Lambsheim / Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Biber-Problem in der Vorderpfalz: Eine Lösung lässt noch auf sich warten

Markenzeichen: starke Zähne. Der Biber sorgt für allerlei Aufregung im Bereich des Gewässerzweckverbands Isenach-Eckbach.
Markenzeichen: starke Zähne. Der Biber sorgt für allerlei Aufregung im Bereich des Gewässerzweckverbands Isenach-Eckbach.

Der Biber hat dem Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach viel Arbeit beschert. Eine Karte soll konkret zeigen, wo eingegriffen werden darf. Doch bis die fertig ist, dauert es.

Alfons Wiebelskircher steht zu seinem Wort. Der Sozialdemokrat und Unternehmer aus Maxdorf hatte vor einigen Monaten angekündigt, in jeder Sitzung des Verbandsgemeinderats zu fragen, wann endlich die Biberproblematik gelöst werde. Der Hintergrund: Seine Firma liegt in direkter Nachbarschaft eines Fließgewässers, in und an dem einer der Nager sein Domizil aufgeschlagen hat. Was Naturliebhaber begeistert, erhöht regelmäßig Wiebelskirchers Blutdruck, wenn er an Starkregenereignisse oder ähnliche Unwetter denkt.

Seitdem also fragt er beharrlich in jeder Sitzung beim Tagesordnungspunkt „Fragen und Mitteilungen“, ob sich etwas tut. Also, ob der Damm in seiner Nachbarschaft endlich weggemacht werden kann. Vor einigen Wochen teilte André Voges (parteilos), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maxdorf, mit, dass in Kooperation mit dem Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach, der Unteren Naturschutzbehörde (Kreisverwaltung) und der Oberen Naturschutzbehörde (Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd) sowie den Kommunen und Naturschutzverbänden eine Karte erstellt werden soll. Darauf soll festgehalten werden, wo neuralgische Punkte sind und als Folge Biberdämme entfernt werden dürfen. Es soll aber auch gezeigt werden, welche Stellen nicht kritisch sind.

„Biber-Karte“ soll bald kommen

„Die endgültige Fassung der Karte ist noch nicht da“, sagt Hans Peter Theiß, Geschäftsführer des Gewässerzweckverbands Isenach-Eckbach, im RHEINPFALZ-Gespräch. Vor wenigen Tagen habe es ein Gespräch mit den beteiligten Behörden und dem Biberzentrum Rheinland-Pfalz gegeben. „Es ist noch nicht alles in Sack und Tüten“, sagt er. Aber man sei auf einem guten Weg. „Es sitzen eben viele Player am Tisch. Naturschutzverbände, wir als Zweckverband, die Kommunen. Da müssen viele verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden.“

Johannes Kaiser, Erik Fröhlich und Michael Biebel (von links) vom Gewässerzweckverband Isenach-Eckbachentfernen einen Damm.
Johannes Kaiser, Erik Fröhlich und Michael Biebel (von links) vom Gewässerzweckverband Isenach-Eckbachentfernen einen Damm.

Das Grundprinzip der Karte bleibt: Es sollen Punkte markiert werden, wo grundsätzlich ein gewisses Risiko erkannt wird, wenn ein Biber dort einen Damm hinbauen würde. Und dann müsse noch unterschieden werden, ob in dem jeweiligen Bereich eine Biberburg ist oder nicht. „Wir müssen auch die unproblematischen Bereiche aufnehmen, um eine entsprechende Handhabe zu bekommen“, ergänzt Michael Reith, Vorsteher des Gewässerzweckverbands.

Verband kontrolliert 600 Kilometer Gewässer

Der Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach kümmert sich laut Theiß um 600 Kilometer Gewässer. Das Gebiet reicht im Norden vom Wormser Flugplatz über Bobenheim-Roxheim bis in Teile von Ludwigshafen, nach Bad Dürkheim sowie Deidesheim und Ruppertsberg. „Alles dazwischen liegt in unserer Hand“, sagt Theiß. 21 gewerbliche Mitarbeiter kümmerten sich um den Gewässerunterhalt.

Dazu gehört neuerdings auch das Entfernen von Biberdämmen. Wie zum Beispiel vor wenigen Wochen in Fußgönheim. Da hakt Michael Reith ein. Denn einfach hergehen und nach eigenem Gutdünken die Biberdämme entfernen, das dürfen die Mitarbeiter des GZV nicht. „Es muss immer ein Verfahren dahinterstehen“, betont Reith. Das heißt, Untere und/oder Obere Naturschutzbehörde sind einzuschalten. „Aber wir haben dann die Chance, schneller zu reagieren, um zum Beispiel zu verhindern, dass eine Gefährdung entsteht.“

Streben nach Koexistenz mit den Bibern

Dabei geht es nicht darum, den Biber komplett loszuwerden. Vielmehr geht es um Koexistenz. „Vielleicht schafft man es ja, den Biber aus bestimmten Bereichen zu vergrämen, ihn dahin zu drängen, wo man ihn tolerieren kann“, spekuliert Hans Peter Theiß. Feststeht für ihn, dass die Situation rund um den Nager eine dynamische ist und bleibt. „Angefangen haben wir mit drei Biberstandorten“, erinnert sich Michael Reith. Das war vor etwa drei Jahren. Mittlerweile gehe es um 18 Reviere, in denen die Biber bis zu fünf Dämme errichtet haben. In jedem Bereich kann man mit mindestens zwei Tieren und eventuell zusätzlich ein bis zwei Jungtieren rechnen. Und dabei werde es nicht bleiben.

