Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Cannabis-Club: Große Erwartungen an die erste Ernte

Die wohl größte Hanfplantage in Baden-Württemberg: Bei der „Grünen Liebe“ in einem Gewerbegebiet in Mannheim wachsen nun über 20
Die wohl größte Hanfplantage in Baden-Württemberg: Bei der »Grünen Liebe« in einem Gewerbegebiet in Mannheim wachsen nun über 200 Graspflanzen heran.

Es dürfte die größte legale Hanfplantage Baden-Württembergs sein. Nach langer Wartezeit wachsen jetzt in Mannheim mehr als 300 Pflanzen heran. Bald ist Erntezeit.

Der Mannheimer Cannabis-Club „Grüne Liebe“ ist der erste Anbau-Verein im ganzen Bundesland, der mit der Marihuana-Zucht loslegen kann. In zwei Monaten soll die erste Ernte mit bis zu 20 Kilo „Weed“ eingefahren werden.

Es hat ein wenig was von der Kultserie „Breaking Bad“. Nur dass kein hartes, illegales Crystal Meth produziert wird, sondern ganz legales THC. Im weißen Schutzanzug streift ein Vereinsmitglied durch das satte Grün und zupft hier und da ein gezacktes, fingerförmiges Blatt ab. Im sogenannten Grow-Room finden 216 buschige Gras-Pflänzchen beste Bedingungen vor. Mit künstlichem Licht werden die Jahreszeiten simuliert, auf mineralischen Dünger und ausreichende CO2-Versorgung geachtet, ständig Messungen der Feuchtigkeit und Temperatur vorgenommen.

In gut acht Wochen könnten so die ersten Blüten – die „Buds“ - geerntet werden, erklärt der Grasgärtner voller Leidenschaft. Und auch Matthias Caroli wirkt erleichtert. „Wir sind die Ersten“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Lizenz zum Anbau erhalten

Nachdem im April 2024 die Teillegalisierung für den Cannabiskonsum erfolgte, erhielt die „Grüne Liebe“ ein paar Monate später die Lizenz zum Anbau. Doch loslegen durften die Pioniere noch lange nicht. Es folgte eine langwierige Nutzungsänderung für die Räume im Gewerbegebiet. Hinzu kamen Sicherheitsvorgaben, die mit dem Mannheimer Polizeipräsidium und sogar mit dem Landeskriminalamt abgesprochen werden mussten.

Die erste Ernte steht kurz bevor.
Die erste Ernte steht kurz bevor.

Nun gibt es seit ein paar Wochen grünes Licht. Oder besser gesagt: es strahlen viele grelle Lampen. 100.000 Euro wurden in die Hightech-Anlage investiert. In kleinen Zuchtzelten wachsen Mutterpflanzen und Stecklinge für die kommenden alle drei Monate geplanten Ernten heran. Um eine Geruchsbelästigung in der Nachbarschaft zu vermeiden, solle noch ein Ozongenerator installiert werden. „Es wird nur gereinigte Luft nach draußen strömen“, verspricht Caroli. Hinweisschilder auf dem Grundstück weisen zudem darauf hin, dass der Cannabis-Konsum vor Ort verboten ist.

Nicht zum Konsum verführen

Caroli ist auch der Sucht- und Präventionsbeauftragter des Vereins und wolle diese Rolle sehr ernst nehmen. „Wenn jemand spürbar Probleme mit dem Konsum hat, setze ich mich mit dem Drogenverein im Verbindung“, erklärt er. Schon einmal gekifft, also THC konsumiert zu haben, ist quasi Voraussetzung für die Club-Mitgliedschaft. „Zum Konsum zu verführen, ist überhaupt nicht unsere Intention. Wir wollen denen das Angebot bieten, die ohnehin rauchen und auf dem Schwarzmarkt vielleicht gestrecktes Zeug erhalten, das gesundheitsschädlich ist“, betont er.

Künstliches Licht für eine natürliche Pflanze: Beim Cannabis-Club „Grüne Liebe Rhein-Neckar" werden auch Mutterpflanzen für die
Künstliches Licht für eine natürliche Pflanze: Beim Cannabis-Club »Grüne Liebe Rhein-Neckar« werden auch Mutterpflanzen für die kommenden Ernten gezüchtet.

300 Mitglieder, vom Stapelfahrer bis zum Anwalt, zähle man aktuell. Die Spanne reiche von 21-jährigen, dem Mindestalter, bis hin zum 81-jährigen Konsumenten. Auch die Beitragszahler des Vereins mussten sich lange in Geduld üben. Nach der Anbaugenehmigung folgte die Nutzungsänderung, die über ein halbes Jahr dauerte.

Dürfen keine Gewinne erwirtschaften

Für Caroli die größte Hürde, an der viele Clubs scheitern. „Es ist ein Teufelskreis: der Schwarzmarkt findet in den Zentren, in den Unterführungen, aber auch auf Schulhöfen und Spielplätzen statt. Unser Auftrag ist, diesen zu bekämpfen, aber wir werden nach außen verdrängt, schließlich darf im Umkreis von 200 Metern zu einer Kinder- und Jugendeinrichtung kein Anbau-Verein sein“, erklärt er.

Da bliebe aufgrund der Anzahl an Spielplätzen, Kitas und Schulen nur das Gewerbegebiet. „Doch dort sind bei einer Nutzungsänderung nur Unternehmen zugelassen, die gewinnorientiert handeln. Als Verein dürfen wir aber gar keine Gewinne erwirtschaften. Wir hatten unsagbares Glück, dass es bei uns in der Nähe einen Hundeverein gibt, für den diese Vorgabe gelockert wurde. Sonst hat man als Anbau-Verein keine Chance“, betont Caroli, der auch im Vorstand des Landes-Dachverbands der Cannabis Social Clubs ist.

Über die Hälfte der CSBs hätten vor oder während des Antragsverfahrens aufgegeben. Je nach Bundesland würden die Behörden die gesetzlichen Vorgaben ganz anders auslegen. In kostspielige Schutztüren musste die „Grüne Liebe“ investieren, in die Sicherheitsvorkehrungen für Alarmsystem und Co. seien nochmals 50.000 Euro geflossen. So aber hat Caroli nun ein gutes Gefühl – und ohnehin ist bei der „Grünen Liebe“ nun ein Glücksgefühl eingekehrt.

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