Ludwigshafen Briefe an die Lokalredaktion:

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Zwei Dinge liebe ich als Ruheständler über alle Maßen: Zum Morgenkaffee in aller Ruhe die RHEINPFALZ lesen, das regt die grauen Zellen an, manchmal auch auf, und als Ausgleich zur gesunden Entspannung mindestens einmal pro Woche die Sauna im „Aquabella“ in Mutterstadt aufsuchen. Bisher wurde ich für beides sogar noch finanziell belohnt, denn als Inhaber der RHEINPFALZ-Karte erhielt man beim Erwerb einer 10er-Karte eine Eintrittskarte zusätzlich. Die Vergangenheitsform ist in diesem Fall kein Versehen, denn neuerdings gilt dies nicht mehr. Und nun kommen die Sorgfalt beziehungsweise die Erinnerung ins Spiel. Denn bereits letztes Jahr erinnerte sich das Finanzministerium an die Steuergerechtigkeit, zweifellos ein hohes Gut, und kam sofort seiner Sorgfaltspflicht nach. Fortan galten Saunabesuche nicht mehr als Gesundheitsfürsorge, sondern als Wellness. Die unmittelbare Folge war ein Preisanstieg beim Eintritt um sieben Prozent! Solch kompromissloses Handeln im Dienste der Gerechtigkeit wünscht sich der brave Bürger von seinen Behörden durchaus, der morgendliche Blick in die RHEINPFALZ lässt da aber schon Zweifel aufkommen. Als wäre das innerhalb eines Jahres nicht schon genug, erinnerte sich nun plötzlich die Kreisverwaltung daran, dass die Kreisbäder ja eigentlich Zuschussbetriebe sind und kommt nun stracks ihrer Sorgfaltspflicht nach. Sie dürfen raten: Jawohl, man schafft erst mal den oben genannten Bonus für die Sauna ab, um gleichzeitig einen für den Besuch des Schwimmbades zu gewähren, dafür kann und muss man nicht unbedingt Verständnis aufbringen! Zu den Wahrzeichen von Ludwigshafen – stehende Rolltreppe im Bahnhof Mitte – gibt es seit fünf Wochen auch einen stehenden Aufzug. „Die Bahn macht mobil.“ Sie zwingt ihre Fahrgäste auf die Treppe. Was hat die Deutsche Bahn gegen alte und behinderte Menschen? Als sogenannte DDR-Flüchtlinge im Jahr 1953 waren wir fünf Personen, Eltern mit drei Kindern, zwei Jahre im Lager. Ich war damals neun Jahre alt. Im ersten Lager mussten wir uns das Zimmer mit einer Familie teilen. Ein Jahr später kamen wir nach Neu-Ulm. Dort mussten wir uns den Raum (Größe eines Klassenzimmers) mit fünf Familien teilen. Mit Decken abgehängt, Stockbetten, die Toiletten 30 Meter weiter. Einmal die Woche konnten wir duschen. Kochplatten standen auf dem Flur. Bettgestelle waren mit Strohsäcken versehen. Es gab einen Kohleofen. Es gab kein Jammern und Klagen. Im dritten Lager hatten wir ein Zimmer für uns alleine. Wir waren glücklich. Nach zwei Jahren bekamen wir eine Wohnung. Am Sonntag, 7. August, war ein wunderschöner Sommertag. Wir fuhren mit dem Rad durch Ludwigshafen. Zum Abschluss wollten wir im Turmrestaurant zu Abend essen. Punkt 17 Uhr trafen wir an der Konzertmuschel ein, wo gerade eine Veranstaltung zu Ende ging. Gut gelaunt gingen wir auf die Terrasse. „Tut mir leid, wir schließen um 17 Uhr!“ Wir konnten es nicht glauben. Kommentar unseres Besuches aus Magdeburg: „Das hatten wir vor 30 Jahren auch!“

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