Ludwigshafen Bündnis für besseren Hochwasserschutz

Die Wahrscheinlichkeit von Hochwasser-Katastrophen, wie sie Landstriche an Elbe und Donau schon heimgesucht haben, steigt auch in der Pfalz. Unter anderem die Nachbarstädte Ludwigshafen und Frankenthal arbeiten deshalb seit fast fünf Jahren intensiv daran, auf solche Szenarien besser vorbereitet zu sein.
Der Hochwasserpartnerschaft Vorderpfalz gehören neben Ludwigshafen und Frankenthal die Gemeinde Bobenheim-Roxheim, der Rhein-Pfalz-Kreis, der Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach und der Chemiekonzern BASF an. Gegründet wurde die Partnerschaft im Wissen, dass eine von extremen Rhein-Pegelständen getriebene Flutwelle „vor Gemarkungsgrenzen nicht haltmacht“, wie es der Frankenthaler Bürgermeister Martin Hebich (CDU) gestern bei einer Zwischenbilanz formulierte. Hauptziel der unterschiedlichen Akteure ist es, den dicht besiedelten Raum zwischen Bobenheim-Roxheim im Norden und Ludwigshafen im Süden mit seinen Menschen, seiner Infrastruktur mit gewaltigen Industrieanlagen und damit gewaltigen Sachwerten gegen eine Katastrophe zu schützen. Das geschehe, wie der Staatssekretär im Mainzer Umweltministerium, Thomas Griese (Grüne) sagte, durch Investitionen in technische Anlagen wie Deiche und Polder. In Rheinland-Pfalz wurde ihm zufolge dafür im Verlauf der letzten 25 Jahre rund eine Milliarde Euro verbaut. Immer wichtiger wird nach Ansicht des Kreisbeigeordneten Manfred Gräf (CDU) der organisatorische Umgang mit solchen Krisen. Stark verkürzt geht es um die Frage: Wer macht was wann? Konkret wird das in einem Szenario, das von einem Bruch des Rheinhauptdeichs an einem von drei neuralgischen Punkten ausgeht: im Bereich der Mündungen von Isenach und Eckbach in den Rhein oder am Hafen direkt neben der Autobahn A 6 und dem nördlichen Zipfel der BASF. Die in der Hochwasserpartnerschaft versammelten Experten haben für diesen Fall drei Bereiche definiert. Diese Räume erstrecken sich nördlich des Binnendamms bei Bobenheim-Roxheim, von diesem Deich bis zur A 6 und von dort aus in Richtung der nördlichen Stadtteile Ludwigshafens. Diese drei Gebiete sollen im Katastrophenfall so abdichten werden, dass sie über den Deich strömendes Wasser aufnehmen und Schaden von angrenzenden Siedlungen und Fabriken abwenden helfen. Dies geschieht durch den Einsatz von mobilen Hochwasserbarrieren und durch bauliche Veränderungen. Östlich der Pfingstweide soll beispielsweise ein Wirtschaftsweg zu diesem Zweck höhergelegt werden. Es geht aber auch um die akute Kommunikation im Notfall: Vereinbart ist ein zentraler Krisenstab in der Ludwigshafener Hauptfeuerwache, der zusammentritt, sobald der Rheinpegel in Mannheim fünf Meter erreicht. Rainer Ritthaler, Leiter des Bereichs Umwelt bei der Stadt Ludwigshafen, betonte, dass auch ein anderer Aspekt für den Schutz der nördlichen Vorderpfalz große Bedeutung habe: die Frage, ob der zwischen Waldsee, Altrip und Neuhofen geplante Polder gebaut werden darf oder die Pläne als rechtswidrig eingestuft werden. (örg)