Ludwigshafen Aus Müll wird Kunst

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Vor zehn Jahren hat Ausstellungskurator Sebastian Baden als Student bei einem Austauschprogramm mit Mexiko eine freundschaftliche Beziehung zu Cruzvillegas geknüpft. Er hat ihn nach Mannheim geholt, die Entstehung der drei Exponate organisiert, und er führte ihn durch die Mannheimer City. Dabei waren zwei Fotokünstler des Volume V MASH Center, das mit seiner Baracke vor der Kunsthalle Teil des Ausstellungsprojekts ist, und zwei Pressevertreter. Es hätten viele Interessierte mitlaufen können, denn es ging um nichts weniger als die Frage, wie Cruzvillegas Kunst entsteht. Sie ist auf den urbanen Raum bezogen und auf die Menschen, die darin leben. Das neue performative Format sei bei den Besuchern der Kunsthalle noch nicht angekommen, vermutet Sebastian Baden. Das Format der BASF, „Tor 4-Gespräche“ (Talks between artists and BASF-managers), am Folgetag war dagegen sehr gut besucht. Die BASF ist Hauptsponsor der Ausstellung. Abraham Cruzvillegas ist in einem Stadtteil von Mexiko-City aufgewachsen, der durch Selbstorganistation bäuerlicher Zuwanderer entstanden ist. Sie bauten sich Behausungen aus gefundenen Materialien, oft in Nachbarschaftshilfe. „Es waren arme, ungebildete Leute“, sagt Cruzvillegas, „aber sie haben aus nichts etwas gemacht und eine Gesellschaft aufgebaut.“ Was uns heute fern und exotisch erscheint, war in Nachkriegsdeutschland auch einmal Alltag. Bis weit in die 1950er-Jahre hinein gab es in Ludwigshafen längs der Bruchwiesenstraße eine Siedlung, die ähnlich aussah. Aus existenziellem Erleben entwickelte Cruzvillegas seine Kunst, die zugleich eine Philosophie ist. Er nennt sie „Autokonstruktion“. Sein Material, zufällig gefunden und mit lokalem Bezug, bezeichnet er meist als Müll. Die fertigen Werke nennt er Skulpturen. Sie haben ästhetischen Anspruch, können aber auch wieder in Müll zerfallen. Vor allem verändern sie sich wie die Notbauten der Menschen, die sich ihrerseits verändern: in einem Prozess, auf den Kunst als Prozess antwortet. In der Ausstellung vertritt Cruzvillegas die wohl klassischste Position. Da gibt es eine Sitzecke aus Bank, Hockern, Tisch, Büchern, alles Fundstücke. In kunsthistorischer Lesart ist das eine Installation. Ein Gefährt mit fantasievollem Aufbau fällt unter die Rubrik Objekt oder Assemblage. Die farblich gestaltete kleinste Arbeit ist eine Skulptur. Alle drei heißen hier „Autokonßtrukschön suite“. Cruzvillegas hat die verwendeten Materialien nicht selbst gefunden, sondern Baden und sein Team auf die Suche geschickt und per E-Mail-Anweisung zu mehr oder weniger selbstständiger Zusammensetzung beauftragt. Damit hat er seine Position, die von Anfang an auch auf Austausch und Zusammenarbeit mit anderen Künstlern ausgerichtet war, zum Experimentierfeld erweitert. Die Generalprobe dafür war im Vorjahr in Zürich. Ein Museum ist für ihn ein Begegnungsraum, in dem Besucher und Künstler – Tänzer, Musiker und andere – seine Arbeiten bauen und beleben. Er legte dies alles im Gespräch dar mit Thorsten Pinkepank, Director Sustainability Relations der BASF. Zu Material, Recycling, Zusammenarbeit, lokaler Einbindung sah dieser Parallelen in der Wirtschaft. Cruzvillegas betonte eine umfassende existenzielle und soziale Relevanz. Beim Rundgang über Planken und Breite Straße zur Neckarstadt offenbarte sich die ununterbrochen aktive Kreativität des Künstlers. Eine Passage mit interessanter Architektur der fünfziger Jahre. Ein Gedanke, etwas mit Wasser zu machen, das den Namen einer starken mexikanischen Frau tragen soll. Ein Fundstück, das Identität stiftet: „Sie kann blühen, sie kann sterben. Sie ist das Leben!“ Es ist die Pfälzer Grumbeer, deren Vorfahren ja aus Lateinamerika eingewandert sind. Über den Rundgang machen Julia Rabusar und Manuel Suhr von MASH V. ein konzeptuelles Video.

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