Ludwigshafen
Bundesweiter Warntag: Smartphone-Warn-Apps streiken
Pünktlich um 11 Uhr begannen 65 Sirenen in Mannheim und 34 in Ludwigshafen zu heulen. Parallel dazu ging die Probewarnung über das Modulare Warnsystem an Nachrichtenagenturen, Rundfunksender und alle angeschlossenen App-Server. Über die kostenlosen Warn-Apps Nina und Katwarn wurde der Alarm direkt auf die Smartphones der Bürger versendet. Zumindest auf baden-württembergischer Seite jedoch klemmte das System offenbar. Über die Warn-App Nina tauchte der Alarm erst mit rund 30-minütiger Verspätung auf den Smartphones auf.
„Nina funktioniert gut. Nur heute nicht“, machte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei der Präsentation im Mannheimer Hafen keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. „Wir müssen dem auf den Grund gehen. Schon deshalb war die Übung heute sinnvoll“, stellte Strobl an diesem Beispiel gleich eine wesentliche Funktion des Warntags fest. Nämlich alle eingesetzten technischen Systeme auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen. Wie dann bekannt wurde, hat offenbar auch die Warn-App Katwarn nicht korrekt funktioniert, sondern den Alarm erst mit zeitlicher Verzögerung ausgelöst.
Vorbild Metropolregion
Dass sich die Initiatoren des bundesweiten Warntags vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zur öffentlichkeitswirksamen Präsentation ausgerechnet ein Mannheimer Hafengelände mit Blick auf die gegenüberliegende BASF ausgesucht hatten, hat einen naheliegenden Grund. Die beiden Städte gelten als vorbildliches Beispiel für länderübergreifende Zusammenarbeit. So blicken Feuerwehren, Rettungsdienste und Katastrophenschutz im Herzen der Metropolregion Rhein-Neckar bereits auf eine jahrzehntelange enge Zusammenarbeit zurück, wie sich zuletzt bei dem Explosionsunglück in der BASF 2016 wieder einmal gezeigt hat.
Während das BASF-Werk das größte zusammenhängende Industrieareal in Rheinland-Pfalz darstellt, konzentrieren sich in Mannheim, so heißt es, 20 Prozent aller Störfallbetriebe in Baden-Württemberg. „Ich bin dankbar, dass wir heute am Warntag zeigen können, wie eng die Schwesterstädte hier verbunden sind. Wie die Pandemie jetzt gezeigt hat, gibt es immer neue Herausforderungen. Wir müssen und wollen eng zusammenarbeiten“, betonte Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) im Einklang mit Mannheims Bürgermeister für Sicherheit und Ordnung, Christian Specht (CDU).
Immer mehr Gefahren
Wesentlich sei, dass sich auch die Menschen, die Akteure kennenlernten, ergänzte Specht mit Blick auf reichlich vor Ort vertretene Feuerwehr aus beiden Städten. Wie Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) betonte, gebe es mittlerweile wachsende Gefahrensituationen für die Bevölkerung durch Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels oder auch Terrorlagen wie etwa in Paris. „Manchmal haben wir vielleicht nur ein paar Minuten“, sagte Unger. „Doch wie kommen wir an die Leute ran?“ fragte er.
Das Sirenennetz werde als Warnsystem gebraucht. Doch Sirenen allein seien zu wenig. Heute würden alle vorhandenen Medien, Radio, TV und Internet genutzt, um die Menschen zu informieren. Zumindest mit den Warn-Apps hatte das an diesem Tag nicht geklappt. „Wir hoffen, dass wir die Defizite beim nächsten Warntag abgestellt haben“, stellte Unger Besserung in Aussicht. Ein bundesweiter Warntag soll künftig an jedem zweiten Donnerstag im September stattfinden.