Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Chronischer Hausarztschwund: Was Mediziner fordern

„Ärztehäuser sind die Zukunft“, nennt Mediziner und CDU-Stadtratsfraktionchef Peter Uebel einen Faktor, der aus seiner Sicht auc
»Ärztehäuser sind die Zukunft«, nennt Mediziner und CDU-Stadtratsfraktionchef Peter Uebel einen Faktor, der aus seiner Sicht auch wieder mehr Hausärzte in die Stadtteile ziehen wird.

Allein der Ludwigshafener Stadtteil Oppau hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren ein Minus von zehn Medizinern in den Hausarztpraxen zu verzeichnen. Wie es gelingen kann, jetzt bestmöglich gegenzusteuern,das war am Montag das Thema einer Podiumsdiskussion, zu der die CDU eingeladen hatte.

Dass die Generation der Babyboomer auch jenes Alter erreichen wird, in dem sie Ärzte immer häufiger in Anspruch nehmen muss, war lange absehbar. Und doch befindet sich auch Ludwigshafen derzeit an einem Punkt, an dem Mediziner wie Peter Uebel sagen: „Die Versorgung ist schlechter geworden, und das wird noch weiter eskalieren.“

Bezogen auf den Klinikbereich war diese Aussage des CDU-Stadtratsfraktionschefs nicht. Die vier Krankenhäuser im Stadtgebiet mit insgesamt 2049 Betten seien überdurchschnittlich gut aufgestellt. „Ganz problematisch“ sei jedoch die Situation bei der hausärztlichen Grundversorgung, wie der 59-Jährige am Montagabend im Protestantischen Gemeindehaus Edigheim erläuterte.

„Laufen in Katastrophe rein“

Seine eigene Praxis habe in den vergangenen Jahren ein Minus von vier Ärzten zu verzeichnen, erläutert dann auch der Oppauer Allgemeinmediziner und Schmerztherapeut Oliver Emrich. Die weiteren Eckdaten für den Stadtteil Oppau: Die Praxis Hoecker habe im Vergleich zu früheren Zeiten ein Minus von zwei Ärzten zu verzeichnen, in der Praxis Otte arbeite ein Arzt weniger, ohne Nachfolger geschlossen worden seien inzwischen die Praxen Bieringer, Manthe, Feinauer und Cremonese.

„Wir laufen in eine richtige Katastrophe rein“, sagte Emrich, der zudem erläuterte, dass von den verbleibenden elf Allgemeinmedizinern in Oppau sechs in Teilzeit arbeiten. Insgesamt steige die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte zwar wieder – Emrich nannte an dieser Stelle ein Plus von 13,9 Prozent in den Jahren 2013 bis 2022. Bezogen auf die Hausärzte sei im genannten Zeitraum aber nur ein Plus von 1,2 Prozent zu verzeichnen.

Viele arbeiten in Teilzeit

„Und auch das ist eine faule Zahl“, gibt der 69-Jährige zu bedenken. „Da wird noch nicht der heute hohe Anteil von Teilzeitarbeit widergespiegelt. Das heißt, es gibt an dieser Stelle ein sattes Minus.“

Umso frustrierter zeigte sich angesichts dessen auch Steffen Giesse, Vorstandsvorsitzender der Gesundheitsorganisation Ludwigshafen (Golu), und als Investor verantwortlich für den Bau des neuen Oppauer Ärztehauses. Unter den rund 30 Zuhörern sitzend, berichtete er von einer Anfrage drei junger Hausärzte, die sich zusammenschließen wollen, denen er aber keine Räume mehr zur Verfügung stellen kann, weil das neue (Fach-)Ärztehaus bereits komplett ausgelastet sei. „Ärztehäuser sind die Zukunft“, befanden Giesse und Uebel in diesem Zusammenhang unisono, sie böten den nötigen attraktiven Anreiz auch für Hausärzte, sich anzusiedeln.

Mediziner und CDU-Politiker: Peter Uebel.
Mediziner und CDU-Politiker: Peter Uebel.

Darüber hinaus seien aber auch noch andere große Räder zu drehen, verdeutlichte Oliver Emrich: „Es muss mehr Geld in das System und vor allem Schluss sein mit der Budgetierung der Honorare.“ Diese seit 1993 bestehende Regelung verhindere, dass Ärztinnen und Ärzte für ihre Arbeit auch voll entlohnt werden. Übers Budget hinaus entstehende Mehrkosten für Behandlungen tragen diese nämlich selbst. Allein in Rheinland-Pfalz beläuft sich diese Art Zwangsrabatt laut Kassenärztlicher Vereinigung auf durchschnittlich rund 183.000 Euro pro Tag. „Wir Ärzte haben seit Jahren etwa das gleiche Gehalt, trotz hoher Inflation sowie steigender Lohn- und Energiekosten“, betont Oliver Emrich zudem.

Task-Force in LU gefordert

Doch auch was die lokale politische Ebene betrifft, herrscht ein gewisses Maß an Frust: „Als Gesundheitsorganisation Ludwigshafen sind wir bereits vor zwei, drei Jahren auf die Stadtverwaltung zugegangen – mit der Bitte, eine Task-Force zu gründen“, berichtet Steffen Giesse. Passiert sei daraufhin jedoch nichts.

Peter Uebel ließ am Montag durchblicken, dass in der Ärzteschaft nun das Ziel verfolgt wird, für Ludwigshafen einen Versorgungsatlas zu erstellen – um festzustellen, welche Mediziner an welcher Stelle konkret fehlen. „Aus den Unis kommt zu wenig, in Rheinland-Pfalz wird nur in Mainz ausgebildet“, hatte der Chef der CDU-Stadtratsfraktion direkt zu Beginn der Diskussion angemerkt. „Die ambulante Versorgung steht am Scheideweg!“, machte Steffen Giesse an deren Ende eindringlich klar, wie viel im deutschen Gesundheitswesen derzeit auf dem Spiel steht.

Engagiert sich für Schmerzpatienten: Oliver Emrich.
Engagiert sich für Schmerzpatienten: Oliver Emrich.
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