Altrip
Ausstellung von Susanne Wolf-Kaschubowski und Ralf Schebiella
Natürlichkeit, Harmonie, Nachhaltigkeit: Das sind die Themen der neuen Ausstellung in der Galerie im Hof in Altrip. Bei Susanne Wolf-Kaschubowski, Galeristin und Künstlerin, haben Überlegungen zur Nachhaltigkeit schon lange in ihren Werken Gestalt angenommen: „Für meine Bilder benutze ich natürliche Materialien wie Sand, Steine, pflanzliche Tuschen. Inzwischen baue ich auch meine Rahmen selbst, statt sie in Plastikfolie eingeschweißt zu kaufen, und mit chemischen Lacken arbeite ich sowieso nicht.“ Auch die Farbpigmente entnimmt sie der Natur. Das können Moorschlamm sein, Zwiebelschalen, Holunder, zerdrückte Pflanzen, aber auch Rotwein und Tee. „Oder Kaffee“, ergänzt Ralf Schebiella.
Der Künstler aus Schwetzingen stellt Holzobjekte her. Die Nähe zu einem der natürlichsten Werkstoffe überhaupt liegt in seiner Familie: Der Großvater war Wagner, der Vater arbeitete im Sägewerk. „Das Sägewerk war mein Spielplatz“, erinnert sich Schebiella. Ergriffen hat er einen technischen Hauptberuf und seinen Weg in die Kunst mit Zeichnungen und Skulpturen begonnen. „Die Skulpturen waren natürlich aus Holz, aber ich habe sie damals geplant und nach meinem Willen gestaltet. Das mache ich heute nicht mehr. Vielmehr darf sich das Holz selbst einbringen – ich folge seiner Struktur, seinem Wuchs, seiner Maserung und auch seinen Bewegungen, wenn es trocknet und sich verändert. Ich erzwinge nichts“, reflektiert Schebiella seine Entwicklung.
Ein Baum, der weiterlebt
„Wegen mir muss kein gesunder Baum sterben. Als im Schwetzinger Schlosspark eine 350-jährige Ulme gefällt wurde, bin ich den Stadtgärtnern nachgefahren und habe sie um Teile des Baums gebeten“, berichtet der Künstler. „Es ist mir eine Ehre, ihn in meinen Objekten weiterleben zu lassen.“ Bei Schebiella findet sich auch ein Objekt mit Zaunresten, „als sich der Baum beim Wachsen den Zaun einverleibt hatte“. Der Kaffee dient Ralf Schebiella übrigens zum Füllen von größeren Löchern, um einem Objekt Stabilität zu verleihen. Zur Behandlung der Oberflächen verwendet er Hartwachsöl, ein reines Naturprodukt, aus dünnflüssigen Ölen hergestellt.
Was hinter dem Trend „retour a la nature“ in Frankreich steckt, hat Wolf-Kaschubowski in diesem Sommer erfahren: Im Ecomusée in Roussillon lernte sie viel über die technische Geschichte des Ockers, ein unveränderliches natürliches Pigment mit jahrhundertelanger Verwendung. „Diesen Trend, natürliche Ressourcen in die Kunstwelt hineinzuführen, kann man in jüngster Zeit verstärkt beobachten“, sagt sie. Ganz neu sei er aber nicht: „Mit dem Einarbeiten von Naturmaterialien wie Pflanzen, Metallen und Steinen haben uns schon Beuys und Kiefer gezeigt, wie authentisch Kunstwerke werden.“
Künftige Experimente
Auch mit dem Umgang mit Ressourcen beschäftigt sich Wolf-Kaschubowski: „Vor ein paar Jahren, während eines heißen Sommers, habe ich erlebt, welch ein Luxus es ist, immer kühles klares Wasser zur Verfügung zu haben.“ Konsequenterweise habe sie sich auf die Suche nach nachhaltig hergestellten Künstlerpapieren gemacht – und sie gefunden: „An der Fontaine de Vaucluse, der größten Quelle Europas, gibt es eine Papiermühle, die sehr nachhaltig produziert.“ Während Wolf-Kaschubowski noch auf konventionelle Bindemitttel aus Acryl zurückgreift, um etwa Steine oder „objets trouvés“ aus Metall auf der Leinwand zu fixieren, denkt sie bereits über die Herstellung natürlicher Kleber nach: „Angeblich hat in Alkohol aufgelöstes Baumharz ähnlich gute Eigenschaften. In unserem Vorgarten steht ein stark harzender Kirschbaum, damit werde ich demnächst experimentieren“, hat sich die Künstlerin vorgenommen.
Die Ausstellung
„simple things, Holz-Sand-Papier“, bis Sonntag, 8. Dezember, in der Galerie im Hof Altrip, Bezirkstraße 10. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 15-18 Uhr.
Die Serie: Natürlich Kunst
In der Verbindung zur Natur kann der Mensch eine schöpferische lebendige Kraft spüren, die künstlerisch inspiriert. In der Serie „Natürlich Kunst!“ sprechen wir mit Kulturschaffenden aus der Region, die wissen, wie man draußen gute Fotos macht und dass Kreativität in Wald und Wiesen heilend wirkt.