Aufsteigerporträt
Bezirksliga: Der Weg des Ludwigshafener SC zum Titel
„Anfangs war Mutterstadt mit uns auf Augenhöhe, aber Ende Oktober haben wir die FG überholt und die Tabellenführung nicht mehr abgegeben“, hat der Coach zufrieden registriert. Er nennt die hohe individuelle Qualität der Akteure als einen Hauptgrund für den Erfolg. Hinzugekommen sei, dass auf dem Feld ein Rädchen ins andere gegriffen und die Mannschaft nie den Fokus auf das Wesentliche verloren habe. „Die spielerische Qualität, gepaart mit großem Siegeswillen, hat den Ausschlag für den Titel gegeben.“ Das 4-2-3-1 habe sich als das passende System herauskristallisiert.
„Mir bedeutet der Aufstieg bei meiner ersten Trainerstation sehr viel. Noch dazu bei meinem Jugendverein. Der LSC hat mir den Einstieg ermöglicht, sodass ich erfolgreich arbeiten konnte“, erklärt Amiri, der erste Meistertrainer seit Hermann Kohlenbrenner im Jahr 2008. Als Anfang März öffentlich wurde, dass es Probleme bei der Bezahlung der Spieler gab und Amiri seinen Abschied zum künftigen Verbandsligisten Pfeddersheim bekanntgab, kam Unruhe auf, die aber keine Auswirkungen auf den Erfolg hatte. Amiri hielt den Laden zusammen und sorgte dafür, dass die Mannschaft die Runde ordentlich zu Ende spielte. Kleiner Wermutstropfen: Die Trainingsbeteiligung des Teams ließ rapide nach.
Torhüter auf Abwegen
Kurz bevor der Titel rechnerisch perfekt war, gab es einen gewaltigen Rückschlag: Gegen Abstiegskandidaten BSC Oppau setzte es mit 0:4 die einzige Heimniederlage. „Da haben wir einen rabenschwarzen Abend und Oppau einen Sahnetag erwischt. Da hätten wir noch eine Stunde spielen können, ohne ein Tor zu erzielen“, räumt der 33 Jahre alte Coach ein. Die andere Niederlage gab es in Freinsheim, als hohe Temperaturen und fünf wegen des Ramadans fastende Muslime dem Gastgeber beim 2:1-Sieg in die Karten spielten.
Auch von einem Kuriosum kann Amiri berichten. „Im letzten Auswärtsspiel in Mechtersheim habe ich der Personalnot geschuldet Torwart Precious Ofosohene als Feldspieler eingewechselt“, berichtet der Trainer mit einem Schmunzeln. Macht der Gewohnheit fing Ofosohene in ungewohnter Position einen Angriff des Gegners mit der Hand ab. Die Quittung für den 20-jährigen Torhüter auf Abwegen: Er musste eine zehnminütige Zeitstrafe verbüßen.
Starke Abwehr
Der LSC hat laut Amiri seine stärkste Vorstellung beim 6:0-Sieg in Queichhambach geboten. „Da haben wir unsere Chancen eiskalt genutzt, waren griffig, spielstark und hatten ein überragendes Zweikampfverhalten“, erinnert sich der Trainer. Mit nur 28 Gegentreffern haben die Rot-Weissen mit Abstand die beste Abwehr der Liga. „Das liegt in erster Linie daran, dass Innenverteidiger Dennis Klein eine überzeugende Runde gespielt hat, sich zum Abwehrchef aufschwang und bei Standardsituationen eine unglaubliche Wucht entwickeln kann“, schwärmt Amiri vom 31-jährigen ehemaligen Haßlocher.
Er bestritt ebenso 30 Saisonspiele wie der offensiv wie defensiv flexibel einsetzbare Dejan Vasic (21), den der Coach mit nach Pfeddersheim nimmt. „Dejan hat großes Potenzial, muss aber noch mehr Konstanz in seine Leistung bringen“, empfiehlt Amiri. Auf 31 Einsätze kommt Nicola Maillet (26), ein flinker, kaum zu fassender Angreifer mit viel Zug zum Tor. „Nicola ist sehr torgefährlich, aber nicht an seine Topleistung der vorigen Rückrunde herangekommen, als er unser bester Mann war“, betont der Übungsleiter.
Trainerduo geht
Übertroffen wird Maillet noch vom Vorzeige-LSC’ler Daniele Marchitto, der 32 Partien bestritt und wie im Vorjahr am häufigsten einsetzt wurde. Trotz seiner erst 20 Jahre hat das Eigengewächs schon 69 Bezirksligaspiele absolviert. „Daniele ist giftig, bissig, hat viel Mentalität und ist ein super Junge. Im Spiel mit dem Ball kann er sich noch verbessern“, lobt Amiri. Als den besten Fußballer im Kader nennt der Coach Mittelfeldregisseur Ismael Imre, der in der Zentrale den Takt bestimmt habe und immer anspielbereit gewesen sei. Bester Torschütze war Ibrahim Anli (18 Tore), obwohl er – meist verletzungsbedingt – nur 13 Partien bestritt. Ihm folgen Maillet und Nicolas Lamberty (je 16) sowie Ziya Köroglu (8).
Amiri konnte sich stets auf seinen loyalen Co-Trainer Frederik Tilger-Kuhn verlassen. „Freddy hat das sensationell gemacht. Er hat die Trainingsqualität hochgehalten, sich um vieles gekümmert und dafür gesorgt, dass die Stimmung gut war. Ich bin froh, dass er mich begleitet“, sagt der Trainer. Die beiden wollen ihren Erfolgsweg in Pfeddersheim fortsetzen.