Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Chako“: Mit neuem Programm zurück auf die Bühne

„Ich will das Klischee benennen, damit spielen und es brechen“: Christian Habekost.
»Ich will das Klischee benennen, damit spielen und es brechen«: Christian Habekost.

Mundart-Comedian Christian „Chako“ Habekost (59) kehrt auf die Bühne zurück: mit seinem neuen Programm „Life is ä Comedy“. Premiere ist im Mai. Bei einem Spaziergang durch Bad Dürkheim hat er unserer Redakteurin Nicole Sperk davon erzählt.

Herr Habekost, wir befinden uns auf dem Wurstmarktplatz in Bad Dürkheim. Glauben Sie, dass hier im September statt Autos wieder Schubkarchstände stehen werden?
Ich will es glauben. Es kann nicht drei Jahre hintereinander keinen Wurstmarkt geben. Ich bin immer so historisch gläubig. Das gilt auch für den FCK zum Beispiel. Du kannst einen Verein herunterwirtschaften, aber die Idee dieser Tradition kannst du nicht kaputtmachen. Genauso ist es mit dem Wurstmarkt.

Platz zwei mit guten Aufstiegsperspektiven – da lässt sich das ganz gut sagen.
Ja, schon. Aber was ich damit sagen will: Eine seit 600 Jahren existierende Idee kann nicht kaputtgehen. Insofern bin ich ganz zuversichtlich.

Können Sie überhaupt auf den Wurstmarkt gehen, ohne überall angesprochen zu werden: „Oh, de Chako! Kumm, mer trinken en Schoppe!“ Alkohol kann zu Distanzlosigkeit führen. Ist es immer angenehm, „de Chako“ zu sein?
Ich bin grundsätzlich dankbar, dass ich de Chako bin. Weil ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe und mit dem, was ich am besten kann, Leute zum Lachen zu bringen, Geld verdiene. Kleine Nachteile nehme ich gerne in Kauf. Wenn ich auf den Wurstmarkt gehe, dann bin ich auch selbst im Feiermodus, und das geht natürlich einfacher, wenn du selbscht en Schoppe getrunke hoscht. (Er wird beim Spaziergang an der Saline entlang von zwei älteren Damen angesprochen.) Da haben wir es wieder. Das war jetzt die ältere Generation, die sagt „Herr Habekost“. (Lacht.)

Und wie oft werden Sie als Dr. Habekost angesprochen?
Nur von Journalisten, die das exotisch genug finden, um es anzusprechen. Ich bin lieber de Chako.

Gab es den einen Moment, in dem dieser Chako geboren wurde?
Ja. Den Namen Chako habe ich mir aus meinen Anfangsbuchstaben zusammengebaut, als ich in der Karibik aufgetreten bin. Der Comedian Chako wurde geboren, als der kleine Christian Habekost geboren wurde. Darum geht es in auch meinem Programm. Die erste Nummer spielt im Bauch von meiner Mutter. Dann wollen meine Eltern, dass ich sprechen lerne. Was aber erst geklappt hat, als ich zum ersten Mal jemand hab Pälzisch babble häre.

Stimmt das?
Ahjoo. Es ist wirklich mein persönlichstes, privatestes Programm. Der Großteil ist schon autobiografisch. Mit gewissen comedyantischen Freiheiten.

Schreiben Sie alleine?
Ja, schon immer schreibe ich all meine Texte selbst. Schade, dass das oft zu wenig zur Sprache kommt.

Vor 30 Jahren entstand die Bühnenfigur Chako. War Ihre Sprache am Anfang eher Mannemerisch und hat sich jetzt in Richtung Pfälzisch entwickelt?
Diese Grenze gibt es für mich nicht. Ich sehe das eher linguistisch. Der Sprachraum des Pfälzischen hat keine politischen Grenzen wie Baden. Der kümmert sich nicht darum, ob dazwischen Napoleon oder der Wiener Kongress waren.

Einerseits stirbt der Dialekt aus. Andererseits ist die Identifikation mit der pfälzischen Heimat groß – wie soll man sich auch nicht identifizieren, wenn man hier in der Sonne steht und auf die Weinberge und das Dürkheimer Fass guckt.
Ich bin mir da auch unschlüssig. Kinder und Jugendliche sprechen kaum noch Dialekt. Es ist nicht mehr hip. Auf der anderen Seite der Erfolg von WNSTR, de Anonyme Giddarischde … Ich glaube, es liegt daran, dass die Leute in der Globalisierung Identifikation suchen. Das bringt der Nationalstaat nicht. Aber dann wäre es halt auch konsequent, wenn man den Dialekt überall pflegt und und nicht nur benutzt, wenn man de Olwer raushängt.

