Gewichtheben RHEINPFALZ Plus Artikel Bundesliga: AC Mutterstadt und das schwierige Derby

Kommt immer wieder gern nach Mutterstadt: Björn Hertrampf.
Kommt immer wieder gern nach Mutterstadt: Björn Hertrampf.

Das Ziel heißt Bundesligafinale. Der AC Mutterstadt muss dafür noch einige Hürden überspringen. Das Pfalzderby gegen dem KSV Grünstadt hat seine ganz eigene Historie.

In der vergangenen Saison hat die Staffel des AC 1892 Mutterstadt im Pfalzderby beim KSV Grünstadt überraschend verloren. Als aktueller Spitzenreiter der Gewichtheber-Bundesliga und Anwärter auf den Finalkampf kann sich der zwölfmalige deutsche Mannschaftsmeister am Samstagabend zu Hause (19 Uhr) keine zweite Pleite erlauben. Haushoher Favorit ist der ACM gegen das noch sieglose Schlusslicht jedoch nicht.

Das hängt damit zusammen, dass die für eine Einbürgerung vorgesehene Iranerin Yekta Jamali immer noch nicht über einen deutschen Pass verfügt. „Der Prozess ist beendet. Alle Unterlagen sind in Berlin zur finalen Bearbeitung. Die Einbürgerung ist erst vor Ort, wenn Pass und alle Dokumente aus Berlin vorliegen. Das ist sehr ärgerlich für uns, weil wir Yekta gegen Grünstadt gut gebrauchen könnten“, schildert der Sportliche Leiter Stefan Mohr die aus AC-Sicht unzufriedene Situation. So fehlt mit der 21-jährigen WM-Achten eine wichtige Athletin gegen nicht zu unterschätzende Grünstadter.

Topheber gefordert

Umso wichtiger ist, dass die zuletzt in Kiel auftrumpfenden ausländischen Topheber Hristo Hristov (180 Kp) und Piotr Kudlaszyk (167) wieder auf der Bühne stehen. Bei der 674:707-Niederlage gegen die Mannschaft um die ehemaligen AC-Heberinnen Sarah Davies, damals eifrigste Punktesammlerin mit 145 Relativpunkten, sowie Lara Dancz verlief der Wettkampf besonders für den Bulgaren Hristov sehr unglücklich. Verletzungsbedingt hatte der Weltklasseheber auf seine beiden letzten Stoßversuche verzichtet und war mit 112 Relativpunkten weit unter seinen Möglichkeiten geblieben. Das soll dem ehemaligen Europameister kein zweites Mal passieren. Relativbester AC-Heber in diesem Wettkampf war Max Lang (133 Kp). Der ehemalige Kapitän steht aber nicht zur Verfügung. Neben Hristov und dem Polen Kudlaszyk sollen Jacky Nygaard, Marie Scherer, Nina Schroth, Amelie Breuer und Routinier Björn Hertrampf für den vierten Saisonsieg sorgen.

Besonders für den 43-jährigen Hertrampf haben die Bundesligakämpfe in Mutterstadt immer einen besonderen Reiz. Aus Irsee bei Kaufbeuren im Allgäu reist der Gewichtheber-Senior voller Vorfreude mit dem Auto an. „Dem ,alten Sack’ geht es hervorragend. Training läuft, Trainingsgewichte sind hoch und stemmbar. Auch wenn es im Alter schon mal zwicken darf“, verrät Hertrampf. Der AC Mutterstadt ist für den mehrfachen Europa- und Weltmeister der Masters eine Herzensangelegenheit: „Ich bin über jeden Einsatz froh, wenn ich gebraucht werde und den Jungen bei Bedarf helfen kann. Das geht natürlich nicht bei jedem Wettkampf. Aber beim Stoßen im Tandem mit Amelie auszuhelfen, das passt immer.“

Der Dauerbrenner

Gegen Grünstadt geht es für den amtierenden Europameister der M40-M44-Klasse auch um die Norm und die Leistung für anstehende Meisterschaften in Athen. „Ich bräuchte und müsste die DM und EM-Norm in der -88 kg Klasse demnächst erreichen. Da mache ich mir aber keinen Stress. Zur Not gehe ich bei der DM und EM in die -94 Klasse. Die Norm für die EM liegt beispielsweise bei 198 kg im Zweikampf. Wenn ich morgen außer Konkurrenz im Reißen antrete, werde ich gegebenenfalls nur ein Versuch machen und mich dann vollkommen auf das Stoßen konzentrieren. Der Mannschaftserfolg gegen Grünstadt ist in diesem Falle wichtiger als meine persönliche Leistung“, hofft Hertrampf auf einen Heimsieg. In der aktuellen Situation wäre ein 3:0-Erfolg im Hinblick auf die nächsten Kämpfe wichtig. „Wir wissen nicht, wie unsere Athleten aus der Winterpause kommen. Besonders im Reißen könnte es gegen Grünstadt mit ihren starken Frauen eng werden. Da müssen wir auch mit Unterstützung unseres treuen Publikums dagegenhalten. Wir lassen uns von der Grünstadter Tabellensituation nicht blenden“, erwartet Sportchef Mohr ein spannendes Derby.

Insgeheim hofft Björn Hertrampf, der 2022 aus Karlsruhe-Durlach in die Pfalz kam, auf einen ACM-Finaleinzug wie vor zwei Jahren. „Wenn wir genug Punkte gegen Speyer, Obrigheim und Chemnitz holen, dann sind wir wieder dabei. Das ist nicht unmöglich, weil wir alle zum großen Finale nach Hannover wollen“, sagt Hertrampf. Das Karriereende in der Bundesliga ist in seinem Alter immer wieder ein Kopfthema. Er glaubt, dass der AC über einen sehr starken, verjüngten Kader verfügt. Da können sich Nina Schroth und er ab nächster Saison aus der Bundesligamannschaft zurückziehen. Für die Nachfolge sei gesorgt. Vom Gewichtheben will er sich nicht so schnell zurückziehen.

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