Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Claus Boesser-Ferrari beweist im Ella & Louis Spontaneität

Claus Boesser-Ferrari fordert sein Publikum.
Claus Boesser-Ferrari fordert sein Publikum.

Ein Konzert mit Claus Boesser-Ferrari ist eine Reise, eine Collage, ein Film. Als Zuhörer folgt man gebannt seinen musikalischen Assoziationen. Sein Auftritt im Ella & Louis in Mannheim war voller Zitate und seiner typischen Klangsprache – und gar nicht schlimm.

„Tja, da müsst ihr jetzt durch“, sagte Boesser-Ferrari. Und er meinte damit nicht nur die neuen Saiten seiner Gitarre, die häufiges Nachstimmen erforderten. Ein bisschen ironisch spielte er darauf an, dass auch er nicht weiß, wie sich ein Konzert bei ihm entwickelt. Der Musiker hat kein festes Programm, sondern nur einen ungefähren Rahmen. Vieles entsteht aus Assoziationen und Erinnerungen, und da hat Boesser-Ferrari ein reiches Musikerleben, aus dem er schöpfen kann. Da kann es auch mal sein, dass er sich selbst überrascht – oder das Publikum ihn.

So geschehen im Ella & Louis. Da kündigte er an, als Zugabe einen „Lagerfeuer-Song“ zu spielen, als eine Frau rief: „Oh toll, Winnetou!“ Offensichtlich ein Fan der Filmmusik-Bearbeitungen „The Winnetou Tapes“, die Boesser-Ferrari zusammen mit Adax Dörsam aus alten Karl-May-Filmen entwickelt hat. „Das wollte ich zwar nicht, aber wenn Sie es wollen“, reagierte der Künstler spontan und spielte etwas vom „Schatz im Silbersee“. Natürlich erlaubte seine „One-Man-Show“ auch viel Flexibilität.

Schwerpunkt Jimi Hendrix

Einen Schwerpunkt gab es doch, nämlich Jimi Hendrix. Motive seiner Stücke wurden zu einer Art rotem Faden. Mit dem Gitarren-Revolutionär ist Boesser-Ferrari durchaus geistesverwandt. So wie Hendrix die Spielmöglichkeiten und Klänge der E-Gitarre erweitert und mit „elektrischen Mitteln“ gearbeitet hat, so hat auch Boesser-Ferrari eine eigene Klangästhetik entwickelt. Auch, aber nicht nur, unter Zuhilfenahme elektrischer Mittel. Damit erschließt seine Spielweise der akustischen Gitarre neue Möglichkeiten. Noch ohne Strom funktioniert das Klopfen, Kratzen, Scharren auf viele Arten auf Korpus und Saiten. Geräusch ist für Boesser-Ferrari ein legitimes musikalisches Ausdrucksmittel. Mit Strom kommt der tiefe Bass dazu, der den Gitarrenton eine Oktave tiefer legt und sehr typisch für den Boesser-Ferrari-Sound ist, zudem Hall- und Echo-Effekte oder eine Verzerrung, wie bei einer Rockgitarre, die er über Fußschalter und Pedale regelt.

Weil Hendrix für ihn eine Art Initialzündung war, hat Boesser-Ferrari ihm sein jüngstes Album „The Wind cries Mary“ gewidmet. Natürlich spielt er da nicht einfach Hendrix' Stücke nach, sondern interpretiert sie neu, stellt sie aus seiner Sicht und mit seiner Klangsprache vor. „Fire“ und „Third Stone From The Sun“ tauchten immer wieder auf. „Hey Joe“, übrigens kein Hendrix-Original, kündigte sich mit den charakteristischen Basslinien an, die aber der Gitarrist in neue Kontexte stellte.

Zitate und Verweise

Geboren 1952, hat der in Bellheim aufgewachsene Musiker viel von der Rockrevolution der Popmusik mitbekommen. Deshalb gab es auch viele Querverweise, wie etwa auf Pink Floyds „Astronomy Domine“ mit den schroffen Eingangsakkorden und später dem chromatischen Abwärtslauf. Zu seiner musikalischen Sozialisation gehörten auch Kirchen- und alte Volkslieder, etwa „Es geht ein dunkle Wolk' herein“ oder „Scarborough Fair“. Auch zeitgenössische Kollegen der modernen Gitarre tauchen auf, wie Fred Frith oder Bill Frisell.

Für die Zuhörer ist etwas Rockgeschichte hilfreich, aber nicht Bedingung. Es macht natürlich Spaß, die ganzen Zitate zu erkennen. Aber Boesser-Ferrari entwickelt seine Performance immer auch aus einer inneren Logik heraus, der man gebannt folgt. Dass er damit manche Zuhörer auch fordert, weiß der Klangkünstler natürlich. „Vielen Dank, ihr wart sehr tapfer“, sagte er zum Abschluss dem begeisterten Publikum.

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