Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Cannabis-Social-Club Grüne Liebe gibt erste Tütchen aus

Als einer der ersten Cannabis-Social-Clubs in Baden-Württemberg händigt die Grüne Liebe ihren Mitgliedern nun legales Marihuana
Als einer der ersten Cannabis-Social-Clubs in Baden-Württemberg händigt die Grüne Liebe ihren Mitgliedern nun legales Marihuana in abgepackten Tütchen aus.

Cannabis ist seit April 2024 teilweise legalisiert, doch viele Menschen sind skeptisch. Die RHEINPFALZ hat den Mannheimer Cannabis-Social-Club Grüne Liebe besucht.

Streng geheim und irgendwie verboten wirkt es immer noch. Beim Türsteher müssen die Gäste ihren Perso und digitalen Clubausweis vorzeigen, bei der Ausgabe nochmal. Dann halten die Mitglieder des Cannabis-Social-Clubs (CSC) Grüne Liebe ihr erstes, ganz legal angebautes Mannheimer Marihuana in ihren Händen.

Nach der bundesweiten Teil-Legalisierung von Cannabis im April 2024 und der Genehmigung zum gemeinschaftlichen, nicht gewinnorientierten Anbau im Herbst vorigen Jahres – als einer der ersten Clubs in Baden-Württemberg –, folgte für den Verein mit Sitz in Rheinau ein Jahr des Wartens. Da die Bewilligung des Bauamtes lange fehlte, wurde erst im Sommer mit der Zucht von 350 THC-haltigen Hanfpflanzen begonnen. Nach der Ernte – bei der die Mitglieder in weißen Kitteln aktiv mit anpacken konnten – erfolgt nun die Ausgabe.

Maximal 50 Gramm im Monat

Der kleine Warteraum ist mit grünen Luftballons geschmückt, es gibt Kaffee für Spenden, der Blick der Gäste aber wandert wohl eher über die Theke, wo zehn Grassorten in Tüten abgepackt liegen. „Von einer Legalisierung konnte man früher nur träumen, jetzt geht dieser Traum in Erfüllung. Man fühlt sich nun ein stückweit entkriminalisiert“, erklärt ein Genussraucher, der wie seine Kollegen anonym bleiben möchte.

Kiffen, also das Rauchen der grünen Blüten mit Namen wie Blueberry Bubblegum, Bruce Banner, Eye Candy und Wedding Cake, ist auf dem Clubgelände verboten. Also müssen die Mitglieder mit dem Testen noch ein wenig warten. Bis zu 25 Gramm bekommen die Gäste auf einmal ausgehändigt, maximal 50 Gramm in einem Monat. „Um den Ansturm zu entzerren, haben wir gerade jeden Tag geöffnet“, sagt der Vorstandsvorsitzende Matthias Caroli. Nach juristischen Kämpfen sei nun im doppelten Sinne etwas Entspannung eingekehrt.

Schwarzmarkt soll bekämpft werden

Von den 348 Mitgliedern hätten nach den ersten Wochen der Ausgabe schon fast alle ihre erste Ration (meist 15 Gramm) abgeholt. Das Prozedere ist streng. Schon im Voraus müssen die Clubteilnehmer ihren Bedarf in einen digitalen Warenkorb ablegen und bezahlen. „Bargeld wird nicht akzeptiert“, erklärt Caroli. Auch Gespräche über Sucht- und Konsumverhalten werden geführt und bei Bedarf wird eine Beratung beim Drogenverein empfohlen. Der Preis mit zehn Euro pro Gramm orientiert sich am Schwarzmarkt, der mit der Teil-Legalisierung bekämpft werden soll. Beim dem Thema schalten sich die Genusskonsumenten wieder ein: „Es gibt wirklich viel Dreck auf der Straße. Gras, das mit Haarspray und anderen künstlichen Zusätzen verunreinigt wird, um es schwerer oder auch in seiner Wirkung härter zu machen. Hier beim Verein gibt es jetzt sauberes Zeug, aus erster und nicht aus vierter Hand“, sagt einer.

Bislang wurde der Schwarzmarkt nur mit mäßigem Erfolg eingedämmt. Was auch daran liege, dass den Cannabis-Social-Clubs der Start schwer gemacht wird. In Aschheim in Oberbayern etwa wurde ein Spielplatz mitten in einem Industriegebiet gebaut, um die Ansiedlung eines CSCs zu verhindern. Die Regel besagt, dass in einem Radius von 200 Metern zu einer Kinder- und Jugendeinrichtung kein Anbauverein sein darf.

Graslieferung bis vor die Haustür

„Soweit ich weiß, konnten auch in Baden-Württemberg erst fünf von 27 zugelassenen Vereinen mit dem konkreten Anbau beginnen“, sagt Caroli. Viele befinden sich also trotz Genehmigung in einer juristischen Warteschleife, da eine Baubewilligung fehlt oder eine Sondergenehmigung geprüft wird. Die Teillegalisierung habe so einen ganz anderen Effekt: „Der Schwarzmarkt verlagert sich ins Digitale.“

Nach Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ist seit dem Frühjahr 2024 der Import von Cannabis zu medizinischen Zwecken um 170 Prozent gestiegen. „Nicht, weil Ärzte mehr Rezepte schreiben, sondern wegen telemedizinischer Plattformen“, erklärt Caroli. Konsumenten könnten sich über DHL ihr angeblich für Rückenschmerzen benötigtes Gras bis vor die Haustür liefern lassen. Mit einem neuen Gesetz, dass das Apotheken-Cannabis nur nach persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt erlaubt, solle diese Quelle eingedämmt werden.

Die Vereinsmitgliedschaft ist erst ab 18 Jahren möglich. Im Durchschnitt sind die Club-Gäste 44 Jahre alt und auf alle Berufsgruppen verstreut: vom Staplerfahrer bis zum Anwalt. Nicht alle konsumieren nur zum Spaß. Etwas abseits und ruhig sitzt ein Mitglied in Trekkingklamotten. „Ich bin ADHS-Patient, vor 13 Jahren habe ich meinen Alkoholkonsum komplett eingestellt. Gras ist für mich die bessere Alternative, es macht mich relaxter, es hilft meiner mentalen Gesundheit“, sagt er und hofft, nicht mehr in die kriminelle Ecke gedrängt zu werden.

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