Ludwigshafen
Besondere Stadtführung: Was es in Ludwigshafen zu entdecken gibt
„Ludwigshafen hat ein großes Potenzial, das nicht gehoben wird“, findet Gerhard Brandt. Der zertifizierte Gästeführer hat am Samstag bei einer interaktiven Stadtführung gezeigt, was es in der Stadt alles zu entdecken gibt. „Mit offenen Augen“ lautete das Motto, unter dem der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland zur Entdeckungsreise eingeladen hatte. Seit 1999 gibt es am 21. Februar besondere Stadtführungen, die dazu aufrufen, die eigene Umgebung genauer zu erkunden. Die Ortsgruppe „Lust auf Kurpfalz“ erstreckt sich dabei über Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, Speyer und Worms. Deshalb war auch der „Welttag der Gästeführer“ über das gesamte Wochenende ausgeweitet.
Allein schon in der Ludwigshafener Innenstadt gibt es aus historischer Sicht 75 Höhepunkte. „Wenn ich die alle anlaufen würde, wäre ich den ganzen Tag lang unterwegs“, meinte Brandt. Gemeinsam mit seinen Kollegen – insgesamt haben sich fünf hauptamtlich und ein weiterer im Nebenerwerb auf Ludwigshafen spezialisiert – konzentriert er sich daher lieber auf Führungen zu bestimmten Themen. Es gibt 18 verschiedene Felder, die bespielt werden können.
Idee aus Heidelberg
Die „Quiz-Führung“ hat Brandt aus Heidelberg mitgebracht. „Die ist dort ein echter Renner und ich wollte das deshalb hier auch einmal ausprobieren“, sagte er. Acht Teilnehmer machten sich bei der Premiere gemeinsam mit dem 67-Jährigen auf den Weg. „Meine ,Versuchs-Menschen‘“, kommentierte er schmunzelnd. Karin Börschinger war mit dabei, weil sie sich für ihr näheres Umfeld interessiert: „Und ich will sehen, wie viel ich davon schon weiß und was ich noch alles lernen muss.“
Die „Quiz-Führung“ hatte einen erhöhten Schwierigkeitsgrad, denn auf den von Brandt verteilten Fragebögen gab es zwar unterschiedliche Antwortmöglichkeiten, die richtigen Lösungen waren aber nicht markiert und in der Stadt auch nicht auffindbar, wie ein Teilnehmer bedauerte. Dafür konnte der Gästeführer aber nicht immer was: So fehlt beispielsweise eine Infotafel mit den beiden Namen, die der Berliner Platz in der Vergangenheit trug. Brandt hatte zudem darauf geachtet, dass die Antworten auch mit künstlicher Intelligenz nicht so leicht auffindbar sind. „Zwei der drei bekanntesten KI-Anbieter liefern die falsche Antwort“, verriet er schmunzelnd.
Ein Brunnen aus Industrieabfällen?
Aber der halbe Spaß besteht ja darin, selbst Bescheid zu wissen, oder in Diskussionen mit anderen Teilnehmern entweder Antworten zu erfahren oder ein wenig Unsicherheit zu säen. Das funktionierte etwa bei der Tortenschachtel. Wer lange genug über der Karstadt-Antwortmöglichkeit grübelt, zweifelt womöglich irgendwann selbst am eigentlich glasklaren Kaufhof. Und: Der Rickey-Brunnen auf dem Berliner Platz – ehemals Jubiläumsplatz – könnte ja tatsächlich aus recycelten Industrieabfällen gebaut worden sein, oder etwa nicht?
So vergingen knapp 90 vergnügliche Minuten, in denen nicht nur Ludwigshafener ihre Stadt neu erlebten, sondern am Platz der Deutschen Einheit schließlich auch die richtigen Antworten ausgeteilt bekamen. „Einen Rätselkönig loben wir dieses Mal nicht aus, weil die Zeit für die Auswertung fehlt“, meinte Brandt.
Gästeführer suchen Mitstreiter
Wer wirklich alles über die Stadt weiß, qualifiziere sich eventuell auch selbst als Gästeführer. Die haben nämlich ein Nachwuchsproblem. „Allein in Ludwigshafen hat in den letzten Jahren rund ein Drittel aus Altersgründen aufgehört“, erzählte Brandt. Er selbst sei mit 67 Jahren noch ein „Nachwuchstalent“, habe die Stadt vor zwei Jahren von einem 83-jährigen Kollegen übernommen.
Dieser wusste sicher nicht nur, welcher spanische Künstler die Wand des Wilhelm-Hack-Museums gestaltet hat, sondern kannte auch den Architekten der ehemaligen höheren Mädchenschule, die heute die Berufsbildende Schule Wirtschaft II beherbergt. Wissen zählt. Nachforschen ist erlaubt. Und selbstverständlich hilft eine der besonderen Themenführungen durch Ludwigshafen beim Knobeln in der „Quiz-Führung“.
Im Netz