Ludwigshafen
Boshafte Blechbläser: Premiere von „Merregnon: Heart of Ice“ im BASF-Feierabendhaus
Eiseskälte bedeckt das Land und spiegelt das kalte Herz von Zauberin Goyakai wider, die alle Bewohner von Merregnon in den Untergrund verbannt hat. Aber es gibt Hoffnung: Ein kleiner, pfiffiger Erfinder bastelt gerade an seiner neuesten Kreation – einem Holzroboterhund namens Kjugo, dessen verspieltes Wesen die boshafte und missgünstige Goyakai auf den Plan ruft. Sie entführt Erfinder Nuobi und leitet damit ein spannendes Abenteuer mit viel Dramatik und einem fulminanten Kampf um Menschlichkeit ein.
„Merregnon: Heart of Ice“ ist das erste orchestrale Konzertwerk von Nobuo Uematsu und basiert auf der Geschichte der Kinderbuchautorin und Erzählerin Frauke Angel, die am Abend höchstselbst vor Ort ist, um ihre Geschichte und auch die Uraufführung des sinfonischen Märchens durch die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zu begleiten.
Dunkle Klänge im eisigen Land
Den vier Hauptcharakteren der Geschichte ist je ein musikalisches Leitmotiv und eine Instrumentengruppe zugeordnet: Nuobi die Streicher, Goyakai die Blechbläser – „die nicht von Natur aus boshaft sind“, betont Dirigent Eckehard Stier augenzwinkernd – und dem Holzroboter Kjugo die, wie sollte es anders sein, Holzbläser. Kjugos hündische Begleiterin, die warmherzige Beru, wird durch das Schlagzeug vertreten.
Die Geschichte, die ein wenig an den Holzjungen Pinocchio erinnert, kommt beim jungen Publikum sehr gut an: andächtiges Lauschen auch der Kleinsten, geschlossene Augen bei Erwachsenen, ganz versunken in die Geschichte. Dunkle Orchesterklänge symbolisieren das eisige Merregnon, verspielte Geigen den kleinen Holzhund, das Perkussionsinstrument Marimba und die Pauke den Beagle Beru, der Gong die Machtquelle Goyakais. Und so stellen sich in einer letzten Schlacht das Schlagzeug und die Holzbläser den Blechbläsern entgegen. Musik und Erzählung wechseln sich harmonisch ab und unterstützen sich gegenseitig. Die einzelnen Situationen werden von der Musik emotional aufgeladen erzählt. Gerade in den fröhlichen, verspielten Momenten erinnert die Musik an die frühen Filme von Walt Disney – kein Wunder, ist doch Manga-Erfinder Osamu Tetsuka in Japan eine Legende mit eigenem Museum, die sich an Disney orientiert hat.
Odyssee mit Verfolgungsjagd
Bei der Vertonung des jahrzehntealten Rollenspiel-Klassikers „Final Fantasy – Concerto for Piano and Orchestra“ zucken bei so manchem im Publikum die Hände zur Musik, die abwechslungsreiche Auszüge aus den frühen Abenteuern eins bis sechs umfassen. Musik regt die Fantasie an, so auch hier. Nach einem kurzen Spannungsaufbau rutscht man gleich in eine actionreiche Situation hinein, ist danach im Fluss, später fröhlich-beschwingt. Bunte Landschaften tauchen vor dem inneren Auge auf, Figuren rennen über Stock und Stein, auf und ab, oder es wird ruhig und romantisch bis hin zum Melancholischen, Nachdenklichen, Schmerzlichen. Alles entweder mit bombastischem oder zartem Abschluss.
Premieren feiern auch die Kompositionen „Lost Odyssee“ (zum gleichnamigen Action-Rollenspiel) und „Fantasian“ (Fantasy-SF-Rollenspiel, Koproduktion des Final-Fantasy-Teams). „Lost Odyssee“ beginnt mit einem spannungsgeladenen Auftakt, der in gefährliche Situationen und Verfolgungsjagden mit Verstecken, Anschleichen und Flucht führt.
Zartes Ende mit dem blauen Drachen
Im Gegensatz dazu das entspannte Hauptthema von „Fantasian“: Musikalische Beschreibungen von Landschaften, das Erheben in die Lüfte, Genießen der Freiheit, mit fulminantem Abschluss. Die Musik „Waterside“ zum Action-Rollenspiel „Blue Dragon“ wurde ursprünglich als Klavierkomposition vertont, hier aber für das Streichorchester umgeschrieben – ohne Klavier. Vergeistigt – mit leichten Disharmonien, sehnsüchtig, nachdenklich, unterschwellig etwas angespannt, mit emotionsgeladenen Streichern – bietet es schließlich einen versöhnlichen und zarten Abschluss.