Ludwigshafen
Bei Love Machine auf der Mannheimer Sommerbühne wirken die Bärte nicht wie angeklebt
Es ist der Spirit längst vergangener Zeiten, den Love Machine auf der Sommerbühne der Alten Feuerwache in Mannheim wieder heraufbeschwört. Aber wenn die Herren aus Köln und Düsseldorf dann in ihre längeren Jams abdriften, muss man sich fragen, ob der Flower-Power-Geist jemals wirklich weg war. Hier spielte keine Cover-Band.
Haare sind wichtig. Gerade im Gesicht. Hot Pants sind wieder in Mode. Und die Gitarren sind eine merkwürdig schnittige Guild Thunderbird und eine deutsche Framus, halbakustisch. Beide stammen aus den 60er-Jahren und passen sehr gut zu Frisur und Barttracht ihrer Spieler, Hendrik Siems und Felix Wursthorn. Noel Lardon sitzt am Schlagzeug, neu und fest dabei ist Richard Eisenach am Bass, Keyboarder Jan war wohl Gast und deshalb ist sein voller Name nirgendwo zu finden. Ein bisschen aus der Art schlägt Sänger Marcello Rösche, der mit gewaltigem Bart und akkurat gescheiteltem Haar eher nach zeitgenössischem Hipster aussieht. Seine Stimme gibt der Band noch einmal eine ganz besondere Note. Eher im Bariton angesiedelt und mit einem schnellen Tremolo klingt er nicht nach typischem Rock’n’Roll. Aber das schadet nicht, im Gegenteil! Die Band will ja nicht bloß Abklatsch sein, sondern ihren eigenen Stil entwickeln, auch wenn sie ganz viele Referenzen an ältere Klänge und Genres zeigt. Das gelingt Love Machine auch ganz gut.
Krautrock als Inspiration
Der Sound hat, wie nicht anders zu erwarten, den Charme der 60er-Jahre und ist rumpelig erdig und abgefahren psychedelisch zugleich. Und genau da wollen die Musiker auch hin. Krautrock und Americana nennen sie als Inspiration. Das dritte Album seit der Gründung 2014 heißt „Times to come“, und schon für Oktober ist ein neues Mini-Album angekündigt.
Das Konzert in Mannheim beginnt mit ein paar Stücken, die eher die klassische Form von Rocksongs haben, also Strophen, Gitarrensolo, Strophe. Später wird dann die Form lockerer. Da geht es dann in lange Jams, bei denen Bass und Schlagzeug einen Groove als Fundament legen und die Gitarren ausgiebig solieren. Aber auch Keyboard und Bass dürfen sich austoben; das Schlagzeug bekommt erst bei der Zugabe ein großes Solo.
Das groovt richtig gut, und großen Anteil daran hat Bassist Richard Eisenach. Der begnügt sich nicht damit, die Grundtöne zu bollern, sondern er spielt einen beweglichen, elegant druckvollen Bass, der Einflüsse von Soulmusik zeigt. Die späteren Jams sind Riff-orientiert, das bedeutet, es wird eine Figur gespielt, über die dann abwechselnd Solisten improvisieren. Wobei es da auch die Freiheit für die Rhythmusgruppe gibt, zu variieren und zu ändern.
Die Illusion von unendlichen Weiten
Psychedelisch nannte man in den späten 60ern Musik, die von langen Improvisationen geprägt war, der Klang mit Hall und Echo die Illusion von unendlichen Weiten bekam. Die Wechselwirkung zwischen Musik und veränderten Bewusstseinszuständen war durchaus gewollt, letztere durchaus auch induziert durch diverse Kräutlein. So ein bisschen Hippie spielt bei Love Machine mit – aber im Unterschied zu manchen Tribute-Bands wirkt Love Machine nicht wie die Beschwörung des Vergangenen, sondern wie eine Weiterführung, die gelebt wird. Es sind jedenfalls nicht so aus, als wären Haare aufgesetzt und Bärte angeklebt. Vor der Bühne wurde getanzt, eine Menge Leute ließ sich in die Musik hineinfallen und davontragen. So kam es, dass nach über anderthalb Stunden Spielzeit, die Zuhörer mehr forderten und die Band schließlich volle zwei Stunden gespielt hat.