Leute in LU
Caroline Mentur: Trotz Handicap Traumjob in kleiner Bäckerei gefunden
Kirschenplotzer gibt es an diesem warmen Sommertag in der kleinen Bäckerei in der Melm. Und Käsekuchen. „Den mögen die Leute hier ganz besonders“, berichtet Caroline Mentur und lächelt. Ebenso wie ihre Kollegin hinter dem Tresen trägt sie stolz ein rotes Poloshirt mit dem Logo des Cafés: ein bunter Jahreszeitenbaum. Die Shirts der beiden Chefs sind weiß. Matteo und Salvatore Mirotta haben Caroline Mentur zum 1. Juni als Mitarbeiterin eingestellt. Obwohl die junge Frau wegen einer geistigen Behinderung und einer Lernschwäche bei der Arbeit Geduld und Unterstützung braucht. Aber schon nach einem achtwöchigen Praktikum war für beide klar: „Caroline hat sich bewährt, das klappt.“ Jetzt gehört sie zum festen Team des Familienbetriebs.
Im August gibt es die Bäckerei Am Weidenschlag seit vier Jahren. Matteo Mirotta ist Konditormeister. Er sagt: „Ich will beeinträchtigten Menschen eine Chance geben.“ Das Café gehört zum Sozialraum der Werkstätten des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz, es liegt in der Nachbarschaft. Für viele Werkstatt-Menschen ist es ein beliebter Treffpunkt geworden. Daher hat die Familie Mirotta ihr Café auch vor einem Jahr vergrößert, will demnächst auch noch einen Nebenraum herrichten für Feiern und Veranstaltungen. Am Wochenende gibt es abends Pizza, denn in der Umgebung gibt es keinen Pizzabäcker, erklärt Salvatore Mirotta. Die 35-jährige Caroline freut sich, dass sie jetzt schon ganz selbstverständlich dazu gehört.
Heimweh schnell verflogen
Ihr Arbeitsplatz ist die Backstube. Zuerst war sie dort nur vier Tage in der Woche eingesetzt. Einen Tag hat sie noch weiterhin in ihrer Werkstatt gearbeitet, weil sie befürchtet hatte, Heimweh nach den alten Kollegen zu bekommen. Dafür hatte der neue Chef Verständnis. Aber das Heimweh sei schnell verflogen, bekräftigt Caroline. Jetzt arbeitet sie fünf Tage in der Woche immer von 7 bis 13.30 Uhr in der Bäckerei. Meist komme sie schon früher, um erst noch in Ruhe zu frühstücken, erzählt ihr Chef.
Caroline Mentur bereitet die Teige vor und wiegt eigenständig die Zutaten ab. „Es klappt“, sagt Matteo Mirotta zufrieden. „Sie passt auf alles auf und denkt mit.“ Und er ist überzeugt, dass sie nach und nach noch selbstständiger werden wird. Daher denkt der Konditormeister auch darüber nach, einen weiteren Mitarbeiter aus den Werkstätten als Verstärkung des Teams einzustellen. Einen regulären Mitarbeiter könnte der kleine Familienbetrieb nicht bezahlen. Denn einen Teil von Menturs Gehalt zahlt der Betrieb, den anderen das Gemeinschaftswerk. Mit ihren Betreuern im Werk steht Caroline Mentur weiterhin im Kontakt. Das soziale Netz ist wichtig für die junge Frau.
Selbstständig zum Arbeitsplatz
Wie gefällt ihr die neue Arbeit? Was mag sie am liebsten? „Alles ist schön“, sagt sie und strahlt. Caroline wohnt mit ihrem Freund in Oggersheim in der Nähe des Friedhofs. Ihre Freizeit verbringt sie mit ihrem Partner und legt zu Hause „gern die Füße hoch, um zu entspannen“. Den Weg zu ihrem Arbeitsplatz bewältigt sie allein.
Das sei eine wichtige Voraussetzung für die Vermittlung von Menschen mit Handicap in einen regulären Betrieb, erklärt Lukas Flörchinger, Fachkraft für betriebliche Integration bei den Ludwigshafener Werkstätten. Zudem muss der Sozialraum stimmen. „Hier hat alles gut gepasst.“
Coaching für Betriebe
In Ludwigshafen sind derzeit 25 Menschen aus den Werkstätten auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz beschäftigt. Außerdem gibt es 15 Anwärter, die mithilfe von Praktika vermittelt werden sollen. Bis zum Jahresende sollen 30 Menschen mit Handicap vermittelt sein. Arbeitgeber gebe es grundsätzlich in allen Bereichen, sagt Flörchinger. Aber die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt in Ludwigshafen ist groß, trotz Fachkräftemangels. Gute Chancen gebe es im Dienstleistungsbereich, also zum Beispiel in der Gastronomie und bei Reinigungsfirmen. Insgesamt sind in den Oggersheimer Werkstätten 320 Menschen beschäftigt.
Im Jobwerk des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz engagieren sich Lukas Flörchinger und sein Kollege Uwe Richter dafür, dass mehr Menschen mit Beeinträchtigung in das Arbeitsleben außerhalb der Werkstätten integriert werden. Bewerber und ihre Angehörige werden ebenso beraten und bei den Bewerbungen unterstützt wie die Betriebe, die sich für solche Modelle interessieren. Das Jobwerk hilft bei der Vermittlung von geeigneten Praktikanten, begleitet und coacht den Betrieb und informiert über Finanzierungsmodelle.
Noch Fragen?
Die Ludwigshafener Werkstätten in der Melm sind per E-Mail an jobwerkluw@gemeinschaftswerk.de erreichbar.