Ludwigshafen Bescheidener Titelsammler

MUTTERSTADT. Mit 70 Jahren gehört Gustav Knapek zwar zu den ältesten Spielern im Pfälzischen Tischtennis Verband, aber er ist auch einer der erfolgreichsten. Der frühere Pädagoge, der seit vielen Jahren für den TTV Mutterstadt aktiv ist, sicherte sich nicht nur den Pfalztitel, sondern auch die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft im Einzel und Doppel. Damit hat sich Knapek für die deutschen Meisterschaften vom 2. bis 4. Mai in Bielefeld qualifiziert. Bemerkenswert: Seit 48 Jahren trainiert er auch den Nachwuchs in seiner Heimatgemeinde Haßloch.
Gustav Knapek ist kein Mann der großen Worte. Schon gar nicht, wenn er auf seine bisherigen Erfolge angesprochen wird. Denn den früheren stellvertretenden Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule in Haßloch interessiert die Vergangenheit wenig. „Das zählt doch nicht mehr“, meint er augenzwinkernd. Seine vielen Medaillen, Plaketten und Pokale hat er zwar alle aufbewahrt, stellt sie aber nicht zur Schau. Dabei gehört Gustav Knapek zu den besten Tischtennisspielern in der Pfalz. Seit Jahren führt er die Ranglisten des Verbandes an. Reihenweise gewinnt er Titel. Das ist für ihn aber nebensächlich. Der Sport hält gesund, sagt er. Und: Er hält ihn jung. Ein- bis zweimal in der Woche fährt er in das Mannschaftstraining zum TTV Mutterstadt, dessen erste Mannschaft er in der ersten Pfalzliga unterstützt. Dort ist für den 70 Jahre alten Senior – der älteste im Team – die sportliche Bilanz beeindruckend. 18 Siege gelangen ihm in der laufenden Saison in der höchsten pfälzischen Spielklasse. Den Rheinland-Pfalz-Titel vor wenigen Wochen sicherte er sich ebenfalls souverän und bereitet sich derzeit auf die nationalen Meisterschaften in Bielefeld vor. In den Gruppenspielen in Ingelheim konnte sich der vielfache Pfalz- und Südwestmeister mit drei Siegen als Erster durchsetzen. Dadurch bekam er ein Freilos für das Viertelfinale und stand somit direkt in der Vorschlussrunde, wo er in Helger Ohlig von der TTG Torney-Engers auf einen alten Bekannten traf. 11:4 und 11:9 gewann er die ersten beiden Sätze. Der dritte Durchgang ging gar in die Verlängerung, wo Knapek aber die Nerven behielt und schließlich mit 12:10 gewann. Er stand im Endspiel. Dort traf er auf Helmut Machoczek. Nach dem Verlust des dritten Satzes konterte Knapek alle Versuche erfolgreich und gewann mit einem 11:7 im vierten Durchgang den Titel. Zusammen mit Laszlo Ersek (TSG Kaiserslautern) holte er noch den Doppeltitel. In Bielefeld wird Knapek im Einzel und im Doppel antreten. „Ich möchte spielen, solange es mir Spaß macht und es mir meine Gesundheit erlaubt. Da stehen Ergebnisse nicht im Vordergrund“, meint der Senior. Dabei fand er erst über Umwege zum Tischtennis. Fußball und Radsport standen zunächst für ihn im Vordergrund, aber ein Hüftleiden zwang ihn zum Umdenken. So steht er seit dem 17. Lebensjahr an der Platte – und er wird nicht müde. Gustav Knapek gilt als einer der wenigen Enthusiasten im Lande, die diese Sportart, die ein Schattendasein führt, mit positiver Energie prägt. „Tischtennis wird in unserem Lande eine Randsportart bleiben“, sagt Knapek. Umso erfreulicher ist es für ihn, dass er in der Nachwuchsarbeit derzeit keine Personalprobleme kennt. Knapp 25 Schüler und Jugendliche betreut er in seinem Heimatverein TSG Haßloch und begleitet sie zu den Spielen und Meisterschaften. Er sieht seine Rolle nicht nur als Trainer, sondern auch als Pädagoge. „Tischtennis ist eine Kopfsache“, meint Knapek.