Damit fing alles an: Mit diesem Damm sorgte ein Biber dafür, dass sich Wasser in ein Regenrückhaltebecken der Gemeinde Maxdorf s
Damit fing alles an: Mit diesem Damm sorgte ein Biber dafür, dass sich Wasser in ein Regenrückhaltebecken der Gemeinde Maxdorf staute.

Reith betont jedoch auch: „Wir können froh sein, dass der Biber da ist. Aber es muss in einem verträglichen Verhältnis sein.“ Hans Peter Theiß ergänzt, dass man schnell gelernt habe, nicht gegen den Biber arbeiten zu können: „Das ist ein Kampf gegen Windmühlen.“ Hinzu kommt, dass der Nager beim Dammbau super flink ist. Theiß und Reith berichten, dass an Stellen, wo Dämme entfernt worden sind, innerhalb einer Nacht wieder ein neuer Damm entstanden ist.

Mehr Aufwand für Gewässerzweckverband

Für die Mitarbeiter des Gewässerzweckverbands sind die Kontrollen und das Entfernen der Dämme ein zusätzlicher Aufwand. Theiß hält eine Kladde hoch. Darauf werde festgehalten, wer was, wann und wo gemacht hat. Auch „private Aktivitäten“ werden registriert. Wobei das schon wieder harmloser klingt, als es eigentlich ist. Denn aufgrund des Schutzstatus’ des Bibers darf man als Privatperson nicht einfach in dessen Lebensraum einwirken. Wer sich an den Dämmen zu schaffen macht und dabei erwischt wird, der bewegt sich laut Theiß schon im Bereich der Straftat. Grundlage seien die Paragrafen 44 und 45 des Bundesnaturschutzgesetzes.

Damit niemand eigenmächtig handelt, kann sich Theiß vorstellen, dass an entsprechenden Punkten, wo Burgen und Dämme vorhanden sind, Hinweisschilder angebracht werden. Damit sollen die Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, dass der Verband den Damm kontrolliert.

Der personelle, zeitliche und materielle Mehraufwand kostet den Zweckverband auch Geld. Wie viel, das vermögen weder Theiß noch Reith einzuordnen. „Andere Dinge bleiben dann eben mal liegen“, sagt Theiß. Ein bis zwei Mitarbeiter drehten einmal pro Woche eine Runde und schauten bei allen bekannten Biberdämmen vorbei. Und sie kümmern sich dann auch um solche Fälle, wie etwa am Floßbach in der Nähe des Pfalzmarktgeländes. „Da haben wir ein Rohr eingebaut, damit das Wasser abfließen kann. Aber der Biber verstopft es immer wieder“, erläutert Theiß.

Perspektivisch Baumbestand betroffen?

Dann ist der Biber ja auch noch über Wasser aktiv, nagt Bäume an und bringt sie im Extremfall zu Fall. „Ein Problem, das wir in der Vorderpfalz haben, ist, dass wir hier kaum Gefälle haben. Da hat jedes Hindernis im Wasser gleich eine höhere Wirkung“, erklärt Hans Peter Theiß. Und perspektivisch gehe es auch um den Baumbestand. Der sei aktuell an den Ufern der 600 Kilometer Gewässer noch nicht das Thema. Aber irgendwann müsse man sich vielleicht auch über das Thema Aufforstung Gedanken machen.

Die Bäume an den Ufern haben nämlich noch einen anderen Hintergrund: „Die Intention des Landes Rheinland-Pfalz ist es, die Gewässer zu beschatten. Dadurch soll verhindert werden, dass die Wasserqualität in der Vorderpfalz noch schlechter wird“, erklärt Theiß. Das, was der Biber gerade mache, sei da kontraproduktiv.

Doch wie könnte man den Biber daran hindern, sich in bestimmten Bereichen an Bäumen gütlich zu tun? Eine Möglichkeit sei, am Fuß erhaltenswerter Bäume einen Maschendrahtzaun anzubringen und so dem Biber das Nagevergnügen zu verleiden, meint Theiß. Für größere Flächen bringt er sogar einen Zaun als Möglichkeit ins Spiel.

Doch das liegt wohl in noch fernerer Zukunft als die ominöse Karte, die man vor allem in der Verbandsgemeinde Maxdorf so sehr herbeisehnt. So schnell wie möglich soll sie präsentiert werden, sagt der Geschäftsführer der Gewässerzweckverbands Isenach-Eckbach. Hans Peter Theiß vermutet, dass sie Mitte/Ende Februar zur Genehmigung bei den Behörden vorgelegt werden kann. Und dann muss Alfons Wiebelskircher in absehbarer Zukunft womöglich nicht mehr seine Fragen im Verbandsgemeinderat stellen.

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