MANNHEIM
Ausstellung erinnert an den Maler und Filmemacher Franz Schömbs

Schömbs war ein Besessener. Besessen vom Licht, der Farbe und der Bewegung. „Die Wirklichkeit existiert nicht im Raum allein. Sondern nur in der Einheit von Raum und Zeit“; davon war er überzeugt. Und vom Film als zeitgemäßes Medium des Malers. Etwa 40 Gemälde und weitaus mehr Arbeiten auf Papier umfasst das Mannheimer Konvolut, der filmische Nachlass wird an bester Adresse, im Deutschen Filmmuseum Frankfurt verwahrt. Dort wird Schömbs’ Werk als wichtiges Bindeglied zwischen den abstrakten Filmarbeiten der 1920er-Jahre und dem Aufschwung des experimentellen Kurzfilms in den späten Sechzigern verortet. Dass letzterer ihn nicht mehr erreichte, ist die Tragik seines Lebens.
Kompromissloser Einzelkämpfer
Meisterhaft, soviel ist wahr, beherrschte Schömbs das Sitzen zwischen allen Stühlen. Kontakte zu den Pionieren der Weimarer Zeit kamen nicht mehr zustande. Viking Eggeling war schon 1925 gestorben, Hans Richter ging 1933 ins Exil. Schömbs wurde, was er zeitlebens bleiben sollte: ein Einzelkämpfer, der kompromisslos seinen Weg geht. 1909 wurde er in den Mannheimer S-Quadraten geboren, aufgewachsen ist er in Neustadt, an der Kunstakademie Karlsruhe und an der Meisterschule für Grafik in Kaiserslautern hat er gelernt, ein Praktikum bei einem Fotografen gemacht, ist durch Italien und Frankreich gereist – und 1936 wieder in Mannheim gelandet, wo er sich mit der Theorie und Ästhetik des Films und chemischen Experimenten beschäftigte und über die Einheit von Raum und Zeit nachdachte.
Im Jahr darauf entstanden die „Reihenbilder“, die sich wenig voneinander unterscheiden und die wir uns wohl als eine Art vertikales Daumenkino vorstellen müssen – beim Vorbeigehen soll der Eindruck einer in der Zeit ablaufenden Bewegung entstehen. Ein Bombenangriff 1943 hat das Atelier und alles darin zerstört.
Mäßig erfolgreich
Nach 1945 hätte es eigentlich besser werden können. Anfang der Fünfziger schloss er sich mit Gustav Seitz, Rudi Baerwind, Paul Berger-Bergner und Carl Trummer zur Künstlervereinigung „Mannheim Quadrat“ zusammen, stellte aus (so in der Kunsthalle), richtigen Erfolg hatte er nicht. Mit Frau und zwei Kindern hauste er im vierten Obergeschoss der Alten Sternwarte bescheiden genug. Dort konstruierte er einen Apparat, bei dem gemalte Streifenbilder und Schablonen über einen Kasten gekurbelt werden, in dessen Mitte eine Kamera sitzt und ein Spiegel, der die Bildstreifen mischt.
Einen dieser Streifen kann man in der Ausstellung sehen. Dazu einige kosmisch verwirbelte Bilder von eigentümlich zeitentrücktem Reiz sowie zwei Beispiele aus der in den fünfziger Jahren entstandenen Serie „Springwerke“, bei denen sich die Malerei gleichsam aus der Bildfläche „springend“ nach allen Seiten ausbreitet und seltsam konstruktivistisch anmutende Formen ausbildet. Vier solcher „Springwerke“ sind bis heute als Kirchenausstattung in St. Konrad in der Mannheimer Casterfeld-Siedlung zu sehen.
1957 ging Schömbs nach München, weil er dort endlich seine Filme realisieren konnte. Er wurde Dozent am Deutschen Institut für Film und Fernsehen, das ein Jahr später schon wieder schließen musste. Sein seit 1943 geplanter Zehnmintüter „Die Geburt des Lichts“ bekam das Prädikat „Besonders wertvoll“, wurde aber vom Publikum ausgepfiffen. „Den Einsamen allen“, eine mit silhouettenhaft agierenden und miteinander verschmelzenden Tänzern erarbeitete Studie zu Farbe, Raum und Zeit bleibt weitgehend ungesehen. Nach einer Verfilmung von Schlemmers „Triadischem Ballett“ war Schluss. Schömbs zog sich zurück, eine Oper „Ergon“ blieb im Entwurf stecken.