Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Standort der Ludwigshafener Werkstätten in Schifferstadt eröffnet

Heller sind sie – und mehr Platz für alle bieten die neuen Räume am ehemaligen Wilhelmi-Standort.
Heller sind sie – und mehr Platz für alle bieten die neuen Räume am ehemaligen Wilhelmi-Standort. Foto: Lenz

„Wir woll'n, wir woll'n schaffe!“ zur Melodie von „We will rock you“ hat der Chor der Mitarbeiter im neuen Standort der Ludwigshafener Werkstätten zur Eröffnung gesungen. Die neue Zweigstelle im Schifferstadter Lettenhorst liegt nicht weit von der ersten Werkstatt. Über 90 Menschen mit Behinderungen arbeiten in der neuen Halle – und sind sehr froh über die Erweiterung.

„Viel schöner“, „schön hell“ – so schilderten die Mitarbeiter der Ludwigshafener Werkstätten bei der Eröffnungsfeier ihre Eindrücke. Und was auch immer wieder genannt wird: „Viel ruhiger.“ In Schifferstadt sind 250 Menschen mit Behinderungen in den Werkstätten des Ökumenischen Gemeinschaftswerks beschäftigt. Fast alle waren vorher am ersten Standort. Dort wurde es recht eng, es war laut und – was besonders schwer wiegt – es war nicht mehr so sicher, wie es sein sollte.

Der Anlass, in der bestehenden Werkstatt mal ganz genau hinzuschauen, war eine Brandkatastrophe in Titisee-Neustadt, sagte Rainer Riedt, der Leiter der Ludwigshafener Werkstätten. Er bezieht sich auf ein Feuer 2012 in einer Werkstätte der Caritas, bei dem 14 Mitarbeiter, Menschen mit Behinderungen und Betreuer zu Tode kamen. Mit Brandschutz-Fachleuten habe man sich den ersten Schifferstadter Standort angesehen und ein Konzept entwickelt. Es seien neue Brandschutz-Abschnitte eingeteilt und zusätzliche Schutztüren installiert worden – doch das habe nicht gereicht. Es waren zu viele Menschen und zu viel Material auf zu engem Raum, sagte Riedt. Da sei es ein Glücksfall gewesen, dass die Firma Wilhelmi 1500 Quadratmeter Halle und dazu 1000 Quadratmeter Außengelände vermieten wollte. Vor Wilhelmi war hier das Tanzlokal Malibu und eine Videothek. Die Entfernung zur alten Werkstatt sind keine 100 Meter. Das Gemeinschaftswerk habe einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen. Rund eine halbe Million Euro habe der Umbau gekostet. Es wurden geeignete Sanitäranlagen, ein Werkstattbereich mit Leitungen für Strom, Wasser und Druckluft errichtet sowie Lagerkapazitäten geschaffen. Es gibt Sozialräume und einen Küchenbereich.

Werkstätten bewusst in die Gemeinden gelegt

In der Werkstatt werden Kleinteile für Industrie und Handwerk sortiert und verpackt. Des Weiteren ist hier die Abteilung Gartenbau und Landschaftspflege angesiedelt. Im Namen des Werkstattrats lobte Esther Bingl die neuen Räume, die hell und schön geworden seien. Wichtig sei, dass Rollstuhlfahrer mehr Bewegungsfreiheit haben. Walter Steinmetz, Geschäftsführer des Ökumenischen Gemeinschaftswerks erklärte, die Standorte der Werkstätten seien bewusst inmitten von Gemeinden gewählt, um Menschen mit Behinderungen Teilhabe und ein Miteinander im sozialen Raum zu ermöglichen. Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne) will dafür ein Zeichen setzen und kündigte an, das nächste Schifferstadter Unternehmerforum in der Werkstätte zu veranstalten.

Mitarbeiter mit und ohne Behinderungen bereicherten die Feierstunde mit Musik und Tanz. Die Pfarrer Thomas Jakubowski und Georg Müller hielten eine kurze Andacht und baten um Gottes Segen.

Zur Sache: Ludwigshafener Werkstätten

Die Ludwigshafener Werkstätten haben Standorte in Ludwigshafen und Schifferstadt und beschäftigen insgesamt 600 Menschen mit Behinderungen, davon 250 in Schifferstadt. Träger ist das Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz. Dieses wurde 1968 vom Caritasverband der Diözese Speyer und der Evangelischen Heimstiftung Pfalz gegründet. Neben den Werkstätten betreibt das Ökumenische Gemeinschaftswerk Hilfsangebote in ambulanten und stationären Einrichtungen für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. Es gibt Reha-Angebote, Berufsqualifizierungen und Arbeitsplätze für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die Werkstätten in Ludwigshafen und Schifferstadt bieten Arbeitsstellen in den Bereichen Montage und Verpackung von Teilen für die Autoindustrie, Elektronik und Maschinenbau, Holz- und Metallverarbeitung, Textilverarbeitung, Wäscherei, Gartenbau, Versand- und Büroservice.

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