Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Beginn der Allergiesaison: Wann Betroffene zum Arzt gehen sollten

Heuschnupfen tritt auf, wenn man verstärkt mit Pollenallergenen in Kontakt kommt.
Heuschnupfen tritt auf, wenn man verstärkt mit Pollenallergenen in Kontakt kommt.

Die Pollensaison beginnt immer früher – und mit ihr die Beschwerden vieler Allergiker. Ein Ludwigshafener Arzt erklärt, woran das liegt und wann Betroffene handeln sollten.

Herr Werling, hat die Allergiesaison in diesem Jahr früher begonnen?
Ja, das ist ein wiederkehrendes Thema – aber diesmal deutlich früher. Die Patienten kommen bereits im März mit allergischen Beschwerden in die Praxis.

Was genau passiert bei Heuschnupfen im Körper?
Heuschnupfen tritt auf, wenn man verstärkt mit Pollenallergenen in Kontakt kommt. Dann entstehen länger anhaltende Beschwerden der oberen Atemwege: verstopfte oder laufende Nase, Brennen in der Nase, juckende und tränende Augen, Juckreiz im Hals. Auch nächtlicher Husten kann dazugehören. Der Begriff beschreibt letztlich einen durch Allergene ausgelösten Schnupfen.

Woran erkennt man, ob es eine Allergie ist und kein Infekt?
Das ist nicht immer einfach. Wenn aber Juckreiz, tränende Augen und eine laufende Nase im Vordergrund stehen und typische Infektsymptome fehlen, spricht das eher für eine Allergie.

Welche Symptome treten besonders häufig auf?
Viele Betroffene klagen über brennende, juckende Augen und eine ständig laufende Nase. Das kann sehr belastend sein. Häufig wird zudem nicht erkannt, dass auch nächtlicher Husten mit einer Allergie zusammenhängen kann.

Kann sich daraus Asthma entwickeln?
Ja, das kommt vor. Manche Patienten husten vor allem nachts und wissen nicht, dass dahinter eine Überreaktion der Bronchien steckt. Das ist im Grunde eine Form von Asthma, die vielen gar nicht bewusst ist. In solchen Fällen wird die Therapie entsprechend erweitert, etwa durch Inhalationssprays.

Welche Allergien gibt es neben Pollen noch?
Am häufigsten sind Pollenallergien, vor allem gegen Gräser. Daneben gibt es Allergien gegen Schimmelpilze, die oft mit den Wohnverhältnissen zusammenhängen. Auch Wespengiftallergien kommen vor, sind aber deutlich seltener.

Nimmt die Zahl der Betroffenen zu?
Ja, diesen Eindruck habe ich. Es kommen mehr Patienten, und auch allergiebedingte Asthmabeschwerden treten häufiger auf.

Wie werden Allergien behandelt?
Wenn die untere Atemwege betroffen sind, kommen bronchialerweiternde und entzündungshemmende Inhalatoren zum Einsatz. Das ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Kann man sich vor Allergien schützen?
Das Grundprinzip wäre, Allergene zu vermeiden – das ist im Alltag aber oft kaum möglich. Einige Patienten lassen sich eine Kortisonspritze geben, die die Beschwerden deutlich lindern kann, auch wenn das keine standardisierte Therapie ist.

Wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?
Wenn die Beschwerden stärker werden oder die üblichen Medikamente nicht mehr ausreichen. Vor allem nächtlicher Husten sollte ernst genommen werden, da er auf Asthma hinweisen kann.

Gibt es neue Entwicklungen in der Behandlung?
Im Moment gilt weiterhin die klassische Therapie: Antihistaminika und – bei stärkeren Beschwerden – Asthmamedikamente.

Gibt es Besonderheiten für Ludwigshafen oder die Region?
Das lässt sich schwer vergleichen. Allerdings ist die Feinstaubbelastung hier relativ hoch, was Asthmasymptome verstärken kann.

Was möchten Sie Betroffenen mitgeben?
Man sollte Beschwerden nicht zu lange aussitzen. Wenn Antihistaminika nicht ausreichend helfen, sollte man ärztlichen Rat einholen, auch, um eine mögliche Asthmabeteiligung abzuklären.

Zur Person

Andreas Werling ist Hausarzt mit internistischem Schwerpunkt und seit 2002 in Ludwigshafen niedergelassen. Der 61-Jährige praktiziert heute im Süden der Stadt und ist seit mehreren Jahren Vorstandsmitglied der Gesundheitsorganisation Ludwigshafen (GO-Lu), einem Netzwerk niedergelassener Ärzte in der Region.

Andreas Werling.
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