Ludwigshafen Bisschen Romantik

Saisoneröffnung bei der Mannheimer IG-Jazz in der Klapsmühl am Rathaus: eine exzellente junge Band aus Köln war zu Gast, das Stefan Schmid & Philipp Brämswig Quartett. Tenorsaxophonist Stefan Karl Schmid ist kein Unbekannter in Mannheim, er gastierte hier bereits mit seinem Quartett Schmid’s Huhn und zuletzt auch in der Band der Posaunistin Shannon Barnett.
Mit dem Gitarristen Philipp Brämswig eint ihn die Meisterschaft einer schmiegsam glühenden Tonformung und weich flutenden Klangkunst. Was in diesem Quartett zunächst einmal besticht, ist die lyrische Klanggebung der beiden Frontleute. Wellenartig und in sanft schwebenden Bewegungen glitten die Klangflächen durch die Kompositionen. In flüssiger Elastizität entwickelte der Gitarrist seine beseelten Soli. „Anima“ heißt die Debüt-CD des Quartetts, aus der einige Stücke zu hören waren neben ganz neuen Kompositionen. Seinem Gitarren-Heroen Mike Morino hat Brämswig sein Stück „M 2“ gewidmet, eine federleicht dahinfliegende Neobop-Nummer. Sanft leuchtende Linien, rasant beschleunigt, so ging es kreuz und quer durch harmonische Landschaften abseits des Vertrauten. Noch neuer ist ein weiteres Stück des Gitarristen mit dem Arbeitstitel „Roadhouse“. Romantisches Südstaatenfeeling ließ Brämswig hier anklingen in seinem bluesig eingefärbten Spiel. Das war elegant und doch waren es immer ungewöhnliche, unvorhersehbare Wendungen, welche die Melodien und Harmonien nahmen. Ein Besuch der tschechischen Hauptstadt und die Begeisterung für pittoreske alte Gebäude hat Stefan Karl Schmid zu der Komposition „Prag“ inspiriert, was sich niederschlug in einem romantischen, fast nostalgisch schönen Walzer. Auch Bassist David Helm war hier mit einem beredten Solo zu vernehmen. Es entstand ei in Prag-Bild mit Weichzeichner, wenngleich auch hier wie stets sanft gespannte Harmonien grundlegend waren. Die vier Musiker sind Jungs von heute, und haben für verkitschte Stimmungen nicht viel übrig. Romantische Atmosphäre ja, aber die Harmoniewechsel sind immer auf dem neuesten Stand und reichlich avanciert. So war das auch, als mit dem „Nachtlied vom Fjord“ ein altes isländisches Volkslied in eigener Bearbeitung aufgegriffen wurde. Die Polarlichter funkelten in den Flageollett-Tönen des Kontrabasses ebenso wie in den magischen Gitarrensounds und den sanften, weitragenden Saxophonlinien. Mit den Filzschlägen zauberte Drummer Fabian Arends reichlich Atmosphäre auf Becken und Trommeln. Geheimnisvolle Nachtstimmung breitete sich aus in sanft wogenden Klangwellen. Blütenzarter Ton bestimmte das Spiel des Saxophonisten und ebenso des Gitarristen. Wachsweich flossen deren Linien durch labyrinthische Harmonien, über swingender Begleitung. Die beiden sind Meister des sublimen Spiels.