Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bassist Matthias Debus über die „Platte seines Lebens“

Wirkt in vielen Projekten mit: Matthias „TC“ Debus.
Wirkt in vielen Projekten mit: Matthias »TC« Debus.

Matthias „TC“ Debus ist ein vielbeschäftigter Bassist in Mannheim und Umgebung. Er spielt hauptsächlich Kontrabass, aber auch E-Bass, dazu komponiert und arrangiert er Musik für verschiedene Ensembles. Im Elternhaus gab es nur klassische Musik – aber den entscheidenden Impuls gab ihm eine Platte aus der Popmusik.

Mit Musik ist Debus schon früh in Kontakt gekommen. Geboren 1977, ist er in Speyer aufgewachsen. Dort hat er als Kind im Domchor gesungen und im Kindergarten Blockflöte gespielt. „Blockflöte habe ich ganz lange gespielt, selbst als die anderen Mitschüler schon Rockbands hatten. Das war natürlich superpeinlich und meine Kumpels haben mich ausgelacht“, erinnert er sich. Neben der Flöte habe er verschiedene andere Instrumente probiert, auch Klavier, aber keines wirklich lange durchgehalten. „Ich habe nicht geübt, und dann haben mich meine Eltern wieder abgemeldet“, erzählt er.

Das rote und das blaue Album

Mit etwa 13 Jahren habe er dann auch in einer Band spielen wollen und entsprechend ein „bandtaugliches“ Instrument gebraucht. Da fing er mit Gitarre an. „Ich hatte auch mal an Schlagzeug gedacht, aber da dachte ich, das sei meinen Eltern nur schwer beizubringen …“, sagt er und lacht. Sein Gitarrenlehrer sei sehr offen gewesen. Er selbst habe damals viel Beatles gehört. Zusammen mit seinen Geschwistern habe er das rote und das blaue Doppelalbum rauf und runter gehört. Das rote Album umfasst die frühen Jahre der Beatles, als ihre Musik noch sehr vom Beat geprägt war, das blaue Album die späten Jahre, als die Beatles mit komplexeren Kompositionen und Produktionen ihren Pop zur Kunstmusik weiterentwickelten. Mit dem Beatles-Hören habe er begonnen, nach Gehör mitzuspielen und Basslinien herauszuhören. So begann der Kontakt zum Bass. Zudem habe ihn auch Kontrabass fasziniert, sagt Debus. Schlüsselerlebnis war die Aufführung einer Bach-Passion, als Debus als Chorsänger immer die Bässe vor sich sah und hörte und sehr beeindruckt war.

Zunächst spielte Debus E-Bass. Die Platte, die ihm neue Perspektiven eröffnete, ist „Abbey Road“, das elfte Studioalbum der Beatles. Es wurde 1969 veröffentlicht. „Diese Musik ist eine ganz andere Liga. Insbesondere das Medley auf der zweiten Seite hat der Popmusik entscheidende Impulse gegeben und die Entwicklung zum Art Rock mit angestoßen“, sagt Debus. Tatsächlich sind die Kompositionen nicht mehr in einfacher Liedform gehalten, sondern entwickeln größere Spannungsbögen und komplexere Arrangements, an denen Produzent George Martin entscheidend mitgewirkt hat.

Studierter Kontrabassist

In Speyer wurde John Diven Basslehrer für Debus. Diven stammt aus Texas, studierte Kontrabass und spielte mit renommierten klassischen Orchestern. Aber sein musikalischer Horizont ist viel weiter. „Er kennt sich mit praktisch jeder Art von Musik sehr gut aus und hat mir ganz viele Impulse gegeben und mir viele Richtungen aufgezeigt“, sagt Debus. So kam er auch mit Jazz in Kontakt. „Kind of Blue“ von Miles Davis, das meistverkaufte Jazzalbum, fand er auf Anhieb gut und spielte die Bassline von „So what“ nach. Aber es habe auch Jazz gegeben, zu dem er nicht gleich den Zugang gefunden habe. Bill Evans’ „Sunday at the Village Vanguard“ sei so ein Album gewesen. „Jazz kann am Anfang ein Wald von Klängen sein, in dem man erst lernen muss, sich zurechtzufinden“, sagt Debus. In Sachen Bill Evans Trio hat das offenbar noch geklappt: Über den Bassisten Scott LaFaro hat Debus seine Diplomarbeit geschrieben. Das war der Abschluss seines Studiums in Würzburg, wo Kontrabassist Rudi Engel sein Lehrer war.

Heute spielt Matthias Debus in vielen Formationen. Er wirkt im Quartett seiner Frau, der Saxophonistin Alexandra Lehmler, mit, gehört als Bassist, Komponist und Arrangeur zum Black Project und zum Hermann Art Kollektiv, er hat mit Erwin Ditzner und Lömsch Lehmann Wagners Ring der Nibelungen für Jazztrios bearbeitet und das Album „Die Motive des Richard W.“ aufgenommen. Als Tour- und Sessionmusiker hat er in der Neuen Philharmonie Frankfurt mitgespielt und Ian Anderson auf Tour begleitet. Und er hat auch schon mit Chris de Burgh bei einer Gala auf der Bühne gestanden.

Die Serie

Gibt es eine Platte, einen Musiker, der Ihre eigene künstlerische Entwicklung entscheidend beeinflusst hat? Das fragen wir in loser Folge Menschen, die der Metropolregion Rhein-Neckar verbunden sind.

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