Ludwigshafen Bauen bis der Bohrer bricht

Placeholder-Image

Elf Kinder haben mit Papa, Mama oder Tante am vergangenen Sonntag in der Walderholung Mutterstadt heimischen Vögeln etwas Guten getan. Für Höhlenbrüter wie Meise, Spatz oder Trauerschnäpper haben sie einen Nistkasten aus Holz gebastelt. Eingeladen hatte die Rucksackschule Pfälzer Rheinauen und die Volkshochschule (VHS) Mutterstadt.

Mutterstadt. Schnarrend verkündet der Akkuschrauber, dass er die Schraube keinen Millimeter mehr ins Holz lässt. Mein Sohn hält sich die Ohren zu. Um die nächsten Schrauben muss ich mich wohl oder übel alleine kümmern. Dann siegt wieder der Spaß an dem Elektrogerät und wir machen zu zweit weiter. Plötzlich riecht es verbrannt, ein hässliches Knacken ist zu hören. Der Bohraufsatz ist abgebrochen, was mich mit Blick auf den Hersteller aber nicht weiter wundert. Zum Glück passt auch ein größerer Aufsatz. Vor uns liegt noch einiges an Arbeit, bis der Nistkasten fertig ist. Und nicht nur vor uns. Elf Kinder sitzen mit Papa, Mama oder Tante an zwei Tischen in der Walderholung Mutterstadt. Sägespäne bedecken mittlerweile Tische, Bänke und Waldboden, Bohrer liefern sich Zwiegespräche mit Meisen. Die sollen später wie Trauerschnäpper oder Sperling in den fertigen Nistkästen brüten. Dass das Nest der Vögel im Innern des Kasten ganz unterschiedlich ausfällt und die Vogelart, die darin gebrütet hat, daran sogar identifiziert werden kann, ist nur eine der vielen Informationen, die Beate Werner von der Rucksackschule Pfälzer Rheinauen nebenbei einfließen lässt. Und Eltern und Kindern gleich eine Eselsbrücke mit auf den Weg gibt. Das hässlichste Nest stammt tatsächlich vom „Dreckspatz“. Kindgerecht bereitet Werner auch den kleinen Spaziergang in den Mutterstadter Wald auf. 16 heimische Vogelarten passend zur Jahreszahl dürfen die Kinder aufzählen, anschließend geht es auf die Pirsch. Überraschend zahm wirkt ein Buchfink, der sich in einem Busch niedergelassen hat. Geradezu unbewegt, weshalb ihn viele gar nicht wahrnehmen. Den Holzsockel, der ihn stützt, sehe auch ich nicht auf den ersten Blick. Wohl oder übel heißt es jetzt, einem Fünfjährigen überraschend lebendig aussehende tote Vögel zu erklären. Aber auch mit geschlossenen Augen entdecken Kinder und Erwachsene Vögel. Gar nicht weit entfernt hämmert ein Specht. Und die Kohlmeisen lockt Werner mit täuschend echter elektronischer Vogelmelodie in nicht mal einer Minute auf wenige Meter an. „Das klappt jetzt zur Paarungszeit besonders gut.“ Um den werdenden Vogeleltern zu helfen, teilt Werner Bretter aus. Sieben Stück pro Nistkasten. Zum Glück schon vorgesägt mit abgeschrägten Seitenwänden. Schließlich soll das Regenwasser auf dem Dach ablaufen. Musterbretter haben schon die Löcher für die Schrauben an der richtigen Stelle. Meine Aufgabe besteht allerdings nicht nur darin, den Nistkasten zu bauen, sondern das eigene Kind dabei so einzubinden, dass keine Schrauben in fremden Brettern landen oder sie als Malfläche dienen – was allerdings nur bedingt klappt. Kurzzeitig fasziniert meinen Sohn das Schmirgelpapier, dann darf endlich gebohrt werden, wohl der Höhepunkt an dieser Aktion. Mit den Schablonen sind ruckzuck einige Teile vorbereitet. Das Vater-Sohn-Gespann liegt gut in der Zeit, merke ich bei einem Blick auf meine Banknachbarn. Dass die Klapptür zum Saubermachen unseres Nistkastens nicht passen will, weiß ich da noch nicht. Auch nicht, dass das Hin und Her mit der Metallfeile Jakob über das ganze Gesicht strahlen lässt. Glücklich und stolz zwicke ich für uns schließlich ein Stück Draht ab für die Schlinge, an der der Kasten einmal hängen wird. Auch der Blick in die anderen Gesichter und auf fertige Nistkästen verrät, dass die Aktion gelungen ist. Der neunjährige Lars und die siebenjährige Mia aus Mutterstadt haben mit Hilfe ihrer Tante Dorothea Friedmann gleich jeder einen Kasten gebaut. Daniela Frisch aus Schifferstadt hatte sich eigentlich mit ihrer Freundin verabredet, nur aus Krankheitsgründen ist deren Mann eingesprungen. Bohren und Schrauben ist offenbar längst nicht mehr nur Männersache. „Ich habe den Bohrer jetzt richtig gut kennengelernt“, sagt Natalie Bullinger aus Iggelheim mit ihren Kindern Elias und Luisa – und erkundet sich bei Werner gleich nach der Aktion zum Bauen von Fledermauskästen. (flor) Termin Fledermauskästen bauen, Samstag, 19. März, 14.30 Uhr, Schifferstadt, Parkplatz Grillhütte, Dudenhofener Straße, Anmeldung: Telefon 06232 600020 oder E-Mail an rucksackschule.speyer@wald-rlp.de.

x