Vollendung angestimmtes „Man in the Mirror“ bringt erst unzählige Handylichter in der Arena zum Funkeln, um dann vom Interpreten selbst mutwillig dekonstruiert zu werden und in einen stampfenden Goa-Trance-Track zu münden. Sein charakteristisch überaus schlichter Text: „Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag sind eine Woche.“
Alle Figuren sind fein gezeichnet – da hat einer seine Vorbilder gut studiert
Es sind nicht vorneweg unsympathische, aber samt und sonders eingebildete und selbstbezogene Figuren, die Teddy nacheinander auf die Bühne bringt. Dabei alle sehr gekonnt und mit viel Hingabe bis in die Details genau gezeichnet. Teclebrhan, so viel ist gewiss, ist den Vorbildern nicht nur einmal begegnet, sondern er hat sie studiert, ja, regelrecht verinnerlicht und legt nun sein großes schauspielerisches Können an den Tag, um sie zu verkörpern. Auf unterschiedliche Weise nuschelnd, lispelnd, bis zur Unverständlichkeit verkürzend, grammatikalisch sonderbar in einer letztlich unvergleichlichen Mischung aus Ghettoslang und Schwäbisch verfügt jede seiner Figuren über ihre charakteristische, immer eigenwillige Ausdrucksweise. Jede bewegt sich ganz anders und spiegelt überzeichnet einen Typus, den Teddys überwiegend junge Fans kennen und hochvergnügt wiedererkennen.
Als US-Schmusesänger mit Überbiss startet Teddy schließlich das große Stadion-Event samt zehnköpfiger Band, Pyrotechnik, Luftschlangen und Goldregen. Ohne diese Zutaten wäre Teclebrhan keinen Deut schlechter, nicht weniger überzeugend, witzig oder unterhaltsam, aber es braucht sie wohl, um eine weite Arena zu bespielen. George Bensons „Give Me the Night“ eröffnet das große musikalische Finale der Show, in der Teddy schließlich als Antoine Burtz, mit Glatze und blondiertem Schnauzbart, in Erscheinung tritt, mehrmals die Arena durchmisst und mit seinen veritablen Anti-Hits „Flieg, klein' Wellensittich“, „Lohn isch da“ oder „Mona Lisa“ für Stimmung sorgt. Live kommt dabei Teddy Teclebrhans mitreißende Musikalität in Gesang und Tanz ebenso zur Geltung wie seine Spontaneität und sein bewundernswertes Talent zur Improvisation.