Ludwigshafen
BASF: Viel Beifall für ersten Science Slam
„Science Slam“ – hinter dem Ausdruck verbirgt sich zunächst einmal ein Turnier von wissenschaftlichen Kurzvorträgen. Für Kenner deutscher Filmklassiker lässt es sich in der Frage aus der „Feuerzangenbowle“ zusammenfassen: „Wat is en Dampfmaschin? Do stellen mer uns emol janz dumm.“ So oder so ähnlich waren denn auch die Erklärungsversuche von Martin Scheuble, Sebastian Spicher, Rebecca Fels-Brendel, Juri Skotznitzki und Moritz Bross, die allesamt berichteten, worum es in ihrem Forschungsbereich eigentlich geht. Selbstverständlich nicht mehr um Dampfmaschinen, sondern um Kreislaufwirtschaft, Pflanzenschutz, Biotechnologie, Quantenchemie und Chemometrie. In jeweils zehn Minuten versuchten die fünf Wissenschaftler des Unternehmens ihren Forschungsbereich gleichzeitig informativ und für Laien verständlich zu präsentieren.
Das Besondere dabei: Bei den fünf „Slamern“, so werden die Redner genannt, handelte es sich keineswegs um erfahrene Bühnenprofis, sondern vielmehr um Naturwissenschaftler aus den Laboren des Unternehmens. „In diesem Bereich arbeiten rund 10.000 Menschen. Wir haben also für viele Jahre Stoff für Science Slams“, scherzte Moderatorin Janine Seiboth.
Heimvorteil mit Werksausweis
Wie schwer diese Aufgabenstellung dabei ist, wusste eine Besucherin ganz genau: „Chemie? Habe ich so schnell wie möglich abgewählt“, sei die häufigste Reaktion, wenn sie neuen Bekannten gegenüber von ihrem Studienfach spricht. Dementsprechend gespannt war die Werksstudentin, wie Profis ihre Fachbereiche aufarbeiten. Immerhin hatte sie, wie gefühlt rund 90 Prozent im vollbesetzten Veranstaltungssaal des BASF-Gesellschaftshauses zumindest den kleinen Heimvorteil eines Werksausweises: Besucher von außerhalb können schließlich schon mit Begriffen wie „ESM/GR“, „COM/SM“ oder „COM/SE“, die den Vortragenden zugeordnet waren, wenig anfangen.
Andere schon: „Ich war selbst früher in der Forschung“, verriet eine Besucherin. „Und ich bin gespannt, wie die Themen aufgearbeitet werden.“ Andere waren zwar Werksangehörige, kennen aber eher das Format „Poetry Slam“, mit zumeist witzig verfassten eigenen Texten. „Heute bin ich gespannt, wie viel ich von den Vorträgen verstehe“, sagte ein anderer, der außerdem zugab, die Karten beim Tag der offenen Tür gewonnen zu haben.
Großer Andrang
Man wolle mit dem Format vor allem Besuchern von außen das Thema Chemie näherbringen, hatte Holger Kapp von der Unternehmenskommunikation vorab erklärt. Ein Konzept, das bei der Premiere nur zum Teil aufging, weil sich vor allem Aniliner nach Bekanntgabe des Termins die Karten gesichert hatten, um ihre Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne zu sehen.
Und die brannten förmlich auf ihren Auftritt: „Ich habe mir sagen lassen, dass der Andrang groß war“, verriet Sebastian Spicher, der in die Welt der Quantenchemie entführt hatte. „Am schwierigsten war es eigentlich, aus diesem ganzen Spektrum ein einziges Thema herauszugreifen.“ Dem stimmte auch Rebecca Fels-Brendel zu. „Es ist schwer, die komplexe Thematik zu packen“, bemerkte sie außerdem. Und es sei schwierig, anders als bei Fachkongressen nicht auf allgemein bekannte Ausdrücke zurückgreifen zu können.
Viel Applaus für Moritz Bross
Aber ansonsten war eigentlich alles erlaubt, „solange es nicht gegen die Brandschutzrichtlinien der BASF verstößt oder den Werkschutz herbeirufen könnte“, so die scherzhafte Einschränkung. Am Ende bewertete der Applaus die Slamer. Und in der Publikumsgunst lag Biotechnologe Moritz Bross mit dem Thema „Vom Käsefuß zum Hochgenuss“ in der Publikumsgunst knapp vorne. Wiederholung nicht ausgeschlossen. Verbesserungen ebenfalls nicht.
„Mir waren es noch immer zu viele Fachbegriffe“, sagte ein Paar, dass sich seine Eintrittskarten von außerhalb der BASF gesichert hatte und ein wenig enttäuscht war: „Wir hätten es uns witziger vorgestellt.“ Eins galt aber auch für sie: „Das ist das einzige Format, bei dem man schlauer herauskommt, als man hineingegangen ist.“ Wissenschaft verständlich aufbereitet. Mal mehr, mal weniger.