Ludwigshafen Brezel-Begeisterung und EM-Fieber
Als Gastschüler die Welt entdecken, andere Kulturen kennenlernen und neue Sprachen lernen: Was für viele nur ein Traum ist, ist für Jenny Chang aus Pasadena, Kalifornien, seit drei Wochen Realität. Die 29-Jährige lebt in einer Ludwigshafener Gastfamilie und macht ein Praktikum in der Stadtbibliothek.
Die Idee, für einen Austausch nach Deutschland zu gehen, kam Jenny Chang vor drei Jahren bei einer Australienreise. „Ich habe dort so viele nette Deutsche getroffen.“ Zurück in Pasadena, einer Stadt mit knapp 140.000 Einwohnern in der Nähe von Los Angeles, paukt Jenny Vokabeln und tritt dem „German Culture Club“ (Deutscher Kulturverein) bei. Die Vorsitzende erfährt von ihrem Wunsch, nach Deutschland zu gehen, und empfiehlt Jenny, an das „Pasadena sister city commitee“ (Pasadenas Partnerstadtkomitee) zu schreiben, das amerikanische Pendant des Freundeskreises Ludwigshafen-Pasadena. Ende Juni war es dann endlich soweit: Die 29-Jährige stieg in den Flieger nach Europa. „Seit ich hier bin, lerne ich jeden Tag neue Wörter“, berichtet sie begeistert. In der ersten Woche besuchte Jenny einen Sprachkurs, inzwischen macht sie ein Praktikum in der Stadtbibliothek. „Deutschlernen ist zwar echt schwer, aber es macht mir viel Spaß. Ich mache auch jeden Tag Hausaufgaben“, sagt sie stolz und lächelt. Sechs Gastfamilien werden Jenny je eine Woche lang aufnehmen, „dann ist die Belastung für die einzelne Familie nicht so hoch, und es ist auch nicht schlimm, wenn es doch mal nicht passen sollte“, erklärt Stephan Reinhard, Vorsitzender des Freundeskreises. Er ist begeistert von dem amerikanischen Gast. Fragt man Jenny, was ihr in ihrer neuen Heimat auf Zeit am besten gefällt, fangen ihre Augen an zu leuchten. „Ich finde es toll, dass in Ludwigshafen so viele verschiedene Nationalitäten zusammenleben. In Los Angeles leben beispielsweise kaum Türken, dafür aber viele Mexikaner.“ Außerdem könne man dort viel weniger Geschichte entdecken. Besonders beeindruckt ist Jenny auch von der Stimmung, die während der Europameisterschaft in der Stadt herrschte. „Ich habe mit meinen Gastgeschwistern ein paar Spiele gesehen, ich hatte sogar ein Trikot an und eine aufgemalte Flagge im Gesicht“, berichtet Jenny. Doch nicht nur die deutsche Mannschaft, sondern auch das landestypische Essen begeistert die Neu-Ludwigshafenerin: „Ich versuche, alles einmal zu probieren. Bisher haben mir Haxen und Weißwurst am besten geschmeckt, und die deutschen Brezeln! Die sind viel besser als das, was sie in Amerika ,Deutsche Brezeln’ nennen.“ Gastmutter Sibylle Lauth ist zufrieden mit ihrem Schützling. „Jenny gibt sich richtig Mühe mit der neuen Sprache, und es macht Spaß, etwas mit ihr zu unternehmen.“ Die Lehrerin war vor 20 Jahren selbst einmal als Austauschschülerin in Pasadena und pflegt noch heute Kontakte über den großen Teich. „Ich bin sehr dankbar, dass ich damals die Chance hatte, an diesem Austausch teilzunehmen. Aus diesem Grund nehmen auch wir seit knapp zehn Jahren Gäste aus Pasadena auf“, erklärt Lauth. „Gastfamilie sein ist eigentlich ganz leicht. Man muss offen sein und das Ganze auf sich zukommen lassen. Ein Austausch ist ein Geben und Nehmen“, sagt Lauth. Wichtig ist ihr vor allem eines: Dass die Heimkehrer einen positiven Eindruck von Deutschland und Europa erhalten.