Firmenporträt
Beatmungsgeräte von Löwenstein Medical sind gefragt
Schon äußerlich hebt sich das zweigeschossige Gebäude mit seiner dunklen Fassade stark von den übrigen Firmensitzen im Gewerbegebiet Mörschgewanne ab. Sichtbar überragt wird der würfelförmige Bau von einem hohen weißen Stahlbehälter, der hinten auf dem Gelände steht. Er enthält 30.000 Liter flüssigen Sauerstoff, der bei vier Bar Druck auf minus 182 Grad Celsius heruntergekühlt wird. Auf über 10.000 schätzt Niederlassungsleiterin Doris Kraus die Zahl der Patienten, die regelmäßig von zehn Mitarbeitern zu Hause mit diesem Sauerstoff beliefert werden. „Insgesamt betreuen wir von hier aus rund 50.000 Patienten, die eine Atemtherapie benötigen“, sagt Kraus beim RHEINPFALZ-Besuch.
Zuständig sei sie für eine Vertriebsregion, die von der Pfalz, dem Saarland und Nordbaden bis ins südbadische Freiburg reicht. Mit 28 Niederlassungen, meist in den westlichen Bundesländern, versorge Löwenstein Medical in Deutschland 500.000 Patienten mit Atemproblemen, informiert die 48-jährige Regionalleiterin. Darunter seien „Schlafapnoiker“, die nachts unter Atemstillständen leiden. Für die Therapie entwickelt wurde für sie ein handliches elektronisches Gerät in Verbindung mit einer Atemmaske, das nachts die Atmung kontrolliert und bei Bedarf einfach die Luftzufuhr erhöht.
„Schlaf-Atem-Zentrum“
Auf Atemgeräte angewiesen sind auch Erkrankte, die an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) leiden – diese geht mit einer Degeneration des zentralen Nervensystems einher. Betroffene, zu denen auch der bekannte Astrophysiker Stephen Hawking gezählt hat, leiden unter Muskelschwäche und der abnehmenden Fähigkeit, eigenständig genug zu atmen.
„Am Ludwigshafener Klinikum betreiben wir ein ,Schlaf-Atem-Zentrum’ für Schwerkranke, die rund um die Uhr beatmungspflichtig sind“, informiert Kraus. Geräte zur Atemtherapie werden dort von einer Fachkraft für die häusliche Umgebung der Patienten eingestellt. Kraus weiß, wovon sie hier redet. Sie habe selbst viele Jahre lang als gelernte Medizinisch-Technische Assistentin das Schlaflabor im Ludwigshafener Herzzentrum geleitet und später Schlaflabore in Kliniken der ganzen Metropolregion betreut, erzählt die 48-Jährige.
Zur Betreuung und Versorgung von Patienten mit Atemgeräten sind 25 weitere Mitarbeiter im Außendienst unterwegs. Wie Kraus sagt, arbeiten insgesamt 78 Mitarbeiter in der Rheingönheimer Niederlassung, in der auch vorbeikommende Patienten mit Atemgeräten ausgerüstet oder medizintechnisches Equipment gelagert und repariert wird. Vor dem Neubau in Rheingönheim 2016 sei die Ludwigshafener Niederlassung jahrelang im Lusanum in Süd beheimatet gewesen, in den frühen Zeiten davor in einem kleinen Vertriebsbüro in Ruchheim. Aber das Unternehmen sei stetig weiter gewachsen und froh gewesen, als die städtische Wirtschaftsförderung schließlich ein verkehrsgünstiges Grundstück im Vorort für einen Neubau vermitteln konnte, erzählt die Niederlassungsleiterin.
Großauftrag von Jens Spahn
Seit der Unternehmensgründer Richard Löwenstein 1986 im rheinland-pfälzischen Bad Ems in eine kleine Medizintechnik-Firma eingetreten ist, konnte sich das Unternehmen beständig vergrößern. Ausgehend von der Neonatologie mit Inkubatoren („Brutkästen“) für Frühgeborene hat Löwenstein Medical nach eigenen Angaben den Medizintechnik-Bereich der künstlichen Beatmung immer weiter bis zur Marktführerschaft in Deutschland ausgebaut. Inzwischen biete das Unternehmen die gesamte Gerätetechnik einer Intensivstation.
Zu Beginn der Pandemie sei ein Großauftrag des Bundesgesundheitsministers zur Lieferung von Beatmungsgeräten eingegangen, berichtet Kraus. Die Produktion in Bad Ems sei daraufhin Tag und Nacht auf Hochtouren gelaufen, zusätzliche Produktionslinien seien aufgebaut worden. Dazu kamen Schulungen und Auslieferungen. „Den Mitarbeitern wurde alles abverlangt, sie haben aber voll motiviert mitgezogen“, sagt die Niederlassungsleiterin. Die hochwertigen Geräte „Made in Germany“ seien inzwischen auch international immer mehr gefragt. Beliefert würden Kliniken bis nach Australien und China, sagt sie nicht ohne Stolz.
Auch das Rheingönheimer Firmengebäude sei schon wieder zu klein geworden, räumt sie mit Blick auf die begonnenen Bauarbeiten ein. Ein Teil des Mitarbeiter-Parkplatzes muss daher einem Gebäude-Anbau weichen. Sie selbst fühle sich in Ludwigshafen ausgesprochen wohl. „Ich bin Heidelbergerin, in Leimen geboren, aber seit meinem Umzug nach Leistadt vor 25 Jahren zur überzeugten Pfälzerin geworden“, gesteht sie lachend.