Ludwigshafen BASF-Kläranlage in Ludwigshafen: Sauberes Wasser 4.0
Eine vollautomatische Lagerhalle, eine neue Anlage für Entwässerung und Prozessleitsysteme statt Steuerung per Hand. In der BASF-Kläranlage hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Auch auf sogenannte Abwasserereignisse in der Vergangenheit hat der Chemiekonzern reagiert. So wird es genannt, wenn Stoffe in den Rhein fließen, die dort nicht hingehören. Inzwischen wird noch stärker kontrolliert. Ein Besuch vor Ort.
«Ludwigshafen.»Wer mit Peter Schmittel über das Außengelände der BASF-Kläranlage fährt, vorbei an vielen großen, runden Becken, trifft kaum jemanden. Wäre nicht der Lärm der benachbarten A 6 zu hören, wäre es sehr still hier. Es ist eine eigene Welt innerhalb des BASF-Werks Ludwigshafen. Peter Schmittel ist seit 2009 Leiter der Kläranlage. Fast menschenleer ist es, weil hier vieles automatisch abläuft. „Kläranlage 4.0“ ist das Stichwort. Seit Ende 2014 werden Anlagen über ein zentrales Prozessleitsystem gesteuert, die vorher per Hand „gefahren“ wurden. Mitarbeiter gibt es hier natürlich trotzdem: derzeit etwa 120, wie Schmittel sagt. Sie arbeiten im Schichtbetrieb, damit rund um die Uhr jemand vor Ort ist. Das Herz der Kläranlage ist die Messwarte. Dort sitzen Menschen vor Monitoren und haben die Messwerte einzelner Becken, die Anlieferung von Klärschlamm und weitere Parameter genau im Blick. Das ist entscheidend. Abwässer aus chemischen Produktionsanlagen sind schließlich speziell. Die Anlage ist gleichzeitig industrielle und kommunale Kläranlage. Neben den Abwässern aus dem Werk werden hier auch die aus den Städten Ludwigshafen, Frankenthal, sowie aus den Gemeinden Bobenheim-Roxheim und Mutterstadt geklärt. Im Vergleich zu „normalen “ Kläranlagen gibt es einige Unterschiede. So wird das Wasser schon im Hauptsammelkanal – ganz am Anfang der Reinigung – mit Kalkmilch oder Schwefelsäure neutralisiert. Denn das Abwasser aus der BASF ist oft sauer oder alkalisch – hat also einen zu hohen oder zu niedrigen pH-Wert im Vergleich zu Wasser. Eine weitere Besonderheit: „Wir nehmen im 20-Minuten-Takt Proben aus dem Zulauf“, sagt Schmittel. Dabei werde das Wasser auf mehrere Hundert Einzelstoffe untersucht und „ökotoxisch eingestuft“. Schließlich soll das Wasser am Ende der Klärung sauber in den Rhein laufen. Die Messwarte der Kläranlage ist darüber informiert, wann welche besonderen Abwässer zu erwarten sind, sagt Schmittel. Sollten die Messsysteme doch mal Unregelmäßigkeiten oder zu große Mengen bestimmter Stoffe anzeigen, werde das 60.000 Kubikmeter große Speicherbecken zwischengeschaltet. „Da fangen wir einen toxischen Stoß ab.“ Dort kann die Flüssigkeit dann genauer untersucht und gegebenenfalls speziell geklärt werden. Wie oft wird Abwasser in das Speicherbecken geleitet? „Etwa alle zwei Monate“, sagt der 48-Jährige, wobei es sich dabei auch um einen Fehlalarm handeln kann. Jedes Mal wenn das Speicherbecken im Einsatz ist, muss das den Behörden gemeldet werden. Gibt es Abwässer, die die BASF-Kläranlage nicht sauberbekommt? „Nein“, sagt Schmittel. „Dafür haben wir Pulveraktivkohle. Die reinigt alles.“ Vorausgesetzt, die Mitarbeiter der Kläranlage sind informiert. Das richtige Stichwort, um einen Blick zurück zu werfen. Ende 2013, kurz vor Weihnachten. 25 Tonnen Chemikalien gelangen in die Ludwigshafener Kanalisation – der Mitarbeiter einer Tankreinigungsfirma hatte einen Container ausgespült, der nicht entleert war. 1,5 Tonnen des umweltschädlichen Stoffs Ethylendiamin fließen über die Kläranlage in den Rhein. „Damit haben wir nicht gerechnet. Dieser Abwasserstrom wurde nicht über unsere zentrale Analysestelle, die das Werk überwacht, eingeleitet. Es kam über die Nachtweide zu uns“, sagt Schmittel heute. Denn so genau das BASF-interne Messsystem ist, das immer wieder ergänzt wurde, so schwierig war es damals, externe Abwässer zu überprüfen. Die Konsequenz: Zwischen Nachtweide und Kläranlage wurde eine zusätzliche Kontrollstation installiert, die drei Teilströme überwacht, die von außen in die Anlage gelangen. Die Klärschlämme werden zu 100 Prozent verbrannt. Um den Schlamm zu entwässern, hat das Unternehmen eine neue Entwässerungs-, eine sogenannte Dekanteranlage, in Betrieb genommen. Die alte soll laut Schmittel in etwa drei Monaten still gelegt werden. Dort konnte der Klärschlamm immer nur chargenweise entwässert werden, Mitarbeiter mussten vor Ort direkt an den Entwässerungspressen sein. Die neue Anlage macht das vollautomatisch, sagt Schmittel, und kontinuierlich. Die BASF verbrennt seit dem Jahr 2000 auch Klärschlamm für einzelne Gemeinden, deren Abwasser sie nicht reinigt. So gebe es unter anderem Verträge mit Worms, Speyer und Bad Dürkheim. Es ist ein Vorteil für beide Seiten. Die BASF erhält dafür Geld, die Gemeinden sind ihren Schlamm los. Eine Erleichterung – vor allem, seit die neue Klärschlammverordnung im Oktober 2017 in Kraft getreten ist. Dieser zufolge darf nicht mehr so viel Klärschlamm auf Feldern ausgebracht werden. Bei der Verbrennung in den zwei großen Öfen der Kläranlage entsteht Energie. Sie wird sowohl werksintern wie auch über das Fernwärmenetz der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) genutzt. „Auch unsere Abwasserreinigung ist stromintensiv“, sagt Schmittel – womit sich der Kreis wieder schließt. Rund 46 Prozent des Stromverbrauchs einer Kommune würden für die Abwasserreinigung verwendet, nennt er einen Vergleich. Nach mehr als 20 Stunden ist das Abwasser gereinigt und fließt in die Nachklärbecken. Dort angelangt sieht es sauber aus. Doch auch der Zulauf in den Rhein wird natürlich nochmal akribisch kontrolliert.