Die Pressemitteilung zu Ihrem neuen Programm beginnt mit den Worten „Nach langer Zwangspause“. Mir kommt es gar nicht so vor, als wären Sie weg gewesen ...
Das höre ich natürlich gern. Das heißt, dass ich doch präsent war, und dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin relativ gut durch die Pandemie gekommen, auch, weil mein Management mich gut verkauft hat. Zwangspause bezieht sich darauf, dass ich als Bühnenkünstler nicht so konnte, wie ich wollte. Und ich bin halt mol ä Rampesau. Manchmal habe ich mir gewünscht, Fußballer zu sein.

Sie schreiben gemeinsam mit Ihrer Frau Krimis, machen Musik, haben für das Ludwigshafener Stadtmarketing gearbeitet …
… das hat einen Riesenspaß gemacht. Und es gab doch tatsächlich ein oder zwei Leute, die gesagt haben: Jetzt bist du aber tief gesunken.

Glauben Sie, dass es was mit Menschen macht, wenn man ihnen ständig sagt, dass sie in einer Scheißstadt wohnen?
Ja, absolut. Und das kommt ja nicht nur von Mannheimer Seite, sondern auch von pfälzischer. Wenn die Leute die Pfalz super finden, meinen sie hauptsächlich die Weinstraße.

Und wohin fahren morgens alle, um Geld zu verdienen?
Eben. So isses. Das ist traurig. Es wäre schön, wenn wir die Klischees hinter uns lassen. Alles, auch LU, hat auch eine andere Seite.

Stichwort Klischees. Wir Pfälzer sind ja nun auch nicht rund um die Uhr damit beschäftigt, aus blumenvasengroßen Gefäßen Weißweinschorle zu trinken.
Ich will das Klischee benennen, damit spielen, dass die Leute drüber lachen können, will es aber im nächsten Atemzug wieder brechen. Das ist meine Art, mit der Pfalz und allen Stereotypen umzugehen. Durch diese satirische Brechung wissen die Leute oft nicht genau: Meint er es ernst oder nicht? Dieses Zwischending liebe ich.

Wie populär ist Chako außerhalb der Pfalz?
Im Prinzip funktioniert es überall. Aber: Ich war und bin nie der Fernsehcomedian. Mein Medium war immer live. Ich mache das, was ich will. Da redet mir keiner rein, da zensiert mich keiner. Und ich bin hauptsächlich so unterwegs, dass ich ohne Hotelübernachtung wieder nach Hause fahren kann. Was ä Lewe!

Was erfährt man in dem Programm über Chako, was man noch nicht wusste?
Oh, so einiges. Es wird stellenweise schon sehr persönlich. Meine Kindheit, meine Jugend, der Zivildienst... Satirisch-komödiantisch aufgearbeitet, so dass jeder auch für sich was damit anfangen kann.

Den richtigen Ton zu treffen, um möglichst viele Menschen zu erreichen, stelle ich mir schwer vor.
Die Mundart, die ich ja konsequent spreche, ist eine Hilfe. Es muss nicht jeder alles verstehen. Wenn jemand nur über den vordergründigen Witz lacht ohne das Hintergründige, das ich versteckt habe, ist es nicht schlimm. Manche lachen gar nicht. Die, die sich für die Klügsten halten, lachen am wenigsten. Aber: Wir dürfen uns gerade in diesen Zeiten auch mal das Recht rausnehmen, zwei Stunden einfach mal nur das Leben zu genießen. Weeschwie’schmään?!

Zur Person

Christian Habekost

Der Comedian, Musiker und Schriftsteller Christian „Chako“ Habekost kommt aus Mannheim, wo er am 27. März 1962 geboren wurde und im Stadtteil Vogelstang aufgewachsen ist. Er ist promovierter Sprachwissenschaftler und lebte zeitweise in der Karibik, wo er als Calypso-Künstler populär wurde. Karibische Rhythmen kombiniert er immer wieder mit pfälzischer Mundart, etwa bei seinem neuen musikalischen Projekt Chakos HaardtBeat. Habekost lebt seit 2007 in Bad Dürkheim. Gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Britta Habekost, veröffentlicht er die „Elwenfels“-Krimireihe und zuletzt den Reiseroman „Im Nirwana sind noch Zimmer frei“.

Zur Sache

Das neue Programm live

Premiere von „Life is ä Comedy“ ist am 28. Mai im Capitol in Mannheim. Auf dem Tourplan stehen unter anderem Auftritte im Mutterstadter Palatinum (29. Mai), im Ludwigshafener Pfalzbau (18. Juni), im Neustadter Saalbau (22. Juni), in der Landauer Festhalle (22. Juli), noch einmal im Mannheimer Capitol (10. September), im Frankenthaler Congressforum (16. November) und in der Kaiserslauterer Kammgarn (1. Dezember).

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