Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Aus für Ponykarussells auf Jahrmärkten?

Tierschützer demonstrieren immer wieder gegen Ponykarussells auf Jahrmärkten (hier beim Stoppelmarkt vor den Toren Vechtas in Ni
Tierschützer demonstrieren immer wieder gegen Ponykarussells auf Jahrmärkten (hier beim Stoppelmarkt vor den Toren Vechtas in Niedersachsen).

Die Stadt Mannheim soll künftig das Ponyreiten von Kindern auf sogenannten Ponykarussells auf Weihnachts- oder Jahrmärkten verbieten. Das fordern die Fraktionen von Grünen, SPD und LiParTie (Linke, Die Partei, Tierschutzpartei) im Gemeinderat. Die Verwaltung befürchtet allerdings ein hohes Risiko, bei einem möglichen Rechtsstreit der Anbieter zu unterliegen.

Das Ponyreiten auf Jahrmärkten sei kein harmloser Freizeitspaß für Kinder, sondern Tierquälerei für die Ponys, begründen die Grünen ihren Antrag. Das stundenlange Laufen im Kreis führe zu einseitiger, erhöhter Belastung des Skelett- und Muskelapparats und zu Knochenveränderungen. Die Tiere litten auf dem Jahrmarkt außerdem unter Lärm und Dauerstress. Deren Nutzung als „Spaßobjekt“ vermittle den Kindern überdies einen falschen Umgang mit Tieren, formulierte Grünen-Sprecherin Christina Eberle eine Reihe von Kritikpunkten an der gegenwärtigen Praxis. Mannheim solle deshalb dem Vorgehen anderer Städte wie München folgen und Ponykarussells auf Weihnachts- und Jahrmärkten nicht mehr zulassen.

„Hier gibt es keinen Tierschutz-Verstoß wie behauptet, sonst müsste die Ordnungsbehörde einschreiten“, machte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) seine Auffassung klar. Der Rechtsrahmen der Gewerbeordnung für die Jahrmärkte lasse solch ein Verbot nicht zu. „Für die Märkte gibt es einen Zulassungsanspruch der Schausteller, den kann man nicht aus allgemeinen Gründen kippen“, verdeutlichte Kurz, selbst Jurist und ausgebildeter Verwaltungsrichter, er Anträge. Und es gebe vom Gesetzgeber auch kein Verbot für solche Angebote. „Ein lokales Verbot auszusprechen, wäre daher rechtlich mehr als riskant“, warnte Kurz. „Für Jahrmärkte kann so etwas im Moment nicht einfach ausgeschlossen werden“, stimmte CDU-Sprecher Claudius Kranz, von Beruf Rechtsanwalt, dem OB zu.

Verbot auch schon in Ludwigshafen

Doch so schnell gab die Grünen-Sprecherin nicht auf. Städte wie München, Ludwigshafen oder jüngst Frankenthal hätten ein solches Verbot ebenfalls erlassen. Auch für Mannheim gebe es Möglichkeiten dazu, meinte sie. Die Verwaltung solle hier mutig sein und wie andere Städte einen entsprechenden Beschluss fassen, sprang ihr LiParTie-Sprecher Dennis Ulas zur Seite. „Ponykarussells, das war vor 20, 30 Jahren in. Es ist die Frage, ob so etwas noch zeitgemäß ist, ob das heutzutage noch auf einen Jahrmarkt gehört“, insistierte Eberle.

Ein entsprechendes Signal an den Gesetzgeber kann OB Kurz sich aber durchaus vorstellen, räumte er ein und betonte, dass er persönlich die Kritik im Grunde teilt. „Bei einem Beschluss der Anträge durch den Gemeinderat müssen wir uns überlegen, wie wir damit entsprechend der Gemeindeordnung umgehen“, kündigte Kurz an.

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