Ludwigshafen
BUND kritisiert Ludwigshafener Hochstraßenpolitik
„Für den Autoverkehr spielt Geld offensichtlich keine Rolle. Hunderte von Millionen Euro sollen für die Hochstraßen ausgegeben werden. Was könnte man mit diesen Unsummen Gutes für den öffentlichen Verkehr tun“, so Carl weiter. „Die Zeit, die zum Abriss der Hochstraßen nötig ist, sollte zur Aufstellung eines zukunftsfähigen Verkehrskonzepts genutzt werden. Geld ist ja offensichtlich vorhanden. Für die beiden Straßenneubauten und den Neubau des Rathauses wird mit rund einer Milliarde Euro gerechnet.“
Carl: Angebot im Nahverkehr verbessern
Nach Ansicht des BUND-Funktionärs sollte „zumindest ein Teil dieses Geldes für Verbesserungen“ beim öffentlichen Nahverkehr verwendet werden. Außerdem sei zumindest die Frage erlaubt, ob Sanierungen in vielen Fällen nicht billiger wären als Ersatzbauten. In vielen Fällen würden Kalkulationen auf Neubau „getrimmt“.
„Keine richtungsweisenden Beschlüsse fassen“
Daher fordert der BUND, dass in der Sondersitzung des Stadtrats am 21. September keine richtungsweisenden Beschlüsse gefasst werden sollten, bevor nicht ein Mobilitätskonzept vorliege. Ein zukunftsfähiges Konzept, bei dem selbstverständlich auch die Interessen der BASF und der Nachbarstadt Mannheim berücksichtigt werden müssten, wäre nicht nur deutlich kostengünstiger, sondern auch schneller durchführbar und bei guter Planung und Ausführung genauso leistungsfähig. Diese Planung biete sich gerade jetzt an, da durch die Sperrung der unter der Hochstraße hindurchführenden Straßen und Straßenbahnlinien ohnehin eine Verstärkung des öffentlichen Verkehrs notwendig geworden sei und erste Erfahrungen vorliegen dürften.
„Auch ans Umland denken“
„Aus der Tatsache, dass das ganz große Verkehrschaos in Ludwigshafen bisher ausgeblieben ist, schließen wir, dass es grundsätzlich denkbar ist, die Hochstraßen mittels öffentlichem Verkehr zu ersetzen“, ergänzt Carl. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten verfüge Ludwigshafen noch über ein Straßenbahnnetz und sei sehr gut ins Netz der S-Bahn Rhein-Neckar eingebunden.
Da Stadtverkehr überwiegend durch Ziel- und Quellverkehr entstehe, sei auch an ÖPNV-Verbindungen aus dem Umland zu denken. Diese müssten erheblich ausgeweitet werden. Da die Hochstraßen täglich mehrere Zehntausend Fahrzeuge aufnähmen, beziehungsweise aufgenommen hätten, seien im gleichen Ausmaß Regionalbahnen, S-Bahnen, Straßenbahnen und Busse einzusetzen. Dazu gehöre auch die Reaktivierung und der Neubau von Straßenbahnlinien.
Radikale Änderung der Verkehrspolitik
Der BUND bezweifle nicht, dass seine Vorschläge eine radikale Änderung der Verkehrspolitik in und um Ludwigshafen bedeuteten. Aber die Verkehrswende werde genau diesen Verlauf nehmen müssen, wenn sie wirklich klimafreundlich sein wolle. Der Wegfall der Hochstraßen biete außerdem die Möglichkeit, die Innenstadt von Ludwigshafen neu zu gestalten und die Lebensqualität deutlich zu erhöhen.