Mannheim
Boot gekentert: Große Übung auf dem Altrhein
Während der Sommerzeit sind auf dem Rhein und in den Altrheinarmen zahlreiche Motorboote, Segler, Ruderer, Paddler und andere Wassersportler unterwegs. Wenn etwas passiert und jemand Erste Hilfe braucht, sollen auch hier möglichst schnell Retter zur Stelle sein. Dafür haben am Sonntag in Mannheim mehrere Wassersportvereine zusammen mit der Wasserschutzpolizei, dem Rettungsdienst ASB sowie DLRG-Gruppen aus der Vorderpfalz eine großangelegte Sicherheitsübung absolviert.
Der Altrhein zwischen der Friesenheimer Insel und dem Stadtteil Luzenberg hat beste Bedingungen für die Übung geboten. Die mehrere hundert Meter breite Wasserfläche wirkt wie ein großer See. Bei strahlendem Sommerwetter ein idealer Schauplatz für die Übung mit verschiedenen geplanten Szenarien. „Vor zwei Jahren hat die Wasserschutzpolizei zusammen mit Vereinen mit Übungen auf dem Wasser begonnen. Etwas von diesem Ausmaß mit der Beteiligung gleich mehrerer Vereine haben wir aber noch nie gemacht. Aber es ist wichtig zu üben, denn es passiert immer etwas“, sagte Übungsleiter Florian Erfurth von der Mannheimer Wasserschutzpolizei.
Segelboot in Not
Mit von der Partie waren Mitglieder der Segler-Vereinigung Mannheim, von deren Vereinsheim im ehemaligen Raddampfer „Dordrecht“ an der Diffenébrücke die Übung gestartet und beobachtet wurde. Mit dabei waren Wassersportler vom Mannheimer Ruder-Club 1875 und Volkstümlicher Wassersport Mannheim mit Kanu- und Ruderabteilung. Erfurth erläuterte, dass es zwei Schauplätze geben sollte. In Strandnähe an der Friesenheimer Insel stehe ein Unfall mit dem Kentern eines Ruderboots auf dem Programm. An einer tieferen Stelle mitten auf dem Altrhein solle das Kentern eines Segelboots und die anschließende Wiederaufrichtung aus eigener Kraft trainiert werden.
Wie der 47-jährige Polizist ankündigte, gehörte zu den Aufgaben darüber hinaus das Bergen von Personen aus dem Wasser oder von Booten. Trainiert wurde zudem Erste Hilfe an nicht ansprechbaren oder verletzten Personen. Dies war eine Aufgabe für die DLRG. Dafür war Mit-Organisator Nils Hoecker von der DLRG Speyer mit insgesamt sechs Lebensrettern aus Speyer, Altrip und Landau nach Mannheim gekommen, im Gepäck die volle Ausrüstung samt hoch motorisiertem Einsatzschlauchboot.
Unterstützung aus der Pfalz
Seit einer gemeinsamen Übung am Otterstadter Kollersee im vergangenen Jahr gebe es guten Kontakt zur Mannheimer Wasserschutzpolizei. Die DLRG Mannheim habe dagegen abgesagt, berichtete Hoecker. Ebenfalls mit von der Partie: eine rund 20 Personen starke Truppe des Rettungsdienstes ASB mit Rettungsfahrzeugen und zwei „Dummys“, Trainingspuppen für Herzmassage und künstliche Beatmung. Eine davon ist speziell konstruiert für die Rettung aus dem Wasser.
Eines der Ziele sei, das Zusammenspiel zwischen Rettungsdienst und DLRG bei der Übergabe von Verletzten aus dem Wasser zu üben, erklärte Übungsleiter Erfurth. Für die Kenter-Übung mit dem Segelboot hat sich Marco Grübbel, Vorsitzender der Segler-Vereinigung, persönlich zur Verfügung gestellt. Geplant sei nur das Kentern, nicht das „Durchkentern“ mit der vereinseigenen Jolle, hatte er vorher verkündet. Doch genau dies sollte dann unversehens doch passieren. Das Segelboot legte sich nicht nur mit dem Segel auf die Seite, sondern „kenterte durch“, bis das Segel nach unten zeigte und nur noch die Unterseite mit dem Schwert aus dem Wasser ragte. „Die Aufgabe ist dann, sich mit allen Kräften und dem eigenen Gewicht an eine Seite des Schwerts zu hängen, um das Boot wieder aufzurichten“, erläuterte Erfurth.
Umgeben von Booten der Wasserschutzpolizei, die notfalls hätten eingreifen können, schaffte Grübbel dies mit Segel-Partnerin Beatrix Fontius jedoch aus eigener Kraft. „Vieles vom Programm hat gut geklappt, weil die Teilnehmer alle mit Spaß dabei waren“, so die Bilanz von Erfurth. Darüber hinaus sei es gelungen, das Verständnis untereinander zu verbessern. Er als passionierter Segler habe sich oft über Ruderboote geärgert, die den Seglern die Vorfahrt genommen hätten. Erst bei einem Selbstversuch habe er gemerkt, wie schwer so ein Ruderboot zu steuern sei. Das habe seine Einstellung verändert, räumte er ein.