Ludwigshafen Briefe an die Lokalredaktion:

Seit es diese Serie gibt, bin ich ein eifriger Leser dieser Rubrik. Vieles spricht mir aus dem Herzen und zeigt doch, Redakteure sind auch nur Menschen. Steffen Gierescher hat mit seiner bedeutenden Zahl 7 den Vogel abgeschossen. Die Recherche allein ist schon bewundernswert. Gefreut hat mich aber, dass er zum Glück nicht erwähnt hat, sieben Bayern waren im Endspiel der WM dabei. Hoppla! Was war denn das? Nach dem Festival nahm ich nochmal das Programmheft zur Hand, um es nach irgendeinem mir nicht eingeleuchteten Hintersinn dieser „Odyssee“ der Theatergruppe Titanick zu durchforsten – leider vergeblich. Die dort angekündigten „atemberaubenden Spezialeffekte“ kann ich allerdings bestätigen: Angesichts der Windmaschinen und Spezialeffekte fiel im Publikum nicht nur mir zeitweise das Atmen schwer. Der Atem geriet zunehmend ins Stocken, als ich im weiteren Verlauf dieses Theaterstückes (kann und möchte ich dies eigentlich so nennen?) immer mehr Blutströme fließen sah, gefolgt von einem Haufen Dreck, Lärm und Gestank. Einige Leute um mich herum hielten sich irgendwann die Ohren zu, und nicht wenige ergriffen regelrecht die Flucht. Doch damit nicht genug: Es waren auch Szenen von Gewalt über Vergewaltigung bis hin zu nackt über den Ludwigshafener Rathausplatz wackelnden Darstellern zu sehen. Und genau dieses Spektakel wurde auch von zahlreichen Kinderaugen verfolgt … Was hat sich der Veranstalter nur dabei gedacht, dass diese noch so gepriesene Show auch Ludwigshafen beehren – oder vielleicht treffender gesagt beschmuddeln – soll? Das war also im Programmheft mit den „unvergesslichen Bildern voller Kraft und Poesie“ gemeint? Panem et circenses – Zucker, Brot und Peitsche fürs Volk! Ich finde es doch sehr bedenklich, dass man auf ein und derselben Veranstaltung tiefgründige und rührende Beiträge wie „Sómente“ oder liebevolle Kuscheleinheiten wie „Les Dédés“ erleben kann und im Anschluss daran abends mit einem so gewalt(tät)igen Schmarrn konfrontiert wird! Bei den für mich unverständlichen Standing Ovations nach der Show habe ich mich fast geschämt, dass ich keinen Sitzplatz mehr ergattert hatte und bereits stand. Schade für Ludwigshafen! Schade für eine als „weltweit führend“ gepriesene Straßentheatergruppe, die vor einem Jahrzehnt bereits in Ludwigshafen gastiert hatte! Ob ihr Programm mich damals schon zu einem Leserbrief bewogen hätte, kann ich nicht beurteilen. Nach dem, was ich heute gesehen habe, bedauere ich es allerdings nicht, dass mir das damals entgangen ist. Ich war am Wochenende auf dem Straßentheaterfestival. Die Veranstaltungen sind immer sehr toll. Was ich vermisst habe, war, dass es nichts zu essen beziehungsweise zu trinken gab. Am Ludwigsplatz war das Europahotel clever – da wurden über die Straße Bier und Weinschorle verkauft. (…) Voller Vorfreude habe ich mich – wie in den vergangenen Jahren – auf den weiten Weg nach Ludwigshafen begeben, um mich von Artisten und Schauspielern verzaubern zu lassen. Mit vielen Tausend anderen Besuchern habe ich begeistert großartige professionelle Künstler bestaunt und mich von tollen Bildern emotional berühren lassen. Welch ein Trugschluss, wie ich am Sonnabend in der örtlichen Presse lesen musste. Ihr Reporter hat mir die furchtbare Wahrheit vor Augen geführt, wie sich so viele Menschen haben täuschen lassen. Mit der sprachlichen Brillanz und kraftvollen Poesie eines automatischen Übersetzungsprogramms für südostasiatische technische Betriebsanleitungen wurde mir klargemacht wie nüchtern, empathie- und emotionsfrei dieses Straßentheaterfestival zu sehen ist. Glänzende Kinderaugen, herzliches Lachen, ungläubiges Staunen, tiefe Betroffenheit sowie Nachdenklichkeit – alles nur meine Einbildung! Ich muss krank sein! Nachdem es mir aber am Sonnabend wieder so vorzüglich gefallen hat (ja, ich habe es nochmal getan!), akzeptiere ich meine so weltfremde begeisterte Sicht auf diese tolle Straßentheaterkunst und komme im nächsten Jahr wieder. Es ist ja schön, wenn sich einige Traktorenfreunde treffen und ihre Fahrzeuge gegenseitig bewundern. Aber sie sollten es so tun, dass andere Menschen damit nicht belästigt werden. Sie drehen den ganzen Tag lang in einer unzumutbaren Lautstärke ihre Runden direkt durchs Wohngebiet. Da liegen abends die Nerven blank. Mit der Bemerkung, dass die Fahrer selbst Kopfhörer als Lärmschutz tragen. Und das am Sonntag, wo sich jeder von der Arbeitswoche erholen sollte. Warum benutzen die Traktorfahrer denn nicht die Umgehungsstraße? Zur Ausstellung an der Sommerfesthalle kann dann jeder hinkommen, der dafür Interesse hat. Meine Begeisterung für diese Krachmacher ist nach so einem Tag jedenfalls für lange Zeit auf Eis gelegt. Dass die Baustelle in der Lagerhausstraße dringend notwendig war, steht außer Frage. Aber so mancher Bewohner der Scharnhorststraße war sehr verwundert, als in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Fahrt über die Beethovenstraße (an der Polizei), zu der man in sein Heim gelangt, gesperrt wurde (sie wurde zur Einbahnstraße). Die Begründung des Ordnungsamts war, dass zu viele Autofahrer auf die Beethovenstraße ausgewichen waren. Meine Frage, wie ich denn in meine Straße gelangen soll und ob ich mich in den Stau in der Wittelsbachstraße stellen muss, wurde bejaht. Das ist für die Bewohner unverständlich, da man ja den Verkehr entlasten wollte. Besucher und Anwohner müssen nun diese Straße großräumig umfahren. Viele Autofahrer sind völlig irritiert über die Schilder und wenden und müssen sich fragen, wie sie zu ihrem Ziel gelangen – und das bis 2015! Bleibt nur zu hoffen, dass sich keine Anwohner der Schießhausstraße wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens beschweren. Dann müssten wir fliegen lernen oder nur noch nach Speyer fahren. Als neutraler, überparteilicher Zuhörer war mir vergönnt mitzuverfolgen, wie ehrlich, transparent und konziliant die Mandatsträger und Verwaltung miteinander umgegangen sind. Trotz aller im Vorfeld der Legislatur und noch davor bekundeten Beschwörungen, das Klima der vertrauensvollen Zusammenarbeit zu verbessern, habe ich den Eindruck, zumindest was diesen Abend angeht, dass der Ehrgeiz in Richtung Konsensbereitschaft von beiden Seiten sehr zu wünschen übrig lässt. Die zwei zu behandelnden Dauerthemen waren: 1. Korrekte Abwicklung des Garantievertrages zur Sparkassenfusion. 2. Akteneinsicht in das Kreditmanagement 47. Zu 1. Die UWG und AfD einerseits und die Bürgermeisterin andererseits waren in der Interpretation der Verträge völlig konträr. Die Anspielung auf den Tatbestand der arglistigen Täuschung stand im Raum – der Paragraf 123 BGB könnte zur Anwendung kommen, wurde erwähnt. Herr Dr. Magin hatte die ihm vorliegenden Beweisunterlagen zur Einsichtnahme angeboten. Darauf reagierte die Bürgermeisterin sehr kurios, denn sie hat einen gut dotierten Sitz im Aufsichtsrat der Sparkasse Vorderpfalz. Sie ist zur Kontrolle des Vorstandes verpflichtet und hat somit auch das Recht und die Pflicht, für sich beim Vorstand als Bürgermeisterin die entsprechenden Unterlagen zur Einsichtnahme anzufordern. Es mutet merkwürdig an, warum sie dieser Aufforderung nicht nachkommt, sondern Herrn Dr. Magin bittet, ihr seine Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Laut Herrn Dr. Magin sei dies wegen Informantenschutz nicht möglich. (…) Zu 2. „Hurra, die Akten sind wieder da.“ Frage: Wo waren sie denn? War ein Geheimdienst am Werk? Die Kreditakten 47 sind laut Verwaltung nach langer Verschollenheit plötzlich und unerwartet wieder zur Verwaltung zurückgekehrt. Die Akten befanden sich auch nicht beim Verwaltungsgericht in Neustadt. (…) Ein sehr skurriler Vorgang; ob zwischenzeitlich eine Selektion stattfand, wird sich in naher Zukunft aus der Einsichtnahme ergeben. Die kriminalistischen Bedingungen der Akteneinsicht, so die Bürgermeisterin, sind sehr streng. Sie hat darum gebeten, ohne Spionageausrichtung und nur in Begleitung eines Bodyguards aus der Verwaltung Einblick zu nehmen – Schreibzeug ist erlaubt. Vielleicht werden Interessenten der Fraktionen vorher auch noch gescannt? Durch die an Verzweiflung grenzende Frage eines CDU-Vertreters „Was stimmt denn nun?“ mussten sich die Zuhörer wie in einem Spionagefilm vorgekommen sein. In diesem Zusammenhang wäre zu wünschen, dass die größte Fraktion sich in Zukunft den Realitäten auch stellt und pro Schifferstadt stimmt. Was einer weiteren Erklärung bedarf, ist die Tatsache, dass Rechtsanwalt Schermer – seit Jahren Hausadvokat der Stadt in Person, Berater und Überprüfer der Jahresberichte der Ratenzahlungen der Stadt an die Sparkasse Vorderpfalz – nun auch noch als Gutachter seiner eigenen Verantwortlichkeit verpflichtet wurde! (…) Fazit: Vor dem Hintergrund eines riesigen Schuldenberges von über 30 Millionen Euro (…) sollten bei der Abwicklung der bankrotten Sparkasse Frau Volk und die wieder in kommunale Verantwortung gekommenen Mandatsträger gemeinsam und parteiübergreifend handeln. Es geht immerhin um 460.000 Euro. (…) Die Stadt kann dabei nur gewinnen, denn sie hat nichts mehr zu verlieren. Deshalb meine Bitte: Rettet, was noch zu retten ist. (…) Ich bin seit vielen Jahren RHEINPFALZ-Abonnent und seit zwei Monaten neuer Wirt des „Fuchsbaus“ in Schifferstadt, der dieses Jahr seit Langem wieder einmal an „Swinging Schifferstadt“ teilgenommen hat. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ich mich über Ihren Artikel zu diesem Event doch sehr geärgert habe. Da wird über die meisten Gruppen und Lokale jeweils in einem ganzen Abschnitt berichtet, für den Fuchsbau und das Lokal Pfeffer und Salz ist jedoch nur noch ein Halbsatz übrig geblieben. Nun ja, das mag stilistisch so gepasst haben. Wie Sie allerdings über die Darbietung der einzigen ortsansässigen Band New Collision berichten, ist meines Erachtens mehr als unfair. Vor allem die Bemerkung, NC sorgte zu sechst für Stimmung, ist nicht akzeptabel und völlig unangemessen. Hier wurde keine Halli-Galli oder Stimmungsmusik dargeboten. Mit ihrem Acoustic-Programm bieten NC seriöse Musik aus fünf Jahrzehnten mit vierstimmigen Choreinlagen, die so nicht allzu oft bei solchen Veranstaltungen zu hören sind. Dies haben auch viele unserer Besucher an diesem Abend auch ausdrücklich bestätigt. Aber vielleicht war ja Ihr Berichterstatter gar nicht bis zum Fuchsbau durchgekommen, weil so viele Leute davor standen. (